Sternmarsch der Guten

Cottbus positioniert sich für Flüchtlinge und gegen Gewalt

Brandenburgs Ministerpräsident kritisierte bei der Kundgebung die AfD scharf.

Jens Blankennagel
Lesezeit 3 Min
Cottbus vor zwei Wochen: Etwa 1000 Leute kamen zu einer Demonstration, zu der Flüchtlinge aufgerufen hatten.

Cottbus vor zwei Wochen: Etwa 1000 Leute kamen zu einer Demonstration, zu der Flüchtlinge aufgerufen hatten.

© Getty Images

Der Sternmarsch ist als ein Zeichen in der aufgeheizten Stimmung in der 100.000-Einwohner-Stadt gedacht, als Zeichen gegen Gewalt und für ein friedliches Miteinander von Einheimischen und Flüchtlingen. Auslöser für aufgeheizte Stimmung sind Angriffe von Rechtsradikalen auf Flüchtlinge sowie Messerattacken von jugendlichen Flüchtlingen gegen Cottbuser, die im Januar für bundesweite Schlagzeilen sorgten und vom rechtspopulistischen Verein „Zukunft Heimat“ als Anlass für die Anti-Flüchtlingsdemo genutzt wurde.

Der Sternmarsch am Donnerstag wurde von allen größeren Parteien außer der AfD unterstützt, auch von vielen lokalen Gruppen, Vereinen, Gewerkschaften und Kirchen. Der Marsch findet extra am 15. Februar statt, an jenem Tag, an dem die Stadt 1945 von den Alliierten bombardiert wurde. Bis vor zwei Jahren hatten immer wieder Rechtsextremisten und die NPD an diesem Tag zu Gedenkmärschen aufgerufen, bis sie angesichts der massiven Gegendemonstranten 2017 aufgaben. Für dieses Jahr ist keine rechtsextreme Demo angemeldet.

„Ein Tag des Horrors für Cottbus“

Für den Sternmarsch hatten sich auch Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) und Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) angesagt, der auf der Abschlusskundgebung an der Oberkirche sprechen wollte. In erster Linie ging es dem Regierungschef in seiner Rede darum, auf den ursprünglichen Anlass des Marsches hinzuweisen: Den 73. Jahrestag der Bombardierung von Cottbus durch die Alliierten am Ende des Zweiten Weltkrieges.

In seiner Rede heißt es, dass an jenem 15. Februar 1945 in Cottbus 1000 Menschen im Bombenhagel ihr Leben ließen, und dass 13.000 alles Hab und Gut verloren.

In Woidkes Rede heißt es aber auch, dass der „fatale Krieg“ sich mit diesem und den Angriffen auf andere deutsche Städte gegen das Land seiner Verursacher richtete. „Ein Tag des Horrors für Cottbus – wie zuvor und danach für viele anderen Städte Europas“, so Woidke. „Er hat sich in das Stadtgedächtnis eingebrannt. Er war das Ergebnis des mordenden nationalsozialistischen Irrsinns.“ Dieser Irrsinn war durch nichts gerechtfertigt. Und dürfe nicht verharmlost werden.

Cottbus als Stadt des Miteinanders

Der Ministerpräsident sieht Cottbus nicht als Stadt der Abschottung, Angst und Ausgrenzung, sondern als eine Stadt des Miteinanders, „als weltoffenes Zentrum in Europas Mitte“, als wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Motor der Lausitz. „Das ist die Zukunft, die wir für unsere Heimat wollen. Das ist die Zukunft, die wir vor den Ewiggestrigen beschützen müssen, die die Geschichte umschreiben wollen“, heißt es in der Rede mit direkten Bezug auf den rechtspopulistischen Verein namens „Zukunft Heimat“.

Woidke bezeichnet die Macher der Anti-Flüchtlingskampagne als Leute, die aus Angst, Verunsicherung und Hass ihr perfides Kapital schlagen wollen. „Das sind Rechtsextremisten und ihr verlängerter blauer Arm in den Parlamenten.“

Mit dem blauen Arm meint er die AfD, die im Landtag sitzt und bei der Bundestagswahl in der Lausitz zweistärkste politische Kraft wurde.

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