Joachim Gauck

Aktivistin bezeichnet ihn als "kleinen Grapscher"

Buchautorin Zana Ramadani fand sein Verhalten auf einem Empfang unangenehm.

Christian Gehrke
Lesezeit 2 Min
Joachim Gauck war von 2012 bis 2017 Bundespräsident.

Joachim Gauck war von 2012 bis 2017 Bundespräsident.

© dpa

Gleich im ersten Kapitel wirft sie dem ehemaligem Bundespräsidenten Joachim Gauck ein Verhalten vor, das sie selbst als unangenehm empfand. Es geht um einen Vorfall im Schloss Bellevue 2016, als Gauck noch im Amt war. Er habe auch sie zu einem Empfang mit vielen Gästen eingeladen. Ramadani war früher Femen-Aktivistin, demonstrierte dabei auch mit blankem Busen.

Es ist schon das zweite Buch der Aktivistin Zana Ramadani.

Es ist schon das zweite Buch der Aktivistin Zana Ramadani.

© Paulus Ponizak

Gauck soll das gewusst haben. Er soll sie gefragt haben: „Aber Sie ziehen sich doch heute hier nicht aus?“ Ramadani verneinte und sagte: „Es wäre ja auch nicht so einfach, dieses Kleid auszuziehen.“ Darauf habe er entgegnet: „Wenn nur das das Problem ist, dann kann ich Ihnen helfen.“

Ramadani habe den Dialog peinlich gefunden. Für ein späteres gemeinsames Foto habe Gauck ihr anscheinend um die Hüfte gefasst. „Er hatte mich nicht gefragt, ob er das dürfe, und ich hatte ihn nicht dazu aufgefordert, das zu tun“, schreibt sie. Es gibt Fotos, wie beide eng beisammenstehen. Ramadani sieht nicht unglücklich aus. Im Buch schreibt sie, er sei zwar „ein kleiner Grapscher, aber sicher auch ein Gentleman“. Ob der Dialog so stattfand, bestätigt kein Außenstehender. Gauck selbst äußerte sich zu den Vorwürfen nicht.

Er ließ über seinen Anwalt Christian Schertz mitteilen: „Der Anwurf von Frau Ramadani entbehrt jeglicher Grundlage. Liest man ihren Text genau, steht da lediglich, dass Herr Gauck für ein Foto fotoüblich seine Hand um sie gelegt hat und äußert dann lediglich eine Vermutung in ihrem Text, dass die Hand tiefer rutschen könnte, was aber tatsächlich überhaupt nicht geschehen ist. Vor diesem Sachverhalt von einem ,Grapschen‘ zu sprechen, ist schlicht absurd.“

Ramadani differenziert aber auch in ihrem Buch. Sie schreibt, dass die Metoo-Debatte zum Teil viel zu hysterisch geführt werde. An so einer Hysterie oder "Hexenjagd" wolle sie sich nicht beteiligen. Ramadani kommentiert das Zusammentreffen mit Gauck deswegen so: "Ich fand seine Wortwahl noch erträglich. Es ist sein Alter, sage ich mir, er ist anders." Sie habe ihm sein "verwirrendes Verhalten" verziehen. Es sei kein Vergleich zu dem, was tatsächliche Opfer von Vergewaltigung und anderen sexuellen Übergriffen erleiden müssten, schreibt Ramadani.

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