Sibyll Klotz ist Grünen-Stadträtin von Schöneberg
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Auf dem berüchtigten Strich von Schöneberg tummeln sich seit 1885 die Huren. Er ist, ob man will oder nicht, eine Berliner Institution. Die Anwohner finden das wilde Treiben dagegen unerträglich – dachte man jedenfalls! Doch die „taz“ zitiert Klotz mit den Worten, der Strich habe bisher wenigstens „dafür gesorgt, dass die Mieten moderat blieben“. In Zeiten, in denen Luxus-Investoren auch den Kurfürsten-Kiez entdecken, wäre der Sex-Betrieb dann sogar ein Segen.
Der KURIER fragte Sibyll Klotz selbst: Die Stadträtin fiel aus allen Wolken, sie habe das so nie gesagt. Denn die Mieten seien – trotz Strich mit Kondom-Müll und Lärm – selbst in landeseigenen Wohnungen gestiegen. Man dürfe den Straßenstrich mit Problemen von Kriminalität bis Dreck auch nicht so gedankenlos loben.
Trotzdem klingt es ja durchaus plausibel, dass der Huren-Zirkus preisdämpfend auf die Mieten wirkt. So sagte Jörg Borchardt vom Quartiersrat kürzlich: „Wir haben Angst vor steigenden Mieten. So belastend der Strich auch ist, derzeit ist er unser Schutz.“ Hintergrund: Investoren planen rund 500 Wohnungen für die betuchte Gesellschaft im Kiez – etwa das Carré Voltaire mit Kaufpreisen bis zu 2 Mio. Euro pro Wohnung. So eine Aufwertung des Kiezes würde – wie üblich – wohl auch die Wohnkosten für alle Anwohner in die Höhe treiben.
Ein Anti-Sex-Zaun schützt jetzt den Magdeburger Platz davor.
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Noch hoffen die Investoren, dass ihre Teuer-Invasion den Strich in Luft auflösen wird – aber Stadtforscher sind skeptisch. Die Soziologin Christiane Howe stellte schon 2011 fest: Durch Bebauung verschwinden nur die „Räume, in denen Freier und Prostituierte ungestört Sexualverkehr vollziehen können“. Brachen weichen Neubauten, Gitter verhindern den Zutritt. Folge: Der Strich wird verdrängt – und breitet sich in nahe Familien-Kieze aus.
Zum Schutz gibt es jetzt etwa einen „Anti-Sex-Zaun“ am Magdeburger Platz. Die nötige große Lösung für den Bezirk ist das sicher noch nicht.
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