Streit um Denkmal

Warum die gemeine Zauneidechse uns Lenins Kopf kosten könnte

Der berühmte Granit-Schädel soll nach 24 Jahren endlich ausgegraben werden. Doch Klein-Reptilien im Revier rufen Naturschützer auf den Plan

Mike Wilms
Lesezeit 2 Min
Das 20 Meter hohe Denkmal mit Lenins Schädel: Es wurde 1991 abgebaut und vergraben.

Das 20 Meter hohe Denkmal mit Lenins Schädel: Es wurde 1991 abgebaut und vergraben.

© Andreas Altwein/dpa Lizenz

Das kannte man nur von Mega-Projekten wie Stuttgart 21: Große Bauvorhaben geraten ins Wanken, weil geschützte Tiere oder Pflanzen das Planungsgebiet bevölkern. Grüne und Piraten in Treptow-Köpenick haben sich diese Taktik abgeguckt: Sie wollen verhindern, dass Buddel-Arbeiten am Lenin-Denkmal die Eidechsen im Köpenicker Forst vernichten. Ihr Plan, bisher nur eine kleine Randnotiz der Debatte (KURIER berichtete), dürfte jetzt überraschend umgesetzt werden: Die Verordneten im Umweltausschuss der BVV nahmen den Antrag einstimmig an. Da ist es fast nur noch eine Formalität, dass die gesamte BVV einwilligt.

Für ungläubiges Entsetzen sorgt das am anderen Ende der Stadt – in Spandau, wo der Lenin-Kopf ab Sommer zu sehen sein sollte. „Ich bin schockiert“, sagt Kulturamts-Chefin Andrea Theissen. Sie muss um die Hauptattraktion der fest geplanten Schau „Enthüllt – Berlin und seine Denkmäler“ fürchten. Platzt die Schau in der Zitadelle?

Dass die Eidechsen-Schützer um Andrea Gerbode (Grüne) einlenken, ist nicht zu erwarten. Für die BVV-Verordnete wäre es ein „Tötungsdelikt“, sollte die Grabung stattfinden. Gleichwohl will sie die Bergung des Granit-Kopfs nicht ganz verhindern. Die Eidechsen müssten erst umgesiedelt werden. Die Idee: Man drängt die Tiere bis Oktober zum Umzug in ein anderes Waldgebiet. Eine Strategie wäre, Wiesen im Umkreis ihres Lebensraums vorsichtig abzumähen.

Der Herbst-Termin liegt allerdings so spät, dass er die 14-Mio.-Euro-Schau genauso bedroht wie ein totales Grabungsverbot. Bleibt das Denkmal vom heutigen Platz der Vereinten Nationen demnach verbuddelt? Dort, wo es seit 24 Jahre liegt? Beim Senat heißt es, dass Naturschutz-Verstöße nicht infrage kommen. Als Auflage denken die Grünen im Bezirk etwa an eine Ausgrabung per Hand. MOW

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