Gestern Abend, kurz nach 20 Uhr die schreckliche Gewissheit: Ein weiteres Opfer der Massenpanik, eine 21-jährige Frau, ist ihren Verletzungen erlegen. 20 Tote, 511 Verletzte. Das ist nun die Schreckensbilanz der Loveparade in Duisburg. Mehr als eine Million Menschen waren Sonnabend ins Ruhrgebiet gekommen, um friedlich zu feiern. Viele von ihnen fanden den Tod oder wurden schwer verletzt.Die Erschütterung ist auch Tage nach der Katastrophe noch deutlich zu spüren. Ein Meer aus Kerzen und Blumen am Unglücksort. Deutschland trauert mit den Familien der Opfer. Wie fühlt es sich an, wenn man den Menschen verliert, der einem am nächsten steht? Dieser Schmerz. Die Welt scheint stillzustehen. Man kann sich auf Nichts mehr konzentrieren. Die Gedanken kreisen immer wieder um die gleiche Frage: Warum? Warum gerade mein Sohn? Warum meine Tochter? Warum muss ich dieses Leid erleben? Die Angehörigen fühlen sich hilflos, haben nur noch ihre Erinnerung an die Opfer (Bilder oben).Es waren zwölf Frauen und acht Männer, die meisten von ihnen sehr jung. Vier starben im Krankenhaus. Einer von ihnen war Eike M. (†21) aus Belm nahe Osnabrück. Im Internet erklärt seine Familie den genauen Ablauf der Katastrophe: "Eike ist im Tunnel zu Fall gekommen und im Gedränge regelrecht totgetrampelt worden. Sein Freund Daniel konnte ihn herausziehen und den Sanitätern übergeben. Eike war bewusstlos, wurde von einer Ärztin reanimiert und dann ins Krankenhaus überführt. Dort ist er später an seinen schweren inneren Verletzungen gestorben." Sein Kumpel Daniel schwört: "Scheiße, ich hab' echt alles gemacht, was ich konnte."Zu den Opfern gehörten auch eine Frau aus Gelsenkirchen (†21), eine aus Castrop-Rauxel (†22), ein Mann (†22) aus Münster, ein Bremer (†22), eine Grevenerin (†20), ein Mädchen (†18) aus Bad Oeynhausen, eines aus Bielefeld (†19), eines aus Stadecken-Elsheim (†19) und eine Frau aus China (†38), die in Düsseldorf lebte.Gestern wurden noch 42 Menschen in Kliniken behandelt. Für alle Dienstgebäude des Landes NRW wurde Trauerbeflaggung angeordnet. Eine große Trauerfeier ist geplant. Aber Trost kann das kaum spenden. Was bleibt, ist Wut. Der Zorn auf mangelnde Sicherheitsvorkehrungen, die Wut, dass Absperrgitter viel zu spät geöffnet wurden. Und Trauer. Grenzenlose Trauer.------------------------------Christian M. (†29) reiste aus Hamm anMehr als 100 Kilometer sind es von Hamm bis nach Duisburg. Die Fahrt dauert rund eine Stunde. Sonnabendmorgen schien das für Christian M. (†29) eine halbe Ewigkeit zu sein. Loveparade! Er wollte loslegen, feiern, tanzen, Party machen! Den ganzen Alltagsstress einmal vergessen. Doch er geriet mitten in die Massenpanik, hatte keine Chance.Clara Z. (†22) war Austausch-StudentinDie junge Frau war gemeinsam mit einer Freundin bei der Loveparade, stürzte beim Klettern ab und wurde totgetrampelt. Eigentlich hätte Clara, die als Austausch-Studentin in Münster lebte, diese Woche zu ihren Eltern nach Spanien zurückkehren sollen. Die Loveparade sollte die letzte Party in Deutschland werden - es wurde auch die letzte ihres Lebens.Jan Willem H. (†22) kam aus HollandDer Student war das einzige niederländische Todesopfer der Loveparade. Er lebte in Zwolle in der holländischen Provinz Overijssel, wo er studierte. Jan Willem van H. plante, sein Studium nach dem Sommer in Groningen fortzusetzen. Jetzt, während der Semesterferien, wollte der Student aber noch mal Party machen. Das war sein Todesurteil.Fenja S. (†23) war ein Musik-FreakFenja war ein Musikfreak, mochte nicht nur Elektro-Musik, sondern auch Country von Johnny Cash. Die Studentin kam aus Gelsenkirchen, studierte allerdings in Münster Germanistik und Niederlandistik. Fenja war beliebt, hatte viele Freunde. Auch bei der Loveparade war sie in einer großen Gruppe unterwegs. Doch niemand konnte ihr helfen ...Elmar L. (†38) war erfolgreicher JuristDer 38-jährige Elmar L. war ein Jurist mit eigener Kanzlei. Außerdem war er Reserve-Offizier. In seiner Freizeit galt seine Liebe der Techno- und House-Musik. Am Sonnabend ist er von Düsseldorf ins 30 Kilometer entfernte Duisburg gefahren, um zu feiern. Ein Freund suchte noch 24 Stunden nach Elmars Tod via "Twitter" nach ihm. Vergeblich.Italienerin Giulia M. (†21) machte FerienGiulia kam aus Brescia (Italien), studierte Mode. Sie wollte sich in den Ferien ganz Europa angucken. Gemeinsam mit einer Freundin war sie ins Ruhrgebiet gereist, da stand für die quirligen Mädels natürlich die Loveparade auf dem Programm. Doch Giulias Freundin muss nun alleine zurück nach Italien und ihrer Familie von der Tragödie berichten.Clancie R. (27) kam aus AustralienKurz vor ihrem Tod schrieb Clancie R. (27) noch eine SMS an ihre Freundin in Sydney: "Ich bin gerade los zur Loveparade. Woo hoo." Die Australierin hatte ihren Job bei einer Versicherung gekündigt, um drei Monate Europa zu bereisen. Sie wollte zur Loveparade, sie liebte Musik über alles. Beileidsworte einer Freundin auf Facebook: "Sie war das Herz einer jeden Party."Gymnasiast (†18) aus LünenEin 18-jähriger Gymnasiast aus Lünen in Nordrhein-Westfalen kam ebenfalls bei der Loveparade ums Leben. Sein Name ist zwar nicht bekannt, fest steht jedoch, dass er aus dem Stadtteil Brambauer kommt. Im Internet sollen Freunde und Bekannte Nachrichten für den Jungen hinterlassen haben: "Du lebst in unseren Herzen weiter", schrieben sie.Marta A. (†22) kam aus SpanienDie 22-jährige Marta war eine Freundin von Clara Z. Die Mädchen hatten viel gemeinsam: Sie waren beide Erasmus-Studentinnen aus Spanien, beide verbrachten die letzten zwei Semester in Münster, hatten ein bezauberndes Lachen und schöne dunkle Haare. Und beide ereilte das gleiche Schicksal: Sie wurden totgetrampelt, auf der Loveparade 2010.Eike M. (†21) starb im KrankenhausDer Politikwissenschafts-Student hatte sich mit vier Kumpels und einer Freundin aufgemacht nach Duisburg. Er stammte aus Belm, einem kleinen Ort nahe Osnabrück. Eike kam im Todes-Tunnel zu Fall. Sein Freund Daniel konnte ihn zwar aus der Menge ziehen und den Sanitätern übergeben, doch Eike starb später im Krankenhaus an seinen inneren Verletzungen.------------------------------BU: Trotz starkem Regen trauerten auch gestern viele Duisburger um die Toten. Es schien, als weinte der Himmel wegen der unfassbaren Katastrophe.
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