Betrug am Telefon

SIM-Swapping: Wie Betrüger Ihre Handynummer kapern

Ein angeblicher Paketdienst will nur einen kurzen Code bestätigt haben. Wenig später hat das Handy kein Netz mehr – und Fremde räumen Konten leer. Wie die Masche funktioniert.

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Plötzlich kein Empfang: Wenn das Handy ohne Grund das Netz verliert, kann eine gekaperte Rufnummer dahinterstecken.

Plötzlich kein Empfang: Wenn das Handy ohne Grund das Netz verliert, kann eine gekaperte Rufnummer dahinterstecken.

© Imago

Das Handy klingelt, am Apparat ist angeblich ein Paketdienst. Der Mann braucht nur schnell einen Code, den er gerade per SMS geschickt hat. Wer ihn vorliest, verliert Minuten später den Zugriff auf sein eigenes Handy – und oft noch viel mehr.

SIM-Swapping: So kapern Gauner Ihre Handynummer

Zu fast jedem Handyvertrag gehört ein Online-Kundenkonto. Bei einigen Anbietern kommt man dort auch ohne Passwort hinein: Man tippt die Handynummer ein und lässt sich einen Einmal-Code per SMS schicken. Genau das tun die Täter. Der Code landet beim Opfer – und im selben Moment klingelt dort das Telefon. 

Das sind dann die Betrüger, die sich nun zum Beispiel als Paketfahrer ausgeben. Angeblich mit einer Sendung, die nur abgestellt werden könne, wenn der Kunde kurz einen Code bestätigt. Die SMS trifft ein. Dass sie vom Mobilfunkanbieter kommt und nicht vom Paketdienst, fällt in der Eile kaum auf. Ahnungslos gibt das Opfer den Code zu seinem Handy-Konto durch.

Warum das Handy plötzlich „Kein Netz“ anzeigt

Mit dem vorgelesenen SMS-Code kommen die Täter ins Kundenkonto. Dort bestellen sie eine eSIM, eine digitale SIM-Karte, und laden sie auf ihr eigenes Gerät. Die SIM des Opfers wird dabei abgeschaltet. Ab jetzt gehen alle Anrufe und SMS an die Betrüger.

Die SMS mit dem Sicherheitscode kommt tatsächlich an – aber vom Mobilfunkanbieter, nicht vom vermeintlichen Paketdienst (Symbolbild).

Die SMS mit dem Sicherheitscode kommt tatsächlich an – aber vom Mobilfunkanbieter, nicht vom vermeintlichen Paketdienst (Symbolbild).

© Torsten Becker/Imago

Vom Code zum leeren Konto

Die Handynummer ist der Generalschlüssel zu fast allem. Wo sie hinterlegt ist, lassen sich Mail-Konten, Shops und Social Media über „Passwort vergessen“ übernehmen. Wer Überweisungen per SMS-TAN freigibt, ist besonders gefährdet: Der Code der Bank landet direkt beim Täter.

Im Landkreis Spree-Neiße kauften Betrüger nach so einem Anruf Guthabenkarten über die Handyrechnung der Frau und knackten ihr Ebay-Konto. In einem Fall des LKA Niedersachsen übernahmen die Täter das Mail-Konto, fanden dort Krypto-Anlagen und transferierten sie.

Was tun, wenn das Handy stumm bleibt?

Verliert das Telefon ohne Grund das Netz, zählt jede Minute. Rufen Sie von einem anderen Telefon aus Ihren Mobilfunkanbieter an, schildern Sie den Anruf und lassen Sie den Anschluss sperren.

Ihre Rufnummer ist damit nicht verloren. Der Vertrag läuft weiter auf Ihren Namen, die Täter haben nur Ihren Zugang missbraucht. Der Anbieter schaltet die fremde Karte ab und stellt Ihnen Ersatz aus.

Danach die Bank: Karten und Online-Banking lassen sich über den Sperr-Notruf 116 116 sperren. Prüfen Sie die letzten Umsätze auf Abbuchungen, die Sie nicht kennen. 

Passwörter ändern, zuerst beim E-Mail-Konto. Darüber lassen sich fast alle anderen Zugänge zurücksetzen.

Und Anzeige erstatten: Dabei hilft der Polizei alles, was den Anruf belegt – ein Bildschirmfoto der SMS und die Nummer, von der angerufen wurde.

Vier Regeln, die vor SIM-Swapping schützen:

  • SMS-Codes nie übers Telefon. Kein seriöser Anbieter fragt danach.
  • Kundenkennwort einrichten. Ohne dieses Passwort ändern viele Anbieter nichts am Vertrag.
  • SMS-TAN ersetzen. Eine Authenticator-App ist schwerer zu kapern. Informieren Sie sich dazu bei Ihrer Bank.
  • „Kein Netz“ ernst nehmen. Oft ist das das erste Warnsignal.

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