Eine Rauchwolke hat in der Nacht viele Berliner um den Schlaf gebracht. In einer Lagerhalle in Lichterfelde war ein Feuer ausgebrochen. Drei persönliche Berichte.
Rauch, beißend, ätzend
Mittwochnacht, endlich ist es etwas kühler: Im Schlafzimmer in Friedenau stehen alle Fenster und die Balkontür weit offen. Plötzlich zerreißen Feuerwehrsirenen die Stille, eine, noch eine, eine Dritte. Na und? Schlaf weiter! Doch plötzlich sind wir beide hellwach. Es riecht nach Rauch, beißend, ätzend.
Es hält uns nicht im Bett. Ein Kontrollgang in die Zimmer der Söhne ergibt: keiner raucht – wäre ja auch noch schöner. Die Spülmaschine? Ist aus. Waschmaschine? Auch. Beim Versuch, das Schlafzimmerlicht anzumachen gibt es einen Knall … Dunkelheit. Die Sicherung ist rausgeflogen. Was ist denn hier los?
Leicht panisch wird die Wohnungstür geöffnet – im Hausflur ist alles ruhig, er riecht ganz normal, leicht muffig. Aber kein Rauch! Ein Blick aufs Tablet verrät, dass die Feuerwehr von einem Brand in Lichterfelde tweetet. Das ist zwar ein gutes Stück entfernt, aber okay. Leichte Entspannung setzt ein. Fenster zu, Balkontür auch. Klopfender Herzen legen wir uns wieder hin. Gute Nacht! (Elmar Schütze)
Der Dackel atmet noch
Der Hals kratzt, ich muss husten, mir scheint, als wabere Rauch durchs Schlafzimmer. Bin ich wach? Träume ich? Spinne ich? Brennt es? Ich brauche ein paar Minuten, dann bin ich wirklich wach. Und weiß: Dieser beißende Geruch, der mich geweckt hat, ist real. Und kommt mir giftig vor.
Friedenau, mitten in der Nacht, kurz nach zwei, um präzise zu sein, ich wohne in einem Altbau direkt gegenüber vom S-Bahnhof. Die Schlafzimmer-Tür, die hinausführt auf den Balkon, steht offen, wie immer im Sommer. Ich stehe auf, gehe in Richtung Balkon, schnuppere, rumpele herum, reiße so meinen Mann aus dem Tiefschlaf. Wasnlos, murmelt er. Riecht so komisch, sage ich.
Mache mich auf den Weg durch die Wohnung, schaue, ob irgendwo irgendetwas schwelt. Hat der Nachbar seine Zigarre vergessen? Ich schaue in den Hausflur, riecht alles normal da.
Mein Mann hat sich kurz auf den Balkon gestellt, es sei dunstig draußen, sagt er. Irgendwo in der Ferne brenne es, nicht so schlimm, beschließt er und rollt sich wieder im Bett zusammen. Ich schließe alle Fenster in der Wohnung, schaue kurz, ob der Dackel noch atmet, denke dann im Bett an all die Menschen, die an Kohlenmonoxid-Vergiftungen gestorben sind, weil sie in ihrer Wohnung gegrillt haben. Aber Kohlenmonoxid riecht ja nicht, fällt mir ein. Muss also etwas anderes sein. Und dann schlafe ich wieder.
Am Morgen gegen sieben wache ich auf, schnappe mir das Smartphone, googele „Friedenau“ und „beißender Geruch“, finde einen Bericht über Shisha-Bars. Habe ich doch geträumt?
In der Redaktion dann erfahre ich: Es war ein Brand in einer Lagerhalle in Lichterfelde. Der Rauch sei ungefährlich gewesen. Na gut, will ich mal glauben. (Bettina Cosack)
Zu wenig gebouldert
Als ich gegen 23 Uhr ins Bett ging, dauerte es keine fünf Minuten, bis ich eingeschlafen war. Ich kam vom Bouldern und war entsprechend erledigt. Deshalb war ich irritiert – normalerweise schlafe ich durch –, dass ich mitten in der Nacht wieder aufwachte. Draußen war es stockdunkel.
Eigentlich todmüde, konnte ich aber nicht mehr einschlafen. Schuld war ein starker Brandgeruch im Zimmer, den ich plötzlich wahrnahm. Ich tippte auf unseren Nachbarn, der wohl auf dem Balkon stünde und eine Zigarette rauchte.
Zehn Minuten später war der Brandgeruch immer noch nicht verschwunden und ich immer noch wach. Also stand ich auf. Vor dem Haus und hinter dem Haus war aber nichts zu sehen. Da war kein rauchender Nachbar und auch keine andere mögliche Ursache für die Geruchsbelästigung. Fünf Minuten später bin ich dann doch wieder eingeschlafen.
Meiner Freundin habe ich erst am Morgen davon erzählt. Da hatte ich schon bei der Berliner Zeitung auf Twitter gelesen, dass es einen Brand in Lichterfelde mit einer stinkenden Rauchwolke gegeben hat. Das ist sieben Kilometer von unserer Wohnung in Wilmersdorf entfernt. (Robert John)
Haben Sie den Brandgeruch über Berlin vergangene Nacht auch wahrgenommen? Was haben Sie gedacht? Wie haben Sie reagiert? Wenn Sie mögen, schreiben Sie uns. Gern hier in den Kommentaren, drüben auf Facebook oder einfach per E-Mail.
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