Über tausend Postler trafen sich zu einer verregneten Streik-Versammlung, um sich solidarische Worte der SPD-Vizevorsitzenden und Familienministerin Manuela Schwesig anzuhören. Die ließ aber fast eine Stunde auf sich warten: Stau auf dem Weg von ihrer Heimatstadt Schwerin nach Berlin.
Deshalb waren erst die Gewerkschafter dran. Susanne Stumpenhusen, ver.di-Chefin für Berlin und Brandenburg, zog vom Leder: „Was ist denn das für ein Arschloch?“ fragte sie mit Bezug auf Post-Vorstand Jürgen Gerdes. Der hatte die Verlagerung von Paketpost-Jobs in Tochterfirmen mit niedrigeren Löhnen verteidigt: Das diene der „Zukunftssicherung“ der Post, die 2014 rund 1,3 Milliarden Euro Gewinn machte. An die Zukunft der Mitarbeiter denke er nicht, zürnte Stumpenhusen.
Schwesig, endlich angekommen, sagte: „Das Mistwetter passt zu den mistigen Verhältnissen, die die Postmitarbeiter aushalten müssen.“ Die SPD unterstütze die Streikenden: „Wenn wir das Gefühl haben, dass man aus guten Tarifverträgen aussteigt und Tarifflucht betreibt, dann ist es Zeit, dass wir uns einmischen.“ Sie beklagte, dass 26 000 Postler nur befristet eingestellt seien – und nur „entfristet“ würden, wenn sie zu schlechteren Löhnen arbeiten.
Im bislang über zwei Wochen dauernden Streik geht es darum, dass die Post inwischen 6000 Leute bei der Paket-Tochter Delivery angestellt hat, darunter 4000 ehemalige Postler. Ver.di-Fachfrau Benita Unger: „Das Einstiegsgehalt bei Delivery liegt mit rund 1970 Euro so hoch wie bei der Post, aber es steigt nicht.“
Das Endgehalt eines Postlers liegt dagegen bei 2500 Euro, er bekommt Urlaubsgeld und ein 13. Gehalt – bei den Delivery-Leuten gibt es nur geringes Weihnachts- und Urlaubsgeld. Im Schnitt bekommt ein Postler 18 Euro die Stunde, sein Delivery-Kollege 13 Euro. Weil die Gewerkschaft befürchtet, dass diese Sparmethode um sich greift, wird gestreikt.
Inwischen sind die Verteilzentren mit Abermillionen von Paketen und Briefen überfüllt: Die Post sagt zwar, 80 Prozent der Sendungen würden zugestellt, was ver.di bestreitet. GL
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