Zugegeben: Schilder mit Erklärungen zu den einzelnen Lebewesen gibt es hier nicht. „Aber es muss auch nicht immer darum gehen, jedes einzelne Tier zu kennen“, sagt Katrin Koch. „Viel spannender ist es doch, die Dinge einfach zu entdecken. Sich beispielsweise einen kleinen Tümpel anzuschauen und sich darüber bewusst zu werden, wie viele Lebewesen sich dort unter der Wasseroberfläche tummeln.“
Sie kennt die Tiere der Stadt
Koch ist die Wildtierexpertin im Naturschutzbund NABU. Sie ist 61 Jahre alt und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Tierwelt der Hauptstadt – und weiß, dass eben jene viel zu bieten hat. Auch und vor allem am Wasser: Vögel, Fische, Kleinstlebewesen, sogar Biber können an einigen Stellen beobachtet werden. „Grundsätzlich ist den Berlinern schon bewusst, dass es in ihrer Stadt viele Tiere gibt“, sagt sie. „Denn der Berliner ist ja grundsätzlich tierlieb. Aber die meisten kennen nur die größeren Tiere, die sich leichter beobachten lassen. Wie vielfältig das Mosaik aus Lebensräumen hier ist, wissen sicherlich die wenigsten.“
Biber haben sich in den letzten 20 Jahren wieder flächendeckend in der Region verbreitet.
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Wie wäre es in der Ferienzeit mal mit einem Ausflug in die Natur, an die Flüsse und Seen in Berlin und im Umland? Hier lässt sich einiges entdecken, rät Koch. Der wohl possierlichste Bewohner dürfte für viele Berliner der Biber sein – „in den letzten 20 Jahren haben sich die Tiere hier wieder flächendeckend verbreitet“, sagt Koch. „Sie sind inzwischen an vielen Flüssen und Seen zu finden.“ Prominente Beispiele im Berliner Stadtgebiet sind der Tiergarten und der Schlosspark Charlottenburg – hier gab es zuletzt schon Schwierigkeiten mit den Tieren. „Biber selbst sind sehr scheu, aber ihre Nagespuren kann man überall beobachten, zum Leidwesen der vieler Parkgärtner.“
Bootsfahrer haben Vorteile
Wer Biber beobachten will, braucht vor allem Ruhe. „Allgemein gilt: Wenn es um die Tiere geht, die am oder im Wasser leben, sind Leute mit einem Boot besser dran – denn sie können sich von der Wasserseite nähern, sich treiben lassen, verursachen damit nicht so großen Lärm wie Fußgänger.“ Das betrifft auch Berlins Vogelwelt: Gerade an Seeufern gibt es hier einiges zu sehen. „Der Teichrohrsänger flechtet seine Nester in die Schilfhalme hinein, das sieht oft ganz rührend aus. Und die Beutelmeiste baut ihre Nester ebenfalls so, das sie vom Ufer aus nur schwer zu erkennen sind. Wenn man mit einem Paddelboot ganz langsam über den See fährt, kann man solche Vogelarten gut sehen.“
Graureiher kann man gut an den Ufern von Flüssen und Seen beobachten. Sie stehen dort, jagen im Wasser nach Fischen.
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Besonders häufig kommt der Graureiher vor, „ein großer Vogel mit langem Schnabel, der am Ufer steht, oft auf umgefallenen Bäumen“, erklärt Koch. „Von dort jagt er nach Fischen im Wasser. Graureiher kann man nahezu überall beobachten, an der Havel und der Spree, auch an den Nebengewässern.“ Nur an den größeren Seen halten sich Kormorane auf, „sehr geschickte Fischjäger, die oft auf Holzpfählen sitzen und ihr Gefieder trocknen. Sie halten sich oft in Schilfgebieten auf.“ Im Berliner Raum verbreitet sind auch verschiedene Entenarten. Koch: „Stockenten kommen am häufigsten vor, außerdem gibt es Reiher- und Tafelenten und mit der Mandarinente sogar einen echten Exoten.“ Wer sie beobachten will, hat vor allem an Orten wie der Greenwichpromenade Glück. „Dort, wo sich viele Menschen aufhalten. Die Tiere sind nicht doof – sie wissen, dass sie dort gefüttert werden.“
Wildtiere sollen Wildtiere bleiben
Das sei nicht nötig, sagt sie. Auch Enten seien Wildtiere und sollten es bleiben. Wenn es schon sein muss, sollten Tierfreunde auf zu stark gewürzte Lebensmittel verzichten und das trockene Brot niemals einfach ins Wasser werfen. „Lieber die Tiere ans Ufer locken, sonst sinkt es auf den Grund und führt zu Problemen mit dem Wasser. Allgemein gilt: In Maßen füttern. Verbieten kann man es nicht – auch meine Mutter ist mit mir früher zu den Entchen gegangen.“
Die Larven von Libellen sehen gruselig aus, doch am Ende werden daraus wunderschöne Tiere.
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Allen, die wirklich etwas entdecken wollen, rät Koch übrigens zum „Tümpeln“. „Man geht an den Rand eines Sees, nimmt einen kleinen Kescher und schwenkt ihn mehrfach durch das flache Wasser. Das, was darin ist, entleert man dann in eine flache, weiße Schale, in die man etwas klares Wasser gefüllt hat. In den meisten Flüssen findet man auf diese Art Kleintiere wie Wasserflöhe, Muscheln, Krebschen oder Larven von Libellen und Wasserkäfern. Mit etwas Glück hat man sogar mal einen kleinen Fisch im Kescher.“ Die Tiere könne man dann mit einem Bestimmungsbuch benennen. Zum Betrachten könne eine Becherlupe hilfreich sein, rät die Expertin. Besonders spannend seien die Larven von Libellen. „Sie sehen etwas gruselig aus, wenn man sie unter der Lupe betrachtet. Aber wenn man sich vorstellt, was für Libellen am Ende daraus werden, blaue, grüne, gelbe, schillernde. Wunderschön!“
Berlin hat zu wenig Gärtner
Bleibt zu hoffen, dass es die Artenvielfalt auch zukünftig geben wird. Koch wünscht sich, dass vor allem mit Grünflächen besser umgegangen wird. „Eigentlich bräuchte jede Fläche ein angepasstes Pflegeregime, damit Gärtner diese Parks individueller behandeln. Sie könnten Wildblumenwiesen für die Bienen anlegen, Vogelschutzhecken oder Buschflächen, damit die Tiere in der Stadt wandern können. Aus meiner Sicht gibt es da erhebliche Defizite, weil das Budget nicht reicht und es für die Flächen der Stadt zu wenig Gärtner gibt.“
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