Afrikanisches Viertel

Anwohner wollen Nelson Mandela und Miriam Makeba

Doch die Jury wählte Namen aus, die von den Bürgern kaum gewünscht waren ...

Gerhard Lehrke
Lesezeit 2 Min
Die Änderung der Straßennamen im Afrikanischen Viertel in Wedding werden wohl länger dauern als angenommen.

Die Änderung der Straßennamen im Afrikanischen Viertel in Wedding werden wohl länger dauern als angenommen.

© imago/Jürgen Ritter

196 Namensvorschläge hatten Bürger auf Bitten des Bezirks gemacht. Am häufigsten nannten sie nach einer dem KURIER vorliegenden Liste die südafrikanische Sängerin Miriam Makeba: 35 Mal. Auf Platz Zwei landete die kenianische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai mit 21 Stimmen, gefolgt vom südafrikanischen Anti-Apartheid-Symbol und Präsidenten Nelson Mandela mit 20 Stimmen.

Mandela wurde von der Jury gar nicht aufgenommen – vermutlich, weil er noch nicht fünf Jahre tot ist, Makeba und Maathai wurden nur zweite Wahl.

Erste Wahl waren die angolanische Königin Nzinga von Matamba (1583-1663), die nur zweimal genannt worden war, der deutsch-kamerunische Berliner Hochbahn-Fahrer Martin Dibobe (1876-1922), lediglich einmal genannt, und eine Königinmutter Yaa Asantewaa (1863-1923) aus Ghana, die zwei Befürworter hatte.

Während Dibobe einen Deutschlandbezug hat, haben Nzinga und Asantewaa keinen. Nzinga kämpfte gegen die Portugiesen, Asantewaa gegen die Briten. Bei Nzinga kommt hinzu, dass sie einen schwunghaften Sklavenhandel betrieb.

Jedenfalls wird es wohl länger dauern, bis Lüderitzstraße, Petersallee und Nachtigalplatz umbenannt werden. Carl Peters (1856-1918) führte in Deutsch-Ostafrika ein blutiges Regiment, Adolf Lüderitz (1834-1886) betrog im heutigen Namibia Einwohner beim Landkauf. Nachtigal (1834-1885) war ein Jahr lang Reichskommissar für Deutsch-Westafrika. Aber: Er ist vor allem als Afrikaforscher, nicht als brutaler Eroberer bekannt.

Auch die Petersallee – von den Nazis so benannt – stellt ein Problem dar: Seit 1986 erinnert sie offiziell an Hans Peters (1896-1966), der im Nazireich Juden unterstützt hatte.

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