Berlin - Gabriele Frydrych ist Lehrerin an einer Gesamtschule in Spandau und Buchautorin. In "Von Schülern, Eltern und anderen Besserwissern" (Piper, 8,95 Euro) nimmt sie den Lehreralltag mit Humor aufs Korn. Die Debatte um Ursula Sarrazin verfolgt sie mit gemischten Gefühlen. Mit ihr sprach Sascha Langenbach.KURIER: Täuscht das Gefühl oder gehen Eltern und Schüler heute grober mit Lehrern um?Frydrych: Es gibt tatsächlich immer mehr Eltern die das Gefühl haben, sie müssten den Lehrern bei allem, was sie tun, auf die Finger schauen - und die geben im Zweifel immer ihren Kindern Recht. Das wissen die Kinder natürlich und reagieren den Lehrern gegenüber mit Unverschämtheiten.Die Eltern spielen also Pädagogen-Polizei?Um es klar zu machen: Es gibt ganz viele tolle Eltern, mit denen Lehrer prima zusammen arbeiten, so kenne ich es aus der Praxis. Problematisch wird es, wenn ein Lehrer unter Generalverdacht steht und die Eltern untereinander Stimmung gegen die Person machen, statt normal miteinander zu reden. Dann kann es passieren, dass ein Lehrer demontiert wird.Also sind die Lehrer die Guten?Es gibt auch schlechte Lehrer, ohne Frage. Und es gibt Eltern, die sich für die Entwicklung ihres Kindes kaum interessieren sowie Schüler, die scheinbar gar keine Regeln kennen gelernt haben und auf nichts und niemanden hören.. Wichtig ist es, an der Schule gegenseitiges Verständnis zu haben, da muss eine Grundsolidarität da sein.Wie kommt man aus dem Dilemma heraus?Es gibt Forscher die behaupten, es komme nicht auf die Klassengröße an. Ich halte das für falsch. In kleineren Gruppen können verhaltensauffällige Kinder erfolgreicher unterrichtet werden, da kann ein Lehrer seine Ideen und seine Kraft gezielt investieren. Aber oft verzettelt sich das Schulsystem. Da geht die Verwaltungsarbeit zulasten des Unterrichts. Oder man findet Kollegen, die unterrichten in 26 Wochenstunden 15 Klassen - das ist unmöglich!Haben Sie schon mal daran gedacht, hinzuwerfen?Die Schule allein kann die Missstände in der Gesellschaft nicht bewältigen. Ich bin trotz allem gerne Lehrerin, mag es, Literatur und Musik zu unterrichten, hatte erst wieder eine tolle Tanz-Gruppe mit Schülern aufgebaut. Klar ist: Der Druck, gerade auf die jungen Kollegen, wird größer.------------------------------BU: Gabriele Frydrych unterrichtet an einer Gesamtschule in Spandau.
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