Es ist geschafft!

Weißensee geht wieder baden

Zur Wiedereröffnung lockt Freibad mit freiem Eintritt.

Norbert Koch-Klaucke
Lesezeit 3 Min
Lea (30) mit Sohn Luke (6) genießen das Wasser und die Sonne.

Lea (30) mit Sohn Luke (6) genießen das Wasser und die Sonne.

© Bernd Friedel

Punkt 12 Uhr war es soweit. Schüller ging zum Eingang, räumte das „Geschlossen“-Schild weg. Dort warteten schon fast hundert Badegäste ungeduldig auf Einlass. Bettina Pinkart (64) aus Karlshorst war die erste in der Schlange, sagt: „Wir alle sind froh, dass für das Strandbad eine rasche Lösung gefunden wurde und nun weiter machen darf.“ Und natürlich freuten sich alle über den freien Eintritt, den Strandbad-Besucher auch am Sonnabend bekommen. Luft 28 Grad Celsius, Wasser fast 16 Grad warm: Luke (6) gehörte mit seiner Mama Lea (30) zu den Ersten, die sich sofort in den Weißen See wagten. „Wir sind Stammgäste. Es wäre traurig gewesen, wenn das Bad auf Dauer hätte schließen müssen“, sagt die Mutter.

Wieder Baden im Weißen See: Zur Eröffnung des Strandbades kamen viele Berliner.

Wieder Baden im Weißen See: Zur Eröffnung des Strandbades kamen viele Berliner.

© Bernd Friedel

Ende April sah es auch danach aus. Auf dem Nachbarareal wurde beim Bau von Luxus-Wohnungen das Abwassersystem zerstört, an dem Toiletten und Gastronomie des Bades hängen. Die Reparatur dauert ein Jahr. Der Bezirk ließ das Bad auf unbestimmte Zeit schließen. Eine komplette Badesaison dicht – das wäre das Aus für Schüller und seine 46 Mitarbeiter gewesen. Für den Pächter gab es nur eine Lösung: Das Aufstellen von Toilettencontainern und Getränkewagen, umso das Bad provisorisch wieder zu öffnen. Um dafür die erste Monatsmiete von 10.000 Euro zahlen zu können, bekam Schüller nach vielen Gesprächen von den Architekten der Baustelle 5.000 Euro. Der Berliner Rundfunk 91,4 half mit 2.700 Euro. Die Bäder-Betriebe erließen die Monatspacht (5.000 Euro). Und der Bezirk Pankow versprach, die Notlösung schnell zu genehmigen.

Gast Bettina Pinkert (64) freut sich auf den Badespaß.

Gast Bettina Pinkert (64) freut sich auf den Badespaß.

© Bernd Friedel

Zwei Stunden vor Wiedereröffnung war am Freitag die Lebensmittelaufsicht da. 60 Minuten dauerte die Inspektion. Dann bekam der Pächter grünes Licht. „Mir fiel ein großer Stein vom Herzen“, sagt Schüller. „Jetzt können wir mit dem Strandbad voll durchstarten.“ Ein Problem hat der Pächter noch. „Durch die Schließung fehlen mir 53.000 Euro, die ich monatlich erwirtschaften muss, um Strom, Wasser und Gehälter zu bezahlen“, sagt er. „Ersetzt der Bauherr mir nicht den Schaden, muss ich doch Insolvenz anmelden. Damit habe ich Geld, um wenigstens die Löhne weiter zu zahlen. Denn ohne Mitarbeiter kann ich das Strandbad gleich wieder schließen.“

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