Sex-Debatte und ein Polit-Skandal

Vorhang auf für die Rote-Teppich-Show

Die Eröffnung der 68. Internationalen Filmfestspiele hatte es in sich.

Karim Mahmoud Anne-Kattrin Palmer
Lesezeit 4 Min
Im Fokus der Filmbranche: Der Berlinale Palast am Potsdamer Platz.

Im Fokus der Filmbranche: Der Berlinale Palast am Potsdamer Platz.

© dpa

Auf dem Gala-Teppich politische Prominenz, auf der Leinwand ein korrupter Populist. Und hinter den geweihten Kulissen: Knatsch über die Hoppla-Hopp-Entscheidung, einen umstrittenen südkoreanischen Regisseur nach Berlin einzuladen! Irgendwie bekommt Dieter Kosslick (69) es immer wieder hin, dass die Internationalen Filmfestspiele Berlin doch noch brandaktuell und in aller Munde sind.

Diesen Donnerstag eröffnete der Festivaldirektor – in seinem wohl vorletzten Vertragsjahr – gemeinsam mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Jury-Chef Tom Tykwer die 68. Ausgabe der Berlinale. Wieder im funkelnden Palast am Marlene- Dietrich-Platz. 

Die große Eröffnung

Festivalleiter Dieter Kosslick begrüsst Jury-Mitglied Cécile de France. 

Festivalleiter Dieter Kosslick begrüsst Jury-Mitglied Cécile de France. 

© dpa

Jeff Goldblum tänzelte über den Teppich. Er lieh seine Stimmen „Isle of Dogs“.  

Jeff Goldblum tänzelte über den Teppich. Er lieh seine Stimmen „Isle of Dogs“.  

© AP

Bill Murray und Tilda Swinton brachten Hollywood-Glanz nach Berlin.  

Bill Murray und Tilda Swinton brachten Hollywood-Glanz nach Berlin.  

© dpa

Die US-Schauspielerinnen Elle Fanning und Helen Mirren. 

Die US-Schauspielerinnen Elle Fanning und Helen Mirren. 

© dpa

Sexy wie immer: Model Toni Garrn.

Sexy wie immer: Model Toni Garrn.

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Schauspielerin Maria Schrader strahlte in die Kameras.

Schauspielerin Maria Schrader strahlte in die Kameras.

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Daniel Brühl und Lebensgefährtin Felicitas Rombold.

Daniel Brühl und Lebensgefährtin Felicitas Rombold.

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Anna Brüggemann und ihr Bruder Dietrich. 

Anna Brüggemann und ihr Bruder Dietrich. 

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Meret Becker zeigte ihre Tattoos.  

Meret Becker zeigte ihre Tattoos.  

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Die Damenwelt liegt ihnen zu Füßen: Florian David Fitz (li.) und Elyas M. Barek. 

Die Damenwelt liegt ihnen zu Füßen: Florian David Fitz (li.) und Elyas M. Barek. 

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Moderatorin Anke Engelke und Dieter Kosslick, Direktor der Internationalen Filmfestspiele Berlin.

Moderatorin Anke Engelke und Dieter Kosslick, Direktor der Internationalen Filmfestspiele Berlin.

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Und die Promis kamen. Stars wie Helen Mirren („Die Queen“), Patricia Clarkson („House of Cards“), Tilda Swinton, Greta Gerwig, Jeff Goldblum und Bill Murray schritten über den Teppich. Murray war am Nachmittag bei der Pressekonferenz des Films „Isle of Dogs“ noch eingeschlafen. Am Abend wirkte er wieder fit. Auch dabei waren Mario Adorf, Iris Berben, Senta Berger, Jessica Schwarz, Marie Bäumer – zudem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Berlins Regierender Michael Müller (SPD).

Eigentlich sollte der rote Teppich gegen einen schwarzen eingetauscht werden. So wollten es mehrere Vertreter einer verschärften #MeToo-Debatte, allen voran Schauspielerin Claudia Eisinger. Aber es blieb beim alten Rot. Trotzdem kamen Anna Brüggemann (wie angekündigt) und Meret Becker in lässigen Turnschuhen. Die meisten anderen Gäste setzten dagegen weiterhin auf klassischen Glamour.

Der Start der Show – wie immer mit einer kessen Anke Engelke, die gleich mit dem Satz loslegte: „Frauen und Männer in einem Raum – wir trauen uns was.“ Kosslick machte sich für den Journalisten Deniz Yücel stark, der seit einem Jahr in der Türkei in Haft sitzt.

Berlins Regierender Müller unterstrich: „Wir sollten in einer Welt leben, in der die Grenzen des Gegenübers ganz selbstverständlich respektiert werden. Sexismus, Rassismus, Antisemitismus gehen uns alle an.“

Und danach gab es den Eröffnungsfilm, der erstmals in der Geschichte des Festivals ein Animationsfilm ist. Und was für einer. „Isle of Dogs“ von Regie-Philosoph Wes Anderson („Grand Budapest Hotel“) bietet alles, was die Welt zurzeit umtreibt und erregt: Flucht, Vertreibung, Aussatz und Seuchen, Paranoia und Korruption und natürlich: Ökologie. Die Hauptrollen in diesem trommelgetriebenen Stop-Motion-Film (jede Einstellung einzeln fotografiert) hat ein Rudel Hunde übernommen – gesprochen u.a. von Bill Murray, Tilda Swinton, Liev Schreiber und Jeff Goldblum. Im Film sind die Tiere Aussätzige, sie werden auf eine japanische Müll-Insel abgeschoben, wo sie verrotten sollen. Bis ein japanischer Junge zu Hilfe fliegt und die Vierbeiner rettet ...

„Es ist eine Fantasie. Aber die Politik an dem von uns erfundenen Ort in Japan spiegelt durchaus unsere Wirklichkeit“, versicherte Anderson. Was nicht drin vorkommt in diesem Gefangenen-Movie, ist das Thema sexuelle Belästigung. Wir werden in den nächsten elf Festivaltagen aber sicher noch viel darüber zu hören bekommen. „Ich glaube, dass die ganze Berlinale von diesem Thema beseelt wird“, versprach Kosslick. Schauen wir mal.

Bereits diesen Donnerstag drohten diplomatische Verwicklungen mit Südkorea: Die Einladung des wegen sexuellen Missbrauchs beschuldigten Regisseurs Kim Ki Duk nach Berlin löste in dessen Heimatland einen Sturm der Entrüstung aus.

Die Berlinale: Dieses Jahr laufen bei dem Festival 385 Filme, 19 kämpfen um die Bären.

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