Präziser lässt sich die Eleganz-Entwicklung der Hauptstadt wohl nicht beschreiben. Obwohl Arnold der Meinung ist, dass beim „Besserkleiden“, wie er es nennt, durchaus noch Luft nach oben ist in der ehemals geteilten Stadt. An ihm liegt’s jedenfalls nicht. Sein Smokingverleih im zweiten Kreuzberger Hinterhof ist der einzige, der ausschließlich auf dieses Kleidungsstück spezialisiert ist.
„Die meisten Herren sind sehr modebewusst“
Und es soll keiner glauben, dass Arnold es mit Modemuffeln zu tun hat, die sich schnell mal einkleiden müssen, weil die Gattin beschlossen hat, dass es nun mal sein muss. Im Gegenteil. „Die meisten Herren sind sehr modebewusst“, sagt Marlon Arnold. Er selbst wirkt in dunklen Jeans und schwarzem Sweatshirt eher jungenhaft-sportlich. Doch der 37-Jährige ist ein Experte in Sachen Smoking.
Stilsicher im Smoking: Präsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke beim Bundespresseball.
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Mittlerweile empfängt er immer mehr Stammkunden in seinem kleinen Atelier. Sie schätzen an seinem Service nicht zuletzt, dass sie sich keine Gedanken über ihr Gewicht machen müssen. „Bei einigen geht es durchaus mal rauf und mal runter“, erzählt Arnold. Für diese Kunden sei es natürlich eine Erleichterung, dass sie sich keine Sorgen machen müssen, ob sie auch in diesem Jahr wieder in ihren Smoking passen.
James Bond als Trendsetter
Arnold hat 150 Exemplare in insgesamt 23 Größen und Zwischengrößen im Angebot. Seine Smokings kann man in vier verschiedenen Schnitten anprobieren. Wem nicht gleich auf Anhieb etwas passt, dem bietet er einen Schneiderservice an. Die Näharbeiten werden dann nach Rückgabe des guten Stücks wieder rückgängig gemacht.
Altkanzler Gerhard Schröder eifert stilistisch James Bond nach.
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Es gibt aber noch einen zweiten guten Grund, sich einem Smokingverleiher anzuvertrauen: Auch dieser Anzug ist gewissen Moden unterworfen. Der Influencer schlechthin ist dabei Bond, James Bond. „Als Daniel Craig in ‚Skyfall‘ einen nachtblauen Smoking trug, stieg sofort die Nachfrage danach“, sagt Arnold. Ähnlich war es als Craig in „Spectre“ ein weißes Dinnerjacket zur schwarzen Smokinghose trug.
Smoking heute: Breite Revers, aber keine weiten Hosen
Daniel Craig ist aber nicht der einzige Spion Ihrer Majestät mit der Lizenz zum Trendsetter. Auch die breiteren Revers der 70er-Jahre, die Sean Connery einst trug, sind wieder im Kommen. „Allerdings werden sie modern interpretiert“, sagt Arnold. Soll heißen: Breite Revers gehen in Ordnung, aber weite Hosen eher nicht. Der Smoking von heute ist eng geschnitten, die Smokingjacke tailliert.
Schon Pierce Brosnan (Bild), Sean Connery und Timothy Dalton setzten als 007 Mode-Maßstäbe.
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Selbst die Galonstreifen, also die Seidenstreifen an den Außennähten der Smokinghose, sind mal schmaler und mal breiter. Letzteres zum Beispiel bei den letzten Oscar-Verleihungen. Arnold hält sich für seine „Herren“ immer auf dem laufenden. „Der Großteil meiner Kunden ist sehr modebewusst“, sagt der Verleiher, „die Herren probieren immer wieder gerne etwas Neues aus“.
Berlin: Jedes Jahr kommen neue Bälle hinzu
Ein klitzekleinen Trend hat er auch bei den Größen festgestellt. Sind beim Bundespresseball vor allem eher die schmaleren Schnitte begehrt, sucht er vor dem Ball der Wirtschaft auch mehr größere Größen heraus. „Berlin hat einen unglaublichen Veranstaltungskalender“, sagt Arnold. „Und jedes Jahr kommen neue Bälle hinzu.“ So gibt es seit drei Jahren den Gründergeist-Ball in Berlin, bei dem viele Unternehmer aus der Start-up-Szene dabei sind. Und so vertrauen mittlerweile auch immer mehr Nerds ihr Aussehen dem Kreuzberger Verleiher an.
Sobald die Ballsaison im Februar vorbei ist, empfängt Arnold schon die ersten Bräutigame in seinem Atelier. Seit einigen Jahren wird nämlich auch festlicher geheiratet. Vielleicht wird aus Berlin doch noch eine elegante Hauptstadt.
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