Stimmung bei Unions Bundesliga-Debüt

Das war Fußball Rot-Weiß!

Die eisernen Fans zelebrieren das Bundesliga-Debüt mit ganz viel Herz.

Patrick Berger
Lesezeit 3 Min
Die Unioner Fans machten das Spiel zum Spektakel. Auch mit der Aktion um die verstorbenen Unioner, die auf Bannern im Stadion dabei waren.

Die Unioner Fans machten das Spiel zum Spektakel. Auch mit der Aktion um die verstorbenen Unioner, die auf Bannern im Stadion dabei waren.

© City-Press GmbH

Kurz darauf ertönte dann die Vereinshymne „Eisern Union“ aus den Lautsprechern und die Union-Fans hielten rund 500 Banner hoch, die die Konterfeis verstorbener Fans, Mitglieder, Angehöriger sowie frühere Spieler zeigten. Mit der Aktion „Endlich dabei“ gedachten die Unioner denen, die diese historische Saison im deutschen Oberhaus nicht mehr erleben konnten. Gänsehaut! Dieser besondere Moment rührte den einen oder anderen zu Tränen.

Und dann schwiegen sie. Stimmungsboykott für eine Viertelstunde. Obwohl das mit dem Schweigen nicht zu hundert Prozent klappte. Bei Foulspielen des Gegners wurde lautstark gepfiffen, sobald sich eine Torchance anbahnte, schnellte der Stimmungspegel in die Höhe. Nur der organisierte Support mit Fangesängen blieben eben aus. Bis um 18.15 Uhr dann. Zehn, neun, acht, sieben, sechs … – die Unioner zählten die Sekunden runter. Kurz darauf: Stimmungsexplosion! Und wie. Die Fans sangen und hüpften: „Union du wirst Siegen, glaub an dich und es wird wahr/Die erste Bundesliga ist für uns zum Greifen nah/Die Zeit ist nun gekommen, ihr werdet“s alle sehn/Der Erste FC Union wird nun endlich oben stehen/Allez, allez, allez, allez, ohohohooo/Mit uns an deiner Seite wirst du niemals untergehen.“ Der kurz darauffolgende 0:1-Rückstand durch Marcel Halstenberg tat der Stimmung keinen Abbruch.

Journalisten aus aller Welt waren gekommen, um das historische Spiel der Eisernen gegen Leipzig in Köpenick hautnah zu verfolgen. Berichterstatter aus Tschechien, aus Frankreich, aus den USA, sogar aus Japan, und aus Italien. Aus Mailand war ein Vertreter von der „Corriere della Sera“ angereist. Man habe sehr wohl auch in Italien vom Aufstieg des Kult-Vereins aus Ost-Berlin gehört und sei begeistert von deren Fankultur, sagte der Schreiberling. Die Bilder nach dem Sieg in der Relegation von feiernden Fans und später dann auch von der Aufstiegsfeier hätten auch im Süden Europas für Aufsehen gesorgt. „Wir vermissen das bei uns in Italien“, sagte er und blickte von der Pressetribüne sehnsüchtig auf den Rasen. „Dieser bedingungslose Rückhalt, die Liebe der Fans zu ihrem Verein, der einfacher Fußball, die vollen Stehplätze.“

Schon weit vor dem Spiel war in Köpenick die Hölle los. Bereits um 15.30 Uhr, zweieinhalb Stunden vor dem Debütspiel, drängten sich die Menschenmassen aus der S-Bahn. An der Union-Tanke zischten die Fans ihr Bier, aßen Wurst. Ein etwas korpulenter Fan in rot-weißem Trikot hatte noch zwei Tickets über, verkaufte sie fast zum Einkaufspreis von 15 Euro und machte damit zwei Anhänger glücklich. Auch das ist eben Union Berlin: Zusammenhalt und Treue. Das bleibt: Egal, wie das Premieren-Spiel dann ausgegangen ist.

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