Stöhn-hauser Allee

Autofahrer, jetzt müsst ihr tapfer sein!

Am Ende soll es für Autos nur noch einen Fahrstreifen pro Richtung geben.

Peter Neumann
Lesezeit 3 Min
Das Experimentierfeld: Zwischen dem U-Bahnhof und dem Einkaufszentrum soll kein Auto mehr fahren.

Das Experimentierfeld: Zwischen dem U-Bahnhof und dem Einkaufszentrum soll kein Auto mehr fahren.

© Gerd Engelsmann

Zwischen Eberswalder und Wichertstraße

So sieht der neue Zeitplan aus: „Wir wollen die erste Stufe unseres Versuchs zwischen der Eberswalder und der Wichertstraße in diesem Sommer beginnen. Wie angekündigt, werden einige Parkplätze zu Parklets umgestaltet – Holzpodien, auf denen man sitzen kann“, sagte Verkehrs-Staatssekretär Jens-Holger Kirchner (Grüne).

Parklet – das ist englisch und lässt sich als „kleiner Park“ übersetzen. In San Francisco gibt es sie schon: bepflanzte Mini-Ruhebereiche, in denen man am Straßenrand pausieren kann. „Wie viele Parklets es an der Schönhauser Allee werden und wie sie aussehen, hängt davon ab, wie viele Gewerbetreibende und Privatleute wir als Paten gewinnen. Nach unserer Vorstellung sollte es mindestens sechs solcher Ruhezonen geben, möglichst mehr“, kündigte der Senatspolitiker an.

Straßen sollen menschenfreundlicher werden

Der Verkehrsversuch ist das Ergebnis eines Workshops, zu dem der Senat 2015 einen Experten des Kopenhagener Planungsbüros Gehl Architects in den Prenzlauer Berg eingeladen hatte. In London, Shanghai, New York und anderen Metropolen arbeiten die Dänen daran, Straßen menschenfreundlicher zu machen. Die Schönhauser Allee, so Berlins oberster Verkehrsplaner Burkhard Horn und seine Mitstreiter, könnte ebenfalls eine Umgestaltung gebrauchen. Zwar seien auf der Hauptverkehrsstraße auch viele Fußgänger und Radfahrer unterwegs – doch sie hätten dort viel zu wenig Platz. Der nächste Teil des Experiments ist schon in Sicht.

Lieferzonen und Parklets

„Für die zweite Stufe des Versuchs, die 2018 starten soll, haben wir eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben“, teilte Kirchner mit. „Es geht darum, wie der Verkehrsraum stadtauswärts zwischen Stargarder Straße und Wichertstraße gestaltet werden kann. Eine Variante sieht vor, den Parkstreifen zu Lieferzonen und Parklets umzugestalten sowie eine Fahrspur für Autos zu einem Fahrstreifen für Radfahrer umzuwandeln.“ In diesem Fall würden sich der Kraftfahrzeug- und der Straßenbahnverkehr die verbleibende Fahrspur teilen. „Ob das möglich ist, ohne die Straßenbahn auszubremsen, soll die Studie klären. Wahrscheinlich müsste die Ampelsignalisierung geändert werden“, so der Staatssekretär.

Ein Fahrstreifen pro Richtung

Nur noch ein Fahrstreifen für Kraftfahrzeuge – schon das könnte viele Autofahrer gegen die Planer aufbringen. Für noch mehr Streit dürfte allerdings der dritte Teil sorgen, für den der Senat vorsichtshalber keine Startzeit nennt. „Die dritte Stufe des Versuchs sieht vor, auf dem Versuchsabschnitt den stadtauswärts rollenden Verkehr auf die westliche Fahrbahn zu verschwenken. Die Fahrbahn direkt vor den Schönhauser Allee Arkaden bliebe der Straßenbahn, dem Lieferverkehr und den Radfahrern vorbehalten.“ Neu wäre das nicht. Eine solche Verkehrsregelung gibt es schon auf dem Alexanderplatz, hieß es. Die Diskussion hat begonnen. 

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