Sicherheits-Team

Auf Patrouille mit den neuen Bahn-Sheriffs

KURIER begleitete die Männer, die für Sicherheit auf den Bahnhöfen sorgen

JEANNETTE HIX und MICHAEL KÖRNER (Fotos)
Lesezeit 3 Min

Es ist 20 Uhr: Wir treffen uns mit Werner (50) und Jörg (53) auf dem Bahnhof Friedrichstraße. Die zwei gehören zu den neuen Sicherheitskräften der Bahn. Alle sind ehemalige Eisenbahner und speziell über die Industrie- und Handelskammer geschult. Acht Wochen dauerte der Crashkurs samt Erste-Hilfe-Ausbildung sowie Schulungen in Psychologie, Bürgerlichem Recht und Selbstverteidigung.

20.10 Uhr: Auf dem Weg zur U-Bahn haben es sich zwei Obdachlose bequem gemacht. Jörg bittet sie, den Bahnhof zu verlassen. Sein Kollege Werner zum KURIER: „Im Winter dürfen Obdachlose im Bahnhof sitzen. Aber diese betteln und riechen stark. Weil das die Fahrgäste belästigt, müssen die Zwei raus.“

20.20 Uhr: Immer wieder werden Werner und Jörg von Reisenden angesprochen, nach Bahnsteigen und Fahrpreisen gefragt. Paulina (26) und Joanna (25) aus Warschau zeigen ihren Stadtplan und wollen zum Tempodrom ins Konzert.

20.30 Uhr: Wir fahren zum Bahnhof Alexanderplatz. Hier kommt uns Sandra (35) aus Magdeburg entgegen. Jörg sieht gleich: „Ihre Tasche ist offen.“

Plötzlich Randale: Um 20.45 Uhr ziehen betrunkene junge Leute durch den Bahnhof. „Hund an die Leine“, ruft Jörg und schon muss er wüste Beschimpfungen wie „Nazi“, „du Wichser..., du Hohlkopf...“ einstecken. Jörg gelassen: „Freundlich wie immer – Hund an die Leine!“, sagt er beharrlich. Werner erzählt: „Einmal wurden wir von 20 Betrunkenen angegriffen und verletzt. Es passiert oft, dass wir oder Kontrolleure mit Flaschen beworfen oder angespuckt werden. Aber wir kriegen auch viel positives Feedback. Viele Leute fühlen sich durch unsere Anwesenheit sicherer.“

Diese Obdachlose müssen den Bahnhof Friedrichstraße verlassen, weil sie betteln, streng riechen und damit Fahrgäste belästigen. Ansonsten dürfen Obdachlose sich im Winter hier aufhalten.

Diese Obdachlose müssen den Bahnhof Friedrichstraße verlassen, weil sie betteln, streng riechen und damit Fahrgäste belästigen. Ansonsten dürfen Obdachlose sich im Winter hier aufhalten.

© Lizenz

Jörg (r.) und sein Kollege Werner werden wieder mal nach dem Weg gefragt. Diesmal sind es Paulina (26) und Joanna (25). Die zwei wollen ins Tempodrom zum Konzert.

Jörg (r.) und sein Kollege Werner werden wieder mal nach dem Weg gefragt. Diesmal sind es Paulina (26) und Joanna (25). Die zwei wollen ins Tempodrom zum Konzert.

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Die Tasche von Sandra aus Magdeburg ist offen - Jörg warnt. Sandra erkennt ihre Leichtsinnigkeit: "Einmal wurde mir so schon mein Portemonnaie gestohlen."

Die Tasche von Sandra aus Magdeburg ist offen - Jörg warnt. Sandra erkennt ihre Leichtsinnigkeit: "Einmal wurde mir so schon mein Portemonnaie gestohlen."

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Ein Mann mit blutender Nase torkelt auf Werner (re.) und Jörg zu: Da die DB-Sicherheitsmitarbeiter keinen Ausweis kontrollieren dürfen, wird die Polizei gerufen.

Ein Mann mit blutender Nase torkelt auf Werner (re.) und Jörg zu: Da die DB-Sicherheitsmitarbeiter keinen Ausweis kontrollieren dürfen, wird die Polizei gerufen.

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Betrunkene Jugendliche ziehen durch den Bahnhof. Als sie ihren Hund anleinen sollen, muss sich Jörg wüste Beschimpfungen anhören.

Betrunkene Jugendliche ziehen durch den Bahnhof. Als sie ihren Hund anleinen sollen, muss sich Jörg wüste Beschimpfungen anhören.

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21.00 Uhr: Der Hund ist an der Leine. Und wir machen bei Blumenhändlerin Andrea Köppe (26) halt. Die Floristin: „Früher gab es hier viele Einbrüche. Wenn es Ärger gibt, reicht ein Anruf und die Sicherheitspatrouillen oder Polizisten sind da – das gibt mir Sicherheit.“

21.15 Uhr: Ein Mann mit blutender Nase torkelt auf Werner und Jörg zu. Auf die Frage, wie er heißt, wann er geboren ist, sagt der nur: „Ich bin Fußball geboren...“ Ratlose Gesichter bei Werner und Jörg. Schließlich wird die Polizei gerufen. Denn Ausweise dürfen Werner und Jörg nicht kontrollieren.

22.20 Uhr: Wir fahren zurück zum Bahnhof Friedrichstraße. Es ist Schichtwechsel. Die nächsten Teams gehen auf Tour.

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