Wahlkampf auf dem Spielplatz: Der 29-Jährige spricht mit Vätern.
© Bernd Friedel
Seit zehn Jahren kämpft der gebürtige Köpenicker für die Rechte von Kindern. „Dass aus mir mal was wird, hätte keiner gedacht“, sagt Alexander Freier-Winterwerb und erzählt seine traurige Geschichte.
Es begann, als er sieben Jahre alt war. Die Mutter des Jungen hatte einen neuen Freund: groß, muskulös, stiernackig. „Anfangs konnte er seine Aggressionen noch bändigen, aber nach einiger Zeit schlug er drauf los, wenn ihm etwas nicht passte“, erinnert sich Alexander Freier-Winterwerb. Der Stiefvater boxte in die Rippen, schlug mit der Hand ins Gesicht, schrie vor Zorn. „Wenn Mama arbeiten war, litt ich Todesängste“, so der 29-Jährige.
„Samstags wurde immer die 100-Quadratmeter-Wohnung mit der Zahnbürste geputzt. Und wehe, wenn eine Ecke nicht blitzte und blinkte...“ Zu den körperlichen Qualen kamen seelische hinzu. Als Alexander Freier neun Jahre alt war, musste er sich den US-Horror-Streifen „Der Exorzist“ (ab 18 Jahre) ansehen. Danach sagte der Stiefvater: „Wenn Kinder nicht lieb sind, holt sie der Teufel.“
Der Stiefvater lebte auch seinen Rassismus offen aus, hortete DVU-Flyer – und wirbt heute offen für die AfD, schreibt auf Facebook „Bewaffnet Euch!“ und „Geht wählen, sonst regieren uns die Ausländer.“
Mit 14 Jahren hielt Alexander Freier-Winterwerb die Schikanen, die Gewalt, den Psycho-Terror nicht mehr aus. In Lichtenberg nahm er sich eine Ein-Raum-Wohnung, finanzierte sie mit seinem Kindergeld und dem Unterhalt seiner Eltern. „Mit so einer Biografie haben viele Menschen keine Perspektive“, sagt er. „Doch ich machte Abi, ging in die Politik, um zu verhindern, dass solche Leute die Geschicke unseres Landes bestimmen.“
Mitte August stellte sich der gebürtige Köpenicker der NPD in den Weg.
© Morris Pudwell
Alexander Freier-Winterwerb kämpft gegen Hass und Vorurteile. Darum hat er sich auch unlängst allein einer NPD-Demo in Treptow in den Weg gestellt. Er wollte ein Zeichen setzen. „Es darf nicht sein, dass die Rechten den Kiez in Beschlag nehmen!“
Der 29-Jährige tritt im Wahlkreis Alt-Treptow, Baumschulenweg, Plänterwald an, ist per Erststimme wählbar. Am 18. September ist Berlin-Wahl.
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