Sixdays

"Für Oma fahr ich langsam"

Titelverteidiger Andreas Müller spricht im KURIER über Familie, Mallorca und das WM-Treppchen.

BK
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Andreas Müller (l.) beim Wechsel mit Partner Andreas Graf.

Andreas Müller (l.) beim Wechsel mit Partner Andreas Graf.

© imago/Mario Stiehl Lizenz

KURIER: Die Sixdays in Berlin gehen heute Abend zu Ende. Als gebürtiger Berliner haben Sie in den letzten Tagen sicher viele Hände geschüttelt. Wessen Besuch war Ihnen am wichtigsten?

Andreas Müller: Ich würde nicht sagen, dass mir manche Leute wichtiger sind als andere. Alle, die auch in schweren Zeiten zu mir gehalten haben, sehe ich in Berlin jedes Jahr wieder. Dass meine Oma mit ihren 80 Jahren noch ins Velodrom kommt, finde ich einfach toll. Dann muss ich ein bisschen langsamer fahren, sonst sieht sie mich im Oval ja nicht. (lacht)

Die Stimmung ist gut. Stimmt auch die Form drei Wochen vor der WM in Paris vom 18. bis zum 22. Februar?

Ich denke schon. Die Sixdays sind eine optimale Vorbereitung. Andi [Partner Andreas Graf, Anmerkung der Redaktion] und ich üben jeden Abend das, worauf es bei der WM ankommt: das Zweiermannschaftsfahren.

Angst vor Verletzungen?

Natürlich ist das so kurz vor dem sportlichen Höhepunkt eine Gratwanderung. Aber wir müssen ja auch unser Geld verdienen. Wir nutzen die Sixdays als Training. Wenn wir gesund durchkommen, sind wir fit für Paris.

Und dann fahren Sie in Frankreich aufs Treppchen?

Unbedingt. Alles andere hatten wir schon. Vierter waren wir schon zwei Mal, einen Platz vorrücken müssen wir wenigstens.

Sie starten für Österreich, haben neben Ihrem Wohnsitz in Wien aber immer noch eine Wohnung in Berlin ...

Und neu: eine auf Mallorca.

Wieso das denn?

Andi und ich haben dort ein kleines Apartment gemietet. Wir sind mindestens sechs oder sieben Mal im Jahr zum Trainieren dort. Da wären Hotels zu teuer. Außerdem hat eine eigene Wohnung viele Vorteile. Wir müssen uns an keine Essenzeiten halten, können kochen, was wir wollen. Wir haben eine Waschmaschine, können die Räder das ganze Jahr über dort lassen. Man fühlt sich einfach heimisch.

Was ist an Mallorca so toll?

Die Insel ist seit zehn Jahren das Radsport-Mekka schlechthin. Die ganze Struktur ist darauf ausgelegt. Die Straßen sind top, du hast zig Radläden. Es ist einfach ein Paradies für Radsportler. Und entsprechend viele Leute trifft man dort, mit denen man zusammen trainieren kann.

Wen denn zum Beispiel?
Den Weltmeister David Muntaner.

Sie trainieren mit Ihrem Gegner?
Na klar, bei langen Ausfahrten kann man sich doch nichts abgucken. Wir sind Freunde. Außerdem macht es im Team mehr Spaß als allein.

Zurück zum Sechstagerennen. Welches Erlebnis ist Ihnen in den vielen Jahren, die Sie das Velodrom schon kennen, am meisten in Erinnerung?
Da muss ich nicht lange überlegen. Das war auf jeden Fall die Grundsteinlegung. Als die Arena im Rahmen der Berliner Bewerbung für die Olympischen Spiele 2000 gebaut wurde, war ich dabei. Es war 1993. Ich war Schüler des Coubertin-Gymnasiums. Das war nur einen Katzensprung entfernt und wir haben schulfrei bekommen, um bei der Grundsteinlegung dabei zu sein. MIP

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