So gierig war der Despot Hunderte Millionen Dollar Steuern, Schmiergeld, Betrug

+++ Chaos in Tunesien +++

Ralph Durry
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Tunis - Am Ende wollte nicht mal der Pilot auf Tunesiens Präsidenten warten - der Tunis Air-Jet, mit der Zine el Abidine Ben Ali sein tobendes Land verlassen wollte, startete ohne ihn. Aus dem Cockpit hieß es, man wollte niemandem helfen, der sich so an seinem Land vergangen hätte. Eine Wut, die Millionen Tunesier teilen: Ihr Land war Privatbesitz der "Familie" - und die bestand aus den verzweigten Clans von Ben Ali und seiner Frau Leila.Eine traurige Geschichte, denn angetreten war Ben Ali 1987 mit Versprechen der Modernisierung und Demokratie. Doch dann lernte der alternde Galan die 19 Jahre jüngere Leila Trabelsi kennen, eine Friseuse aus einfachsten Verhältnissen. 1992 war Hochzeit. Zehn Brüder hat Leila, heute gehören sie alle zur feinsten Gesellschaft von Tunis.Und ohne Schmiergeld an Mourad und Belhassen Trabelsi lief in Tunesien seither kein Geschäft mehr. Die "Familie" plünderte das Land systematisch aus. In den feinsten Vierteln von Tunis enteignen die Wasserwerke Villenbesitzer - die Anwesen bekommt Ben Alis Schwiegersohn zur freien Verfügung.Eine wirklich feine Familie war das: Den Trabelsis gehören heute Radiosender, Auto-Handlungen und über die "Karthago Group" die Fluglinien "Karthago Airlines" und "Koral Blue", Luxus-Resorts, Versicherungen und Handy-Netze. Der Schaden für den Staat durch Steuer-Ausfälle wird auf viele hundert Millionen Dollar geschätzt - Jahr für Jahr. RDSo erlebten die Urlauber das Chaos in Tunesien: SEITEN 4-5------------------------------Polizei-Chefs festgenommenDer Bahnhof in Flammen, Plünderungen, abgefackelte Supermärkte und 60 Tote bei einer Gefängnismeuterei: "Völliges Chaos in Tunesien" beklagte gestern sogar Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi. Die Armee marschierte in die Städte ein - zur Freude vieler Bürger, die Angst um ihr Leben hatten.Der respektierte Ghannouchi tat sein Bestes, das Land zu beruhigen. Polizeichefs wurden wegen der Todesschüsse auf Demonstranten verhaftet. In der nächsten Regierung sollen nach Ghannouchis Willen auch die Oppositionsführer sitzen. Der greise Parlamentssprecher Fouad Mebazaa - ein Vertreter des alten Regimes - wurde als Interims-Präsident vereidigt.Präsident Zine el Abidine Ben Ali hatte das Land völlig überstürzt verlassen - Frankreich lehnte die Aufnahme ab, gestern landete der gestürzte Despot in der saudischen Metropole Dschidda.------------------------------BU: Ex-Präsident Ben Ali und Ehefrau Leila: Nach Diktatur verreist.

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