Köpenick Schnarchtruppe! Diesen Ruf muss sich das Bezirksamt Treptow-Köpenick inzwischen gefallen lassen. Immer wieder gibt’s Kritik an der Arbeit von Stadträten und der Bezirksbürgermeisterin Gabriele Schöttler (SPD). Erinnert sei an die verpennten Flugrouten, die Altstadt-Verödung, die unendliche Geschichte Müggelturm. Das neueste Projekt, das den Bach runterzugehen droht, ist die Sanierung des Strandbades Müggelsee.
Sven Kühne ist enttäuscht. Der 37-jährige Chef der Firma „Kühne Pool & Wellness“ in Schöneiche will das fast 100 Jahre alte Bad in Rahnsdorf für acht Millionen Euro sanieren. Ab 2014 sollen die Besucher dort im neuen, alten Bad weiterhin kostenlos planschen können. Anfang Juli wollten Kühne und sein Planer Wilfried Wolff mit den Arbeiten loslegen. „Doch wir haben immer noch keinen Vorvertrag vom Bezirk“, klagen sie.
Am 4. April bekamen beide ein Schreiben von Umweltstadtrat Michael Schneider (Linke). Darin heißt es: „Wie Sie bereits wissen, hat das Bezirksamt in seiner Sitzung vom 15.03.2011 einen Bezirksamtsbeschluss gefasst, und sich dafür entschieden, dass Ihr dem Bezirksamt vorliegendes Konzept nun umgesetzt werden soll. Dazu gratuliere ich Ihnen und wünsche uns gemeinsam eine sehr gute Zusammenarbeit.“
Wollen das Strandbad retten: Investor Sven Kühne, Planer Wilfried Wolff und Ina Wendlandt, Inhaberin der Sauna (von links). Sie muss dicht machen, 20 Leute entlassen, falls die Sanierungspläne platzen sollten.
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Umweltstadtrat Michael Schneider (Linke) wird vom Investor angezählt.
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So soll das Bad nach dem Umbau im Jahre 2014 aussehen.
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Ein Foto vom Strandbad Müggelsee aus dem Jahre 1930. Es entstand 1912, steht unter Denkmalschutz und muss sorgfältig saniert werden.
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Die gefährliche Betonkante im Bad musste bereits abgesperrt werden.
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Auch die Gebäude und anderen Anlagen sind dringend renovierungsbedürftig.
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Der Proteststurm nimmt von Woche zu Woche zu. Heute wollen 3000 Menschen in Friedrichshagen gegen die geplanten Flugrouten über den Müggelsee protestieren. Die Flugsicherung will vom Flughafen BBI bei Ostwind täglich etwa 120 startende Flugzeuge in einer Mindesthöhe von 1 150 Metern über das Naherholungsgebiet dröhnen lassen. Doch auf diese Idee soll Stadtrat Michael Schneider die Flugsicherung mit einem Gutachten erst gebracht haben.
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Ein leer stehendes Geschäft in der Köpenicker Altstadt. Leider kein Einzelfall. Rund ein Drittel der insgesamt 60 Läden rund um das historische Rathaus steht leer, kaum ein Inhaber hält über mehrere Jahre durch. Geschäftsleute geben auch dem Bezirksamt die Schuld an der Misere. So wurde ein Verkehrskonzept durchgesetzt, dass die Fahrzeuge um die Altstadt herum lenkt. Der Bau des Parkhauses im Kiez kommt nicht voran, ein Wegeleitsystem fehlt.
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Von wegen. Kühne und Wolf legten los. Zwei Mitarbeiter für das Projekt wurden eingestellt (darunter ein Event-Manager, der bereits für 2012 Veranstaltungen im Bad organisiert), Vorverträge abgeschlossen, Material und Maschinen bestellt. Kosten: rund 120.000 Euro. „Wir arbeiteten auch mit Bezirksamts-Mitarbeitern, zum Beispiel von Denkmalschutz oder Bauplanung, bestens zusammen“, sagt Wolff.
Nur Stadtrat Schneider und Bezirksbürgermeisterin Schöttler hatten kein offenes Ohr, wenn es um das Strandbad ging. „Immer wieder wurden andere Gründe für den fehlenden Vorvertrag vorgeschoben.
Mal müsse noch geprüft werden, welcher Stadtrat dafür zuständig ist, mal, ob das Projekt nicht doch hätte ausgeschrieben werden müssen, obwohl das die BVV bereits vor Jahren verneint hat“, entrüstet sich Sven Kühne.
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Langsam verliert er die Geduld. „Ich bin gut im Geschäft, habe es nicht nötig, mich so behandeln zu lassen.“ Aus seiner Firma stammen zum Beispiel die Pools im exklusiven Soho-Klub in der Torstraße oder dem neuen Waldorf Astoria am Bahnhof Zoo.
Seine Spuren würde Sven Kühne auch gern im Strandbad Müggelsee hinterlassen, das er schon als kleiner Junge liebte. Wenn man ihn nur ließe... SEY
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