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Abriss-Alarm

Droht Abriss vor Berlin-Wahl: Vor dem DDR-Kultbad SEZ rütteln wieder die Bagger

Vor dem DDR-Kultbad SEZ rollen die Bagger – mitten im Wahlkampf. Ein Baustopp sollte das eigentlich verhindern. Was jetzt wirklich passiert, sorgt für Ärger.

Foto von Autor/Autorin: Norbert Koch-Klaucke
Aktualisiert am Lesezeit 5 Min
Ein Bagger vor dem SEZ an der Berliner Landsberger Allee sorgt für Aufregung.. Eigentlich sollten die Bauarbeiten an dem DDR-Kultbad ruhen.

Ein Bagger vor dem SEZ an der Berliner Landsberger Allee sorgt für Aufregung.. Eigentlich sollten die Bauarbeiten an dem DDR-Kultbad ruhen.

© Bürgerinitiative „„SEZ für alle “

Die Bagger rollen wieder vor dem Sport- und Erholungszentrum (SEZ) an der Landsberger Allee in Berlin-Friedrichshain. Bürgerinitiativen befürchten, dass das einzige DDR-Kultbad jetzt sogar noch vor der Berlin-Wahl abgerissen wird – trotz Abriss-Stopp. „Ein Abriss vor der Berlin-Wahl wäre ein Skandal“, sagt Bezirksbaustadtrat Florian Schmidt (Grüne) dem KURIER.

Im Berliner Wahlkampf taucht Bagger vor SEZ auf

Die weiträumigen Absperrungen, die jüngst vor dem SEZ aufgebaut wurden, deuten auf nichts Gutes hin. Seit Anfang August finden wieder umfangreiche Bauarbeiten am DDR-Kultbau statt, berichtet die Bürgerinitiative „SEZ für alle“.

Die Bauarbeiten sind nicht mehr versteckt wie einst, als Ende des vergangenen Jahres die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) mit den SEZ-Abrissvorbereitungen loslegte. Dieses Mal sind sie für alle sichtbar. Direkt vor dem Haupteingang, wo sich der Parkplatz befand, ist eine riesige Baustelle entstanden, auf der nun der Bagger rollt.

Fledermäuse und Spatzen stoppten Abriss

Was passiert hier? Schließlich gilt für das SEZ seit dem Frühjahr ein Baustopp. Das Umwelt- und Naturschutzamt des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg hatte der WBM den für den 2. März 2026 geplanten Abrissbeginn untersagt.

Begründung: artenschutzrechtliche Bedenken — nachgewiesene Nester von Zwergfledermäusen, Haussperlingen und Hausrotschwänzen in der SEZ-Fassade, Gebäudeinnerem und Schutzabdeckungen. Ein Abriss hätte diese streng geschützten Arten einem „signifikant erhöhten Tötungsrisiko“ ausgesetzt und damit gegen das Bundesnaturschutzgesetz verstoßen.

Damit gerieten die Pläne des Bausenators Christian Gaebler (SPD) und der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft WBM massiv ins Stocken. Nach ihren Plänen sollte das SEZ bis Ende 2027 komplett abgerissen sein, um auf dem Areal 500 Wohnungen zu bauen.

SEZ: Bürgerinitiative befürchtet Abriss vor Berlin-Wahl

Die jetzigen Baumaßnahmen vor dem SEZ sollen offenbar die alten Pläne wieder aktivieren – knapp einen Monat vor der Berlin-Wahl. Das befürchtet die Bürgerinitiative „SEZ für alle“.

„Die WBM versucht hier kurz vor der Berlin-Wahl irreversible Tatsachen zu schaffen, während die Regierungsparteien selbst öffentlich über den Erhalt wesentlicher Teile des SEZ diskutieren“, heißt es in einer aktuellen Erklärung.

Susanne Lorenz ist Sprecherin der Bürgerinitiative „SEZ für alle“. Auch sie befürchtet, dass jetzt beim ehemaligen DDR-Kultbad vor der Berlin-Wahl Fakten geschaffen werden.

Susanne Lorenz ist Sprecherin der Bürgerinitiative „SEZ für alle“. Auch sie befürchtet, dass jetzt beim ehemaligen DDR-Kultbad vor der Berlin-Wahl Fakten geschaffen werden.

© Markus Wächter/Berliner KURIER

Schließlich ist nicht gewiss, wie eine künftige Berliner Regierung aussehen wird und ob Christian Gaebler dann noch Bausenator ist.

Der Bezirksbaustadtrat Florian Schmidt fordert daher: „Keine Fakten schaffen vor der Berlin-Wahl“. Schließlich müsste eine neue Landesregierung, die es durchaus geben könnte, die Chance haben, über den Erhalt des SEZ oder über den Teilerhalt des DDR-Baus zu entscheiden.

Zumal der Bezirksbaustadtrat zusammen mit Bürgerinitiativen bereits ein Alternativkonzept vorgelegt hatte, das den SEZ-Teilerhalt und den Bau von Wohnungen ermöglicht. Auch in anderen Parteien gibt es Überlegungen, diese Möglichkeiten zu prüfen. Sogar bei den SPD-Genossen, den Parteifreunden des Bausenators.

Bausenator Christian Gaebler (SPD)

Bausenator Christian Gaebler (SPD)

© Jörg Carstensen/dpa

So musste Gaebler im Juni nachgeben. Auf einer Ausschusssitzung räumte seine Behörde erstmals ein, dass das bisherige Abriss-Verfahren keine optimale städtebauliche Lösung liefert.

Gaebler kündigte an, mit der WBM zu prüfen, ob der zentrale Gebäudeteil des SEZ mit seiner markanten Dachkonstruktion erhalten und in den geplanten Wohnungsneubau integriert werden kann. „Dabei bleibe es auch“, heißt es aus der Senatsbauverwaltung.

Bagger rollen am SEZ: Ein Anruf bei der WBM

Was die Baustelle und der Bagger vor dem SEZ bedeuten, wollte der KURIER von der WBM wissen. „Aktuell führen wir keine Maßnahmen durch, die einem teilweisen oder vollständigen Erhalt des Objektes entgegenstehen“, sagt WBM-Sprecher Matthias Borowski.

„Maßnahmen zur Schadstoffsanierung wurden nach Freigabe durch die untere Naturschutzbehörde Ende Juni wieder aufgenommen. Dabei handelt es sich um die Schadstoffsanierung im nördlichen Bereich der Schwimmhalle.“ Die geplante Einziehung des Straßenlandes an der Landsberger Allee sei im Amtsblatt für Berlin (Nr. 28) veröffentlicht und mit dem Bezirk abgestimmt, erklärt der Sprecher.

Allerdings plant die WBM schon einen Schritt weiter: die Aufhebung des Baustopps. „Die WBM hat Anfang August den ergänzenden Artenschutzfachbeitrag bei der unteren Naturschutzbehörde Friedrichshain-Kreuzberg eingereicht und die Aufhebung des Baustopps beantragt“, sagt der WBM-Sprecher.

Er erklärt: „Der Fachbeitrag entspricht den mit den zuständigen Naturschutzbehörden abgestimmten Vorgaben. Damit sind aus Sicht der WBM die Voraussetzungen geschaffen, um das Verfahren zügig fortzuführen.“

Die Folgen wären: „Nach Aufhebung des Baustopps wollen wir die notwendige Schadstoffsanierung zügig fortsetzen und die Arbeiten im Außenbereich, beispielsweise die Befüllung des Außenbeckens, wieder aufnehmen.“ Der WBM-Sprecher verspricht: „Arbeiten am eigentlichen Gebäude sind damit nicht verbunden.“

Der Bezirk sichert sich ab

Um ganz sicher zu gehen, dass hier nicht doch schon Abrissmaßnahmen getroffen werden, hat das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg zu einem weiteren Schritt ausgeholt. Es fordert vom Landesdenkmalamt nun das gesetzliche Einvernehmen zur Untersagung des Abrisses, damit vor der Berlin-Wahl keine Fakten geschaffen werden.

Bezirksstadtrat Florian Schmidt (Grüne)

Bezirksstadtrat Florian Schmidt (Grüne)

© Jochen Eckel/imago

„Wir dürfen beim SEZ keine vollendeten Tatsachen durch den Abrissbagger riskieren, solange der materielle Denkmalwert und zukunftsfähige Konzepte für das Weiterbauen im Bestand nicht auf höchster Ebene abschließend geprüft sind“, sagt Baustadtrat Schmidt.

„Mit dem formalen Einvernehmensverfahren ziehen wir nun die notwendigen rechtlichen Konsequenzen. Wir nehmen das Land Berlin in die Verantwortung, den Weg für diese nachhaltigen Nachnutzungskonzepte freizuhalten.“

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