„Was bedeutet das?“ fragt die sechsjährige Liz und zeigt auf ein dreieckiges Verkehrsschild mit dickem schwarzen Pfeil. Schwester Halina erklärt es. Die Achtjährige hat vor einem Jahr ihren Fahrradführerschein in der Jugendverkehrsschule an der Bremer Straße 10 gemacht. Auf dem 5196 Quadratmeter großen Verkehrsübungsplatz haben bis zum Sommer Grundschüler das Radfahren geübt. Seit dem neuen Schuljahr ist das Gelände geschlossen.
Das Bezirksamt hatte am 1. Juli entschieden, das Areal dem Liegenschaftsfonds zu übertragen. Die, die dort lernen sowie deren Eltern, erfuhren es durch Zufall. Die Wohnungsbaugesellschaft Gewobag soll dort Wohnungen und eine Kita bauen. „Der Verkehrsunterricht soll im Wedding an der Gottschedstraße stattfinden. Wie sollen die Siebenjährigen mit ihren Fahrräder da hinkommen?“, fragt Harry Hensler, Vater von Liz und Halina.
Das Bezirksamt begründet die Schließung mit hohem Sanierungsaufwand, geringer Auslastung und fehlendem Träger. „Das Gelände ist viel zu selten offen. Ich hätte hunderte Kinder, die herkommen würden“, ist sich Hensler sicher. Auf dem Übungsplatz gibt es einen Theorieraum, Helme und circa 40 Leih-Räder. „Der Bezirk spart an der falschen Stelle“, so Hensler, der zusammen mit anderen Eltern die Initiative „Jugendverkehrsschule Moabit“ gründete.
„Kinder brauchen einen geschützten Bereich, um Fahrradfahren zu lernen“, sagt Knut Pankrath von der Initiative, „alles andere ist unverantwortlich“. Gerade für Kinder ist der Straßenverkehr gefährlich, weil sie leichter übersehen werden. Das zeigt auch die hohe Zahl von Unfällen. „Es reicht nicht, auf dem Schulhof drei Hütchen aufzustellen und die Kinder Slalom fahren zu lassen“, so Pankrath. Die Eltern starteten eine Online-Petition auf change.org zum Erhalt der Verkehrsschule. Über 5.000 Menschen unterzeichneten. Bald wird sich auch die BVV mit der Verkehrsschule beschäftigen. Anders als das Bezirksamt dachte, muss sie dem Abtritt an den Liegenschaftsfonds zustimmen. Halina und Liz wollen für ihre Verkehrsschule kämpfen.
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