Sieben Monate nach der großen Trainer-Diskussion beim 1. FC Union Berlin

Haste jut jemacht, aber ...

Düwel-Kritiker Sven Richter ist im zweiten KURIER-Streitgespräch entspannter, aber noch nicht ganz bei Trainer-Fan Sven Klebba ...

STEVEN JAHN
Lesezeit 5 Min
Auf dem Tablet schauen sich Sven Klebba (l.) und Sven Richter die KURIER-Seite vom ersten Streitgespräch an.

Auf dem Tablet schauen sich Sven Klebba (l.) und Sven Richter die KURIER-Seite vom ersten Streitgespräch an.

© Bernd Friedel Lizenz

Die Fans waren gespalten, Neu-Trainer Norbert Düwel stand heftig in der Kritik beim Anhang. Der KURIER wollte genau wissen, warum, und ließ im November zwei Fans zum Duell der Argumente antreten.

Sven Klebba (46), seit 1974 Unioner, für die Pro-Düwel-Fraktion und Sven Richter (44), seit 1977 Eiserner, für die Düwel-Gegner.

Doch was denken die beiden heute? Sieben Monate später haben wir sie wieder an einen Tisch gesetzt und die Saison ausgewertet.

Klebba: „Ich bin zufrieden. In diesem Jahr waren viele Unbekannte: Der Umbruch im Team, der neue Trainer, die neuen Spieler. Keiner wusste, wo es hingeht. Am Ende haben wir mehr Punkte geholt als in der letzten Spielzeit, obwohl wir sogar mal Letzter waren. Wir haben alles richtig gemacht, an Düwel festzuhalten.“

Richter: „Im Nachhinein sehe ich das auch so. Mit der Saison bin ich einverstanden, aber nicht zufrieden. Es wäre mehr drin gewesen. Aber: Man muss die Arbeit vom Trainer jetzt auch mal anerkennen!“

Klebba: „Das freut mich. Düwel hat am Ende nicht nur souverän die Klasse gehalten, wonach es im Oktober und November wirklich nicht aussah. Wir haben mehr Punkte als letzte Saison geholt und sogar auch ein paar schwarze Serien geknackt. Zum ersten Mal in Bayern bei 1860 München gewonnen zum Beispiel.“

Richter: „Besonders für uns Allesfahrer, die bei jedem Auswärtsspiel dabei sind, war das schön, auch mal was aus dem Süden mitzubringen.“

Klebba: „Das glaube ich dir sofort. Aber das war nicht das Einzige, was Düwel geändert hat. Wir haben auch einen ganz anderen Fußball gespielt. Teilweise sogar richtig gute Spielzüge gesehen.“

Richter: „Stimmt. Und mir ist auch aufgefallen, dass wir jetzt öfter mal aufs Tor schießen. Früher hätten wir da noch ein paar Mal quergespielt.“

Klebba: „Das sind Dinge, die im Training erarbeitet und einstudiert wurden. Das scheint Düwel gut zu machen.“

Richter: „Da kann man nichts gegen sagen. Trotz allem bleibe ich aber kritisch. Viele Dinge habe ich auch nicht verstanden. Einwechslungen, Aufstellungen, die Freistellung von Holger Bahra und die Torwart-Rotation.“

Klebba: „Ich auch nicht. Aber da fand ich gut vom Trainer, dass er beim Fan-Treffen so offen geantwortet und aus dem Nähkästchen geplaudert hat. Ich fand es klasse, dass er auch Fehler zugegeben hat. Die waren aber auch normal, es war nun mal sein erstes Jahr als Chef-Trainer im Profi-Fußball.“

Richter: „Und das hat ja mit viel Tamtam begonnen. Wenn ich an Tusches Abgang denke.“

Klebba: „Die Art und Weise war unglücklich. Aber ich habe ab und an mal nach Cottbus geschmult. Wirklich weitergeholfen hätte uns Tusche mit seinem Kreiseldrehen auch nicht mehr.“

Richter: „Ich glaube auch, dass das jeder Fan mittlerweile gemerkt hat. Unser Spiel ist jetzt deutlich schneller. Aber es geht natürlich immer besser. Da müssen wir uns in der neuen Saison trotzdem steigern. Und erst recht in der Abwehr.“

Klebba: „Das ist irgendwie noch immer unser Stiefkind. Da müssen wir noch Verstärkung holen. Obwohl die bisher feststehenden Neuzugänge bei mir schon die Lust auf die neue Spielzeit wecken. Auf die habe ich richtig Bock.“

Richter: „Ja, trotzdem brauchen wir auf jeden Fall noch einen linken Verteidiger. Die Neuen finde ich auch gut, auch, dass Düwel den Kader verbreitern will. In der abgelaufenen Saison standen ja manchmal nur noch 17 Spieler auf dem Trainingsplatz. Wenn jetzt noch einer für links hinten kommt und Polti bleibt, bin ich zuversichtlich.“

Klebba: „Ich auch. Wenn Polti bleibt, wäre das ein echtes Zeichen an alle anderen Klubs. Er weiß, was er an Union hat. Wie ihn die Fans hier lieben, er passt mit seiner Spielweise genau hier her. Im KURIER habe ich von der gebotenen Ablösesumme gelesen. 1,5 Millionen Euro hat Union Mainz geboten ...“

Richter: „Sein Marktwert liegt bei 1,2 Millionen ...“

Klebba: „Okay, aber ich finde das gut so. Das ist gleich mal eine Hausnummer und es ist auch an der Zeit, dass wir nicht mehr nur nach ablösefreien Spielern Ausschau halten. Höhere Ziele kann man nicht mehr nur mit kostenlosen Spielern erreichen. Und wir spielen so lange in der Zweiten Liga, in der nächsten Saison müssen wir mal oben angreifen.“

Richter: „Dafür stellt Düwel sich jetzt seinen Kader zusammen. Nach der nächsten Saison kannst du ihn wirklich bewerten. Weil der Kader und alles dann nach seinen Wünschen war. Da ist dann nur noch er dafür verantwortlich..“

Klebba: „Da hast du recht. Dann müssen auch die Leute wie ich, die immer hinter dem Trainer standen, das kritischer beurteilen. Seine Handschrift muss man von Beginn an erkennen. Ich wünsche mir, dass alle gleich vom Liga-Start an sehen, was wir wollen. Dass wir mal vom ersten Punktspiel weg gut loslegen ...“

Richter: „ ... und nicht alle Testspiele gewinnen und in der Liga vergurken wir die ersten Wochen wieder alles.“

Klebba: „Mein Reden.“

Richter: „Da sind wir uns ja doch wieder einig. Ein tolles Gesprächsende.“

Klebba: „Aber einen habe ich noch, wenn ich schon die Chance dazu habe: Ich grüße meinen Vater. Eisern!“

Richter: „Auch ein schönes Schlusswort. Eisern!“

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