Die Preiserhöhung könnte bereits am Donnerstag im VBB-Aufsichtsrat beschlossen werden. Forderungen nach einer Tariferhöhung waren vor allem von Verkehrsunternehmen in Brandenburg erhoben worden.
Der Preis für ein AB-Einzelticket soll nach Informationen des Berliner KURIER von 2,80 Euro auf 2,90 Euro steigen. AB-Tageskarten, die vor allem von Touristen gekauft werden, könnten künftig 8,60 Euro statt 7 Euro kosten. Für ein AB-Monatsticket würden 84 Euro statt bisher 81 Euro fällig. Keine Preissteigerung gibt es bei den AB-Jahresabos.
Erste Preiserhöhung in Berlin und Brandenburg seit 2017
Die geplanten Tarifänderungen könnten bereits zum Fahrplanwechsel im Dezember eingeführt werden. Es wäre die erste Preiserhöhung in der Region seit 2017. Im Jahr 2018 wurde auf eine Tarifanpassung verzichtet. Die im VBB zusammengeschlossenen Verkehrsunternehmen begründen die Preiserhöhung mit gestiegenen Personalkosten.
Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) waren die Gehälter der 14.500 Beschäftigten nach dem Tarifabschluss im April dieses Jahres erhöht worden. Verkehrsbetriebe im Berliner Umland befürchten nach Informationen des Berliner KURIER die Insolvenz, wenn es nicht zu einer substanziellen Preisanhebung kommt.
Bei Verkehrspolitikern im Berliner Abgeordnetenhaus stößt die geplante Tarifanpassung auf ein geteiltes Echo. „Eine moderate Erhöhung der Ticketpreise ist verständlich, da sich die Personalkosten des Öffentlichen Personennahverkehrs stark erhöht haben“, sagt der Abgeordnete Henner Schmidt (FDP).
FDP will attraktives Preissystem
Gleichwohl müsse darauf geachtet werden, dass ein attraktives Preissystem erhalten bleibe. Ein Problem sieht Schmidt darin, dass der VBB die Preiserhöhung ungleich auf Abonnenten und künftig stärker belastete Wenigfahrer verteilt.
Wenn man die Bürger aus Gründen des Umweltschutzes zum Umsteigen auf den Öffentlichen Personennahverkehr bewegen wolle, dürfe die Hürde zum Ausprobieren nicht zu hoch sein, so Schmidt.
Tarifänderung mit Hintergedanken
Dass die Ticketpreise für das Jahres-Abo im Tarifbereich AB bei 761 Euro (monatliche Abbuchung) und 728 Euro (Jahresabbuchung) konstant bleiben, dürfte indes einem Hintergedanken entspringen. Für die Verkehrsbetriebe ist es von wirtschaftlichem Interesse, ihre Kunden langfristig zu binden und Neukunden, die vom Auto auf die Schiene umsteigen, von Beginn an für ein Jahresticket zu gewinnen. Die dauerhafte Kundenbindung gewährleistet stabile Einnahmen und damit eine größere finanzielle Planungssicherheit.
Der deutliche Preissprung um 1,60 Euro beim AB-Tagesticket trifft weniger einheimische Kunden, sondern vor allem die Millionen Berlin-Touristen. Sie haben keine andere Wahl als trotzdem zuzugreifen.
CDU-Verkehrsexperte kritisiert Pläne
Mit Verwunderung reagiert der Verkehrsexperte der CDU-Fraktion, Oliver Friederici, auf das Preis-Paket. Die Tariferhöhung durchkreuze die Erwartungen der Berliner Bevölkerung an die politisch Verantwortlichen. Nach dem Versprechen des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD), ein verbilligtes 365-Euro-Jahresticket einzuführen, seien die nun bekannt gewordenen Pläne schwer vermittelbar, so Friederici am Mittwoch.
Er kritisierte außerdem, dass die Abo-Preise für Pendler im ABC-Tarif steigen sollen, während die Abo-Preise im AB-Bereich gleichbleiben. Das ABC-Jahresticket soll bei monatlicher Abbuchung künftig 1008 Euro statt bisher 992 Euro kosten, bei jährlicher Abbuchung 978 Euro statt bisher 961 Euro. „Es ist ungerecht, wenn Abonnenten in Außenbezirken mehr bezahlen“, sagte Oliver Friederici. Dies sei „Abosurdistan in der Tarifpolitik“.
Senat will BVG-Nutzer entlasten
Die Ticket-Verteuerung fügt der Verkehrspolitik des rot-rot-grünen Senats aus Sicht des SPD-Abgeordneten Tino Schopf keinen Schaden zu. Die Koalition habe bereits viele Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel entlastet. „Wir haben das kostenlose Schülerticket, das 365-Euro-Ticket für Azubis und das Firmenticket für weniger als 50 Euro im Monat eingeführt“, sagte Verkehrsexperte Schopf dem RBB.
Der Regierende Bürgermeister Müller hält an seinem Ziel fest, nach dem „Wiener Modell“ ein 365-Euro-Jahresticket für alle BVG-Nutzer einzuführen. Diese Idee stößt jedoch, wie auch die radikalere Forderung nach kostenlosen öffentlichen Verkehrsmitteln, auf Finanzierungsbedenken von vielen Seiten.
Der VBB wollte die durchgesickerten Pläne, die Preise zu erhöhen, nicht kommentieren. Der VBB-Aufsichtsrat tage am Donnerstag.
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