Die Mainzer Straße von oben. Das Ordnungsamt setzt hier seine neue Regelung durch.
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Der Mainzer Straße droht das zweite Mal in ihrer Geschichte die Räumung. Im November 1990 griff die Polizei massiv gegen Hausbesetzer durch, jetzt schwingt das Bezirksamt das Schwert der Bürokratie.
Der Gehweg wird mit Tischen und Stühlen angeblich zu schmal.
Und das schmerzt richtig. Etwa dem Café-Inhaber Björn Streck. Der 39-Jährige ist empört, weil er ab 26. Juni Tische und Stühle vom Gehweg nehmen muss. Seine Sondergenehmigung zur Nutzung des Bürgersteigs wird nicht verlängert. Seit 2007 verkauft er in seiner „Coffein-Zentrale“ auch draußen – das ist nun vorbei.
Buchhändler Gerhard Zollendorf (80) darf den Gehweg nicht mehr nutzen: „Das Ordnungsamt ist unsensibel.“
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Die Begründung des Ordnungsamts: Der Gehweg wird mit Tischen und Stühlen zu schmal. Fußgänger bräuchten schließlich mindestens anderthalb Meter Platz. Auch das Restaurant „Der fliegende Tisch“ bekommt keine Sonderregelung.
Unverständnis bei den Anwohnern: Der Bürgersteig ist 3,37 Meter breit.
„Sie arbeitet hart. Ihr Laden sieht von außen aus wie ein Gefängnis“
Die Obst- und Gemüsehändlerin Thanh Binh Nquyen (49) nebenan hat schon länger Ärger, verkauft ihr Obst nur noch im Laden. „Ich mache 50 Prozent weniger Umsatz“, sagt sie. Sie machte extra die Auslagen kürzer und musste trotzdem Strafe zahlen. Der Ärger kostete sie mehrere tausend Euro.
Thanh Binh Nquyen (49) musste schon Strafe zahlen. Weil sie das Obst nicht mehr draußen verkauft, geht Umsatz verloren.
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„Sie arbeitet hart. Ihr Laden sieht von außen aus wie ein Gefängnis“, sagt Anwohner Martin Böhm (39). „Hier wird ein lebendiger Kiez kaputtgemacht.“ Die Anwohner haben sich organisiert, Unterschriften werden gesammelt, Flugblätter machen die Runde. Für den 24. Juni ist eine Demo in der Straße geplant. Motto: „Wir wollen draußen sitzen.“
Die harte Hand des Bezirks könnte auch andere Straßen treffen
Das Konzept des Ordnungsamts gilt seit 2012. Es wird allerdings erst jetzt konsequent angewandt, wenn ein Unternehmer seine Sondererlaubnis verlängern will. Am meisten stört die Gewerbetreibenden und Anwohner, dass das Ordnungsamt nicht individuell entscheidet, sich laut ihnen noch kein Bild vor Ort macht.
„Wir wollen draußen sitzen!“ Martin Böhm ruft zur Demo für den 24. Juni auf. Er fürchtet, dass der Bezirk den Kiez kaputt reguliert.
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Die harte Hand des Bezirks könnte auch andere Straßen treffen: Laut Amt wird es für Teile der Oranienstraße, die Sklalitzer Straße und rund um die Markthalle Neun in Kreuzberg eng.
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