Es ist amtlich

Die Mieten-Explosion ist hausgemacht

Statistiker belegen: Weil das Angebot in Berlin so gering ist, klettern die Preise.

Ulrich Paul
Lesezeit 3 Min
Graffiti sprechen eine eindeutige Sprache – gegen Investorengier und gegen Profit.

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© imago images / Bernhard Classen

Wer in den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte seit 2015 eine neue Wohnung angemietet hat, hatte ein um 425 Euro höheres Einkommen als Mieter, die vor 2015 dort eingezogen sind. Das geht aus einer Übersicht über die Mietentwicklung mit Stand 2018 hervor, die das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg am Mittwoch präsentierte. 

© BLZ/Galanty; Quelle: DESTATIS

Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte liegen damit an der Spitze der Berliner Bezirke, wenn es um die Einkommens-Differenz zwischen Neumietern und Altmietern geht. Im Klartext: Hinzugezogen sind in den beiden Innenstadt-Quartieren von 2015 bis 2018 vorwiegend Menschen mit guten Einkommen – jedenfalls im Vergleich zu den Altmietern.

Geringe Angebot ist Grund für Mietenanstieg in Berlin

In den meisten Berliner Bezirken haben die neuen Mieter ein höheres Einkommen als die alten Mieter. Nur in Spandau, Reinickendorf, Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf liegt das Einkommen der Altmieter höher. Dort sind seit 2015 also überwiegend Menschen mit geringeren Einkommen zugezogen. Bei den Mieten ergibt sich ein ähnliches Bild. So liegen die Mieten von Wohnungen in den Bezirken Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg, die seit 2015 vermietet wurden, deutlich über den Preisen, die vor 2015 verlangt wurden. Am niedrigsten ist die Differenz in Spandau und in Marzahn-Hellersdorf.

Grund für den Anstieg der Mieten in Berlin ist das geringe Angebot. Zwar erteilten die Behörden in den vergangenen Jahren jeweils Baugenehmigungen für mehr als 20.000 Wohnungen jährlich, doch bleibt die Zahl der gebauten Wohnungen dahinter zurück. Im Jahr 2018 wurden in Berlin rund 16 700 Wohnungen fertiggestellt. Mehr als 60.000 genehmigte Wohnungen wurden jedoch noch nicht fertiggestellt. „Baustau“ sagen die Statistiker dazu.

Nicht nur in Berlin gibt es einen „Baustau“ 

Der „Baustau“ ist nicht nur in Berlin, sondern in der gesamten Bundesrepublik ein Phänomen. Die Baubetriebe schaffen es immer seltener, eingegangene Aufträge auch abzuarbeiten. Im Jahr 2018 gab es mehr als doppelt so viele genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Wohnungen wie 2008 – die Zahl stieg bundesweit von rund 320.000 auf fast 700.000. Aktuell warten demnach Aufträge im Wert von rund 9,1 Milliarden Euro auf ihre Ausführung.

„Vermutlich fällt es den Betrieben schwer, das notwendige Personal zu rekrutieren“, sagt der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Georg Thiel. So sei die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe von 2008 bis 2018 zwar um 25 Prozent gestiegen. Die Auftragsbestände im Wohnungsbau allerdings verdreifachten sich seit 2008 nahezu.

Immer mehr Menschen kommen nach Berlin

Zugleich verzeichneten die 15 größten Städte Deutschlands in den Jahren 2012 bis 2018 einen deutlichen Bevölkerungszuwachs. An der Spitze steht hier Leipzig mit einem Plus von 12,9 Prozent vor Frankfurt am Main mit 9,5 Prozent und Berlin mit 8 Prozent.

Für die Hauptstadt bedeutet ein Zuwachs um mehr als 300.000 Menschen in den vergangenen Jahren dabei ein Plus in der Größenordnung einer kompletten Großstadt wie Bonn oder Münster. In die Städte zieht es dabei vor allem jüngere Menschen von 20 bis 40 Jahren. Der Wohnraummangel führt unter anderem dazu, dass die Bewohner näher zusammenrücken. (mit AFP)

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