SOS!

Hausboot in Not

Schiffsunternehmen vertreibt friedliche Kahn-Bewohner aus dem Treptower Hafen.

BK
Lesezeit 2 Min

Das Unternehmen kündigte die Mietverträge der etwa 30 „Dauer-Passagiere“, streitet mit ihnen vor Gericht. Auch die Familie von Jochen Voerste (43) und Ehefrau Petra (39) zittert um ihre Spree-Idylle. Neue Boot-Standorte sind nicht in Sicht.

Spaziergänger werfen neugierige Blicke auf die zwölf Wohnschiffe, die am Rand des Treptower Parks vor Anker liegen. Viele glauben, eine schwimmende Hippie-Kolonie vor sich zu haben. Bei aufgemalten Boots-Namen wie „Frohsinn“, „Heiterkeit“ und „Risiko“ muss das nicht wundern. „Wir sind aber Normalos, keine Hausbesetzer oder schräge Vögel“, sagt Jochen Voerste. Er ist Tontechniker, andere Schiffs-Bewohner arbeiten als Lehrer oder im Theater. Gemeinsam ist allen: Sie sollen weg!

Die „Hausboot-Kapitäne“ Petra und Jochen Voerste leben mit ihren drei Kindern Etmia, Baldur und Odilo an Bord der „Torgau“.

Die „Hausboot-Kapitäne“ Petra und Jochen Voerste leben mit ihren drei Kindern Etmia, Baldur und Odilo an Bord der „Torgau“.

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Die Wohnschiff-Kolonie ankert am Rande des Treptower Parks. Ein Liegeplatz kostet rund 450 Euro Monatsmiete.

Die Wohnschiff-Kolonie ankert am Rande des Treptower Parks. Ein Liegeplatz kostet rund 450 Euro Monatsmiete.

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Diese Kinder leben auf der "Torgau": Etmia, Baldur und Odilo

Diese Kinder leben auf der "Torgau": Etmia, Baldur und Odilo

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Petra Voerste malt an Deck mit den Kindern, Vater Jochen hängt Wäsche auf.

Petra Voerste malt an Deck mit den Kindern, Vater Jochen hängt Wäsche auf.

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„Der Konflikt schwelt im Grunde schon seit Anfang 2010“, sagt Voerste, während seine Kinder Baldur (1), Odilo (4) und Etmia (6) an Deck der „Torgau“ umherspringen. Die „Stern und Kreis“ kündigte aus heiterem Himmel die Mietverträge für alle Liegeplätze. Wieso genau, ist bis heute nicht zu erfahren. Das Unternehmen, das eine außergerichtliche Streitschlichtung ablehnte, verweist auf laufende Prozesse. Im September sind die Voerstes mit ihrem Gerichtstermin dran.

Hintergrund der Kündigungen könnte sein, dass eine andere Reederei eine Marina in der Nähe bauen will. Da muss die „Stern und Kreis“ womöglich mithalten und neue Touristen-Kähne im Treptower Hafen ansiedeln. „Wir wären ja schon zufrieden, wenn uns das Unternehmen oder ein Bezirk eine neue Anlegestelle geben würde“, sagt Petra Voerste. Doch so etwas ist schwer zu finden: Alle rund 50 Vorschläge der Hausboot-Kolonie lehnten die Behörden ab.

Wieder an Land zu wohnen, kann sich Jochen Voerste nach zehn Jahren nicht mehr vorstellen. Obwohl sein Schiffskauf damals eher ein Zufall war. Er sagt: „Für mich ist es der beste Weg, gleichzeitig in der Natur und in der Großstadt zu leben.“ MOW

Infos: www.wohnschiffe-berlin.de

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