Ernst-Thälmann-Siedlung der Gemeinde Ziltendorf oben am 11.08.1997 und unten am 06.06.2017.
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„Vergessen ist dieser Sommer 1997 nicht. Da gibt es viele schlimme Erinnerungen“, sagt Eberhard Schulz. Das unter Wasser stehende Firmengebäude des einstigen Elektromeisters im Zentrum des Dorfes war damals ein beliebtes Fotomotiv. Später, als das Wasser wieder weg war und es ans Aufräumen ging, türmte sich daneben ein riesiger Sperrmüllhaufen nicht mehr brauchbaren Hausrats aus der ganzen Siedlung.
„Am Anfang herrschte die pure Verzweiflung, denn die Leute hatten ihr gesamtes Hab und Gut verloren“, erinnert sich Danny Langhagel (CDU), heute ehrenamtlicher Bürgermeister in Ziltendorf (Landkreis Oder-Spree), zu dem die Thälmann-Siedlung gehört. Vor 20 Jahren kämpfte er als Katastrophenschützer beim Deutschen Roten Kreuz in Frankfurt (Oder) gegen die Flut. Sein Zuhause war damals nicht betroffen.
Große Spendenwelle für Hochwasseropfer
Langhagel erinnert sich an die große Dankbarkeit bei den insgesamt in der Ziltendorfer Niederung betroffenen 400 Familien, als eine große Spendenwelle aus ganz Deutschland die Hochwasseropfer an der Oder erreichte. Die Bewohner waren bereits einen Tag vor den Deichbrüchen vorsorglich in Sicherheit gebracht worden. „Nicht zu leugnen ist, dass viele Häuser nach der dadurch finanzierten Renovierung schöner sind als vorher“, sagt Langhagel. Früher habe es geheißen: „In der Thälmann-Siedlung wirst Du mit Gummistiefeln geboren“, erzählt er schmunzelnd.
Bei dem Jahrhunderthochwasser der Oder 1997 brach unweit dieser Ortschaft ein Deich und das Wasser der Oder strömte in die Ziltendorfer Niederung und überflutete die Ernst-Thälmann-Siedlung.
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„Unser Dorf ist schöner geworden, das gesamte Umfeld konnte gestaltet werden. Wir haben tolle Radwege, die Touristen gern nutzen“, ergänzt der 73-jährige Schulz. Hätte es diese finanzielle Unterstützung nicht gegeben, wären wohl viele Betroffene weggezogen. So aber gingen nur einige wenige, um woanders neu anzufangen.
Gedenkgottesdienst erinnert an verheerendes Hochwasser
Mit einem Gedenkgottesdienst im Ziltendorfer Gemeindezentrum soll an diesem Samstag (10. Juni) an das verheerende Hochwasser erinnert werden. „Wir wollen das Jubiläum dann hier am Bürgerhaus mit einer kleinen Feier fortsetzen, wie wir es an diesem Datum alljährlich zu unserem Volksangeltag machen“, sagt Danny Busse, Amtsdirektor des Amtes Brieskow-Finkenheerd (parteilos), der vor 20 Jahren noch in Frankfurt (Oder) studierte. Zu feiern gebe es in Erinnerung an die Flut eigentlich nichts, sagt der frühere Elektromeister Schulz. „Die Hochwasserzeit hat bei allen Betroffenen ziemlich an den Nerven gezerrt, die schrecklichen Bilder bleiben im Kopf.“
Manch einer will somit eigentlich lieber nicht an die dramatischen Ereignisse erinnert werden. Zu ihnen gehört Familie Jädicke am südlichen Ende der Thälmann-Siedlung. In ihrem Haus war durch den Druck der Wassermassen die Ölheizung geplatzt und hatte das gesamte Gebäude verseucht. „Bis in den September 1997 hinein haben wir versucht, es zu retten“, erinnert sich Monika Jädicke. Dann, als die meisten Nachbarn schon wieder in ihre renovierten Häuser einzogen, musste ihr Zuhause doch noch abgerissen werden.
Oderdeich in Aurith nahe der Ernst-Thälmann-Siedlung der Gemeinde Ziltendorf.
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„Der Gestank ging einfach nicht weg. Dafür waren aber Fotos und andere Erinnerungsgegenstände unwiederbringlich verloren“, sagt Jädicke, die sich in dem später neu gebauten Haus bis heute nicht so richtig heimisch fühlt. Zudem bleibe die Angst vor jedem neuen Hochwasser. „Noch einmal würde ich so etwas nicht durchstehen“, sagt sie.
Zeitpunkt der Gedenkveranstaltung verärgert Betroffene
Die Gedenkveranstaltung kommt - historisch gesehen - zu früh. Denn die beiden Oderdeichbrüche, die die Ziltendorfer Niederung binnen kürzester Zeit voll laufen ließen, ereigneten sich am 23. und 24. Juli 1997. Damals Betroffene sind verstimmt, weil der Landkreis Oder-Spree aus logistischen Gründen die zentrale Gedenkfeier am 15. Juli in Eisenhüttenstadt organisiert.
„Es wäre angemessen gewesen, diese Veranstaltung am Ort der damaligen dramatischen Geschehnisse anzusiedeln, also hier bei uns“, kritisiert der Amtsdirektor, der wie viele Ziltendorfer die Entscheidung der Kreisverwaltung nicht nachvollziehen kann. „Eisenhüttenstadt war nicht wirklich von der Flut betroffen. Wir damaligen Hochwasseropfer sind alle älter geworden. Von uns fährt keiner zum Gedenken nach Hütte“, sagt Schulz fast trotzig.
(Jeanette Bederke, dpa)
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