Streit um Denkmal

Leninkopf aus Berlin hat Zwilling

Der Berliner Leninkopf soll nicht ausgegraben werden. Nun ist ein Zwilling der Büste aufgetaucht.

Mike Wilms
Lesezeit 3 Min
Alexander Schlegel steht neben seinem Lenin-Zwilling aus Leipzig.

Alexander Schlegel steht neben seinem Lenin-Zwilling aus Leipzig.

© Lizenz

Es klingt verrückt, aber schön der Reihe nach erzählt, macht es Sinn: Alexander Schlegel (63), Hotelmanager in Mitte, las am 11. Januar den KURIER. Unter der Überschrift „Warum die gemeine Zauneidechse Lenins Kopf kosten könnte“ berichteten wir von einem Grünen-Antrag in der BVV Treptow-Köpenick. Dessen Ziel: Der Lenin-Kopf vom einstigen Leninplatz, der seit 1991 in der Seddiner Heide verbuddelt ist, soll vorerst dort bleiben. Der Grund: Ausgrabungen gefährden das Reptilien-Revier. Da schrieb Schlegel dem KURIER eine Mail.

"Falls es mit dem Lenin-Kopf Probleme geben sollte, können wir aushelfen", bot der Manager an. Er habe da einen 5-Tonnen-Lenin anzubieten, der gerade im DDR-Museum in Burg (Spreewald) untergebracht ist. Mit ihm sei die Ausstellung „Enthüllt – Berlin und seine Denkmäler“ in der Zitadelle vielleicht zu retten. Ein Lenin-Zwilling? Wo soll der herkommen? Schlegel verrät es am Telefon: „Ich war zu DDR-Zeiten ab 1973 oft beruflich auf der Leipziger Messe. Am Sowjetischen Pavillon stand ein ähnlicher Lenin-Kopf wie in Berlin.“

Der Lenin-Zwilling musste schon für viel Schabernack herhalten: Er stand sechs Jahre vor der Münchner Russen-Disco Kalinka.

Der Lenin-Zwilling musste schon für viel Schabernack herhalten: Er stand sechs Jahre vor der Münchner Russen-Disco Kalinka.

© Alexander Schlegel Lizenz

Alexander Schlegel steht neben seinem Lenin-Zwilling aus Leipzig.

Alexander Schlegel steht neben seinem Lenin-Zwilling aus Leipzig.

© Lizenz

Derzeit steht der Leninkopf in Burg (Spreewald). Schlegel würde ihn aber auch für die Ausstellung in Spandau ausleihen.

Derzeit steht der Leninkopf in Burg (Spreewald). Schlegel würde ihn aber auch für die Ausstellung in Spandau ausleihen.

© Alexander Schlegel Lizenz

2003 kam er bei der Kino-Premiere des Films „Good Bye, Lenin“ als PR-Gag zum Einsatz.

2003 kam er bei der Kino-Premiere des Films „Good Bye, Lenin“ als PR-Gag zum Einsatz.

© Alexander Schlegel Lizenz

Der drei Meter hohe Bronze-Schädel war angesichts der Messebesucher aus aller Welt vielleicht noch berühmter als der Berliner Granit-Kopf. Aber nach dem Mauerfall standen Sowjet-Erinnerungen nicht mehr hoch im Kurs. Schlegel: „Ich fragte die Russen vom Sowjet-Pavillon, ob ich ihren Lenin haben kann.“ Die Reaktion auf seine hinterlassene Visitenkarte war erfreulich, kam aber erst 1993. „Es hieß, ich könne den Lenin holen– und bekam sogar eine Schenkungsurkunde der Russischen Föderation.“

Seither führt der Lenin-Kopf ein unstetes Wanderleben. Mal dient er Werbeagenturen als PR-Gag, 2003 wurde er zur Kino-Premiere von „Good Bye, Lenin“ zurück nach Leipzig geschickt. Die letzten Jahre stand er vor einer Russen-Disco in München. Augenzwinkernd sagt Schlegel: „Ich leihe ihn auch gratis für die Schau in der Zitadelle aus.“ Ohne Naturschutz-Probleme. MOW

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com

Lesen Sie mehr zum Thema