Sie hatten keine Chance: Totgetrampelt im Chaos

"So stelle ich mir Krieg vor!"

Jürgen Kowallik
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Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg. Mindestens 18 Menschen starben gestern bei einer Massen-Panik in einem Zugangs-Tunnel zum Festgelände. 40 Raver wurden schwer verletzt, einige mussten wiederbelebt werden, 100 Raver wurden leicht verletzt.Duisburg - Die Sonne scheint. Auf dem Party-Gelände, einem ehemaligen Güterbahnhof, feiern die Menschen. Die Beats wummern. 16 Paradewagen fahren mit Tänzern und DJs. Rund 1,4 Millionen Raver tanzen, sie sind ausgelassen. Immer mehr Menschen drängen nach auf das 230 000 Quadratmeter große Loveparade-Gelände.Gegen 17 Uhr nimmt die Katastrophe ihren unerbittlichen Lauf. Tausende Teilnehmer laufen über die gesperrte Autobahn neben dem Festivalgelände am alten Güterbahnhof südlich des Duisburger Hauptbahnhofs - und dann in den Tunnel in der Karl-Lehr-Straße. Er wird zum Nadelöhr. Menschen drängeln sich hinein, immer mehr. Die Enge wird unerträglich. Dazu kommt die atemraubende Hitze. Ein Zeuge: "Ich war kurz vor der Panik im Tunnel. Ich kekam kaum noch Luft. Ich fuhr meine Ellbogen aus, um noch rauszukommen."Menschen überwinden die Absperrungen an den Seiten und stürzen ab. Panik bricht aus. Markerschütternde Schreie. Menschen werden zu Boden gedrückt, können nicht mehr aufstehen. Sie werden zu Tode getreten. Die ersten Meldungen über die Massen-Panik laufen bei Polizei und Rettungsdiensten ein. Ambulanzen und Hubschrauber kommen vorort an. Eine Moderatorin des WDR beobachtet, dass trotzdem noch Menschen in den Tunnel reindrängen, andere am gegenüberliegenden Ende herauskommen. Ungläubig fragt sie: "Warum machen sie den Tunnel nicht zu?"Den Rettern bieten sich entsetzliche Bilder von zerschmetterten, verrenkten Körper. 18 Tote (die meisten sind Frauen)liegen auf dem Boden, werden mit goldfarbenen Rettungsfolien abgedeckt. 45 Menschen sind schwer verletzt, werden notversorgt. Besucher unter Schock sitzen auf dem Boden. Raver holen Leichtverletzte heraus, geben ihnen etwas zu trinken. Andere Verletzte werden von Sanitätern über die gesperrte Autobahn weggeführt. Vorbei an Dutzenden Rettungswagen. Ein Opfer sagte zu umstehenden Reportern: "Ich hatte Angst zu sterben." Ein Augenzeuge: "Überall lagen Menschen herum. So stelle ich mir Krieg vor."Während die Rettungsarbeiten weiterlaufen (es sind 15 Rettungshubschrauber und 1400 Polizisten im Einsatz), läuft die Loveparade weiter. Feuerwehr-Mannschaften rücken zum Festgelände vor. Einsatzleiter sprechen mit den Security-Leuten.Erste Nachrichten von dem Unglück sprechen sich unter den Ravern herum. Durchsagen fordern die Feiernden auf, nach Hause zu gehen. Eine aggressive und verzweifelte Stimmung macht sich breit. Tausende machen sich auf den Rückweg zum Hauptbahnhof. Die Polizei verstärkt dort ihre Kräfte, versucht die Situation unter Kontrolle zu halten. Immer wieder sind Aufrufe zu hören, dass alle Ruhe bewahren sollen. Doch der Großteil der Raver weiß noch nichts vom Unglück. Die Situation ist noch über Stunden auf Messers Schneide. Jürgen Kowallik------------------------------BU: Sanitäter bringen einen Raver auf einer Trage weg. Der Mann hält eine Infusionsflasche hoch (li.). Ein Raver unter Schock (re.).

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