KURIER: Alden, wie fühlt man sich, wenn die Last eines auf Minimum 200 Millionen Dollar geschätzten Spektakels einem auf den Schultern ruht?
Alden Ehrenreich: Als ich die Rolle bekam, war mir sofort klar, dass es hier nicht einfach nur um einen Job ging, den ich einen Sommer lang mache, sondern dass es ein Abenteuer sein wird, das mich mein ganzes Leben lang begleiten wird. Es war ein bedeutender Moment, als ich Ja gesagt habe, Ja zu einer Reise, die lange dauern wird und auf die ich mich wahnsinnig freue. Natürlich weiß ich, dass so ein gigantisches Projekt auch Schattenseiten hat, aber das machte für mich auch den Reiz aus: zu wissen, dass ich mit neuen Erfahrungen aus diesem Prozess herauskommen werde.
Hat es Ihnen auch ein wenig Angst eingejagt, für diese Rolle zu unterschreiben?
Klar! Das Casting dauerte allerdings sechs Monate, also hatte ich Zeit, mich darauf einzustellen, was es bedeuten könnte, wenn ich Han Solo werde. Mir war wichtig, in mich hineinzuhören, ob ich die Rolle wirklich von ganzem Herzen spielen will – und nicht nur, weil mich jeder für verrückt erklären würde, wenn ich’s nicht täte. Ich bin alleine in Urlaub gefahren, um zu gucken, ob in mir nicht vielleicht doch eine Stimme ruft: Mach’s lieber nicht! Aber mir wurde klar, wie sehr ich diese Rolle wirklich will.
Wissen Sie, warum man Sie genommen hat?
Irgendwas hat von Anfang an gepasst. Ich war auch noch die allererste Person, die überhaupt vorgesprochen hat. Nach mir kamen noch 3000 andere zum Casting.
Wie kam das, dass genau Sie der Erste von 3000 waren?
Weil ich danach für einen Dreh nach Marokko musste. Die Casting-Direktorin hat extra einen frühen Termin angesetzt, damit ich noch vorspielen kann.
Die Figur Han Solo ist Star-Wars-Fans lieb und teuer. Wie wird man dieser Erwartung gerecht?
Der Druck, die Hauptrolle in einem „Star Wars“-Film zu spielen, war enorm. Andererseits ist meine Erwartungshaltung an mich selbst bei jeder Rolle ähnlich hoch. Ich will einfach sehr gute Arbeit abliefern. Aber zum Glück kann ich auf 14 Jahre Erfahrung im Filmgeschäft zurückgreifen. Da waren meine Anfangsrollen um einiges aufregender. Verstehen Sie mich nicht falsch: Natürlich ist es überwältigend, diese Figur zu spielen, aber heute beherrsche ich mein Handwerk.
Und wenn Sie doch mal das Flattern bekommen?
In solchen Momenten frage ich mich, worauf ich selbst Einfluss habe. Das ist meine Arbeit und wie ich mich vorbereite. Was ich hingegen nicht beeinflussen kann, ist der fertige Film, wie die Leute ihn aufnehmen und was Kollegen denken. Es hilft mir immer, mir das klar zu machen.
Hatten Sie die Chance, mit Harrison Ford über die Rolle zu sprechen?
Wollen Sie wissen, ob er mir den Gürtel umgeschnallt hat? (Lacht.) Ich habe mich mit ihm einmal zum Lunch getroffen. Ich hätte es komisch gefunden, wenn ich ihn vor dem Dreh nicht kennengelernt hätte. Und es war ein tolles Erlebnis, er war sehr cool – und gab mir seinen Segen. Inzwischen hat er den Film schon gesehen und liebt ihn. Das bedeutet mir viel. Es gibt für mich zwei Kategorien: Harrison Ford und der Rest der Welt. Harrison ist schon mal begeistert, jetzt fehlt noch das Publikum.
Worüber haben Sie mit Harrison gesprochen?
Er meinte: „Falls dich jemand fragt, ob ich dir Tipps gegeben habe, dann erzähl’, dass ich dir eine große Hilfe war, aber dass du versprechen musstest, kein Sterbenswörtchen zu verraten!“ (Lacht.)
Haben Sie Harrisons Körpersprache studiert?
Ja, ich habe versucht, jedes noch so kleine Detail zu absorbieren, und habe mir seine Szenen immer und immer wieder angesehen. Das war nötig, damit ich seine Mimik und Gestik am Set auf Knopfdruck abrufen konnte. Vorbereitung ist alles.
Viele Kritiker schreiben begeistert, dass Sie die Vorlage wunderbar ausfüllen und zu Ihrer eigenen machen. Hatten Sie schon beim Dreh das Gefühl, dass Sie’s packen?
Gruppenbild mit Dame: Alden Ehrenreich, Joonas Suotamo mit Emilia Clarke – sie spielt die mysteriöse Qi’ra.
© Arthur Mola/Invision/AP
Mal hat man ein sehr gutes Gefühl, in anderen Szenen meint man, dass etwas nicht funktioniert. Das gehört dazu. Mir war wichtig, dass ich jederzeit wie ein echter Mensch fühlte und nicht wie eine Puppe, die seelenlos irgendein Programm abspult. Dann hätte der Film nicht funktioniert. Und selbst der echte Han Solo fühlt sich nicht den ganzen Tag wie der heldenhafte Han Solo.
Was ist Ihre erste Erinnerung an „Star Wars“?
Ich war fünf, als ich die Videokassetten bei einem Freund angeschaut habe. Ich erinnere mich noch genau, wie Han Luke Skywalker rettet. Diese Szene liebe ich heute noch. Als Kind waren Han und Luke für mich Idole. Je älter ich werde, desto mehr gefällt mir auch Yoda. Ein weiser Kerl.
Glauben Sie, dass Ihr Leben sich massiv verändern wird?
Ich kann nicht einschätzen, ob demnächst japanische Mädchen auf der Straße hinter mir herlaufen. Oder ob die große Veränderung auf mich zukommt, wenn die Plakate an jeder Ecke hängen. Ich lasse mich überraschen. Was auch immer es sein wird, ich werde lernen, damit zu leben. Schon die Premiere bei den Filmfestspielen von Cannes zu feiern, war die größte Ehre.
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