Uwe Hassbecker: Es war ein Prozess. Man muss sagen, dass wir in den vergangenen zwölf Jahren vor allen Dingen eine glückliche Zeit mit Anna hatten. Wir haben von einander profitiert, sind aneinander gewachsen, haben tolle Alben gemacht. Es war eine wichtige Zeit für uns, die ein wichtiges Kapitel unserer Bandgeschichte ist. Das alles ist nun in den letzten Tagen öffentlich teilweise falsch und ungerecht dargestellt und in den Schmutz gezogen worden. So haben wir es jedenfalls empfunden.
Anna Loos wurde 2006 Frontfrau der Silly-Musiker Jäcki Reznicek, Ritchie Barton und Uwe Hassbecker.
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Wie verlief dieser Prozess? Was ging schief?
Hassbecker: Den Moment hat vielleicht jeder schon einmal erlebt. Wenn es in einer Beziehung zum Bruch kommt, wo man denkt, jetzt ist es besser, vielleicht einmal zurückzutreten, die Pausentaste zu drücken und zu schauen, kann man noch miteinander. Es gab unterschiedliche Bedürfnisse in der Band. Anna wollte sich solistisch verwirklichen. Das können wir als Künstler natürlich sehr gut nachvollziehen. Aber für uns Drei, Ritchie, Jäcki und ich, ist die Band in aller erster Linie Berufung und Beruf ...
Ritchie Barton: ... unser Lebenswerk.
Hassbecker: ... und wir wollten nicht warten, bis Annas Solo-Projekt beendet ist. Silly gehört auf die Bühne, wir wollen spielen.
Was drängt Silly?
Hassbecker: Wir haben uns in den letzten Jahren sehr auf die neuen Alben konzentriert, so ein Teil unserer Vergangenheit vernachlässigt. Da schlummern ein paar Schätze, die sich lohnen, wieder auf die Bühne zu bringen. Songs, die wir nie oder lange nicht mehr gespielt haben.
Barton: So entstand die aufwendige Idee, Ende 2019 in zehn Städten zu touren, an jedem Abend Titel eines der zehn Silly-Alben in den Vordergrund stellen – neben den anderen großen Hits. Wie das ablaufen soll, daran arbeiten wir gerade.
Zurück zu Anna Loos. Es war von Reibereien um ihre Texte zu hören, bei denen angeblich auch der langjährige Silly-Texter Werner Karma zurückstecken musste.
Hassbecker: Das hat in dieser Phase überhaupt keine Rolle gespielt. Die Darstellung ist falsch, wir weisen sie entschieden zurück. Richtig ist, dass in Schaffensphasen zu jedem Album auch über Texte und Songs diskutiert wird. Das gehört zum normalen Arbeitsprozess.
Zwölf Jahre lang war Anna Loos Silly-Sängerin.
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Was spielte nun eine Rolle?
Barton: Wie gesagt, die unterschiedlichen Ambitionen.
Hassbecker: Es ist hoch anzurechnen, wenn eine Band so lange durchhält. Wenn einem eine Beziehung etwas wert ist, die irgendwann an einem Punkt steht, an dem man die Pausentaste drückt, sollte man ein paar Prinzipien einhalten. Erstens: Druck aus der Sache nehmen. Zweitens, dass die Probleme, die es in jeder Beziehung oder Familie gibt, nicht öffentlich ausgetragen werden. Diese gehören in die Silly-Familie, dort sollen sie auch bleiben.
Barton: Was da an Dingen von einigen in die Öffentlichkeit getragen wurde, hat so nicht stattgefunden. Es hat uns schon überrascht, was wir da lesen mussten.
Hassbecker: Anna wurde ausgebootet oder Ähnliches: Die Spekulationen trieben so wilde Blüten, dass wir uns nun dazu äußern mussten. Vielleicht hätten wir das schon viel eher machen müssen.
Barton: Im Leben macht man ja nicht immer alles richtig.
Sie sprechen von einer Beziehungspause mit Anna Loos. Wird es ein Comeback geben?
Hassbecker: Das kann man jetzt noch nicht sagen. Das wird Anna für sich entscheiden. Diese Entscheidung muss bei ihr im Kopf genauso reifen wie bei uns.
Barton: Die Situation ist für sie genauso neu wie für uns. Wir haben uns mit Anna verabredet, eine Pause einzulegen.
Wie lange soll die Pause dauern?
Barton: Wir können nicht einfach Jahre vorausschauen. Wenn Anna mit Solo-Album und Tour durch ist, dann setzt man sich zusammen und schaut, wie es miteinander aussieht.
War nicht sogar die Zeit reif für ein neues Silly-Album?
Hassbecker: Es gab keine Pläne für ein neues Studio-Album.
Überraschend ist, dass am Album von Anna Loos Peter Plate mitarbeitet und seine einstige Rosenstolz-Partnerin Anna R. bei Silly Gastsängerin wird.
Barton: Das ist Zufall. Wir kennen Anna R. sehr lange. Sie war bei uns schon Gastsängerin, als wir Jahre nach dem Tod von Tamara Danz als „Silly & Gäste“ tourten. Anna R. war von der Idee auch gleich begeistert, wieder mit Silly auf Tour zu gehen.
Silly mit der unvergessenen Tamara Danz. Das Foto von 1989 zeigt auch Gitarrist Thomas Fritzsching (2.v.r.) und Schlagzeuger Herbert Junck (re, starb 2005).
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Wie war es bei Julia Neigel, die auch mit auf Tour geht?
Hassbecker: Sie kenne ich gut aus der Zusammenarbeit bei einem Solo-Album von Dieter „Maschine“ Birr, bei dem ich als Gastmusiker mit dabei war. Wir sahen ein Konzert mit ihr, mussten gar nicht lange überlegen, sie für unser Tour-Projekt zu fragen. Sie ist eine Ausnahmekünstlerin.
Wie sehen Sie Silly jetzt als Band?
Hassbecker: Wir haben so viele Phasen erlebt und gehen jetzt in eine neue. Für uns ist entscheidend, dass es immer am Ende der gleiche Geist ist, der diese Band begleitet, die eine lange Geschichte hat, in der alles hineingehört. Unsere frühen Alben genauso wie die mit Anna Loos.
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