Der Stadtentwicklungsstadtrat von Mitte, Ephraim Gothe (SPD), war am 13. Juni mit einer Gruppe Anwohner auf einem seiner regelmäßigen öffentlichen Kiez-Spaziergänge unterwegs. Diesmal ging dort entlang, wo die Panke im weiteren Verlauf der Ida-von-Arnim-Straße unter der Erde durch Rohre fließt und über der ein Spazierweg entstehen soll. „Hinter dem neuen BND-Gebäude haben wir uns durch die Büsche geschlagen, und da stand eine Mauer“, berichtet Gothe.
Zu diesem damaligen DDR-Grenzübergang gehörte das Mauerstück.
© Hans-Joachim Grimm, Stiftung Berliner Mauer
Aus der Gruppe heraus kam die Mutmaßung, es könne sich um ein Stück „der Mauer“ handeln. Gothe ließ das von den Denkmalschützern seines Bezirks und des Landes prüfen, und tatsächlich: Die 14 Meter lange und 2,50 hohe Rest gehörte zum „antifaschistischen Schutzwall“, wie die DDR die Mauer zu titulieren beliebte.
Fundstück gehörte zur „Vorfeldsicherungsmauer“
Allerdings war das um 1985 herum errichtete Stück nicht „die Mauer“, sondern gehörte zur „Vorfeldsicherungsmauer“ des damaligen Grenzübergangs Chausseestraße. So hatte es ziemlich schnell Dr. Günter Schlusche von der Stiftung Berliner Mauer angenommen – angesichts des Materials, der Maße, der Lampenhalterungen und des betonierten Postenwegs. Ähnliche Stücke stehen an der Gartenstraße und an der Bernauer Straße.
Gothe zeigte sich einigermaßen überrascht, dass in den immer wiederkehrenden Debatten der Vergangenheit, ob Mauerstücke als Denkmal erhalten werden sollen, und der begleitenden Bestandsaufnahme dieses Teil der einstigen Grenzanlagen übersehen wurde. Er nimmt aber an, den Grund zu kennen: „Es ist ziemlich eingewachsen.“
Nach der Entdeckung und der Überprüfung durch die Denkmalschützer ging es dann schnell: Das Mauerstück wurde unter Denkmalschutz gestellt. Der Stadtrat erwartet, dass dadurch keine unüberwindlichen Hindernisse für den geplanten Grünzug mit dem Panke-Spazierweg entstehen. Da ließe sich der Mauerrest gut eingliedern.
Die Neuentdeckung folgt nur wenige Monate, nachdem der Heimatforscher Christian Bormann seine Entdeckung eines 80 Meter langen Stücks „Ur-Mauer“ bekannt gemacht hatte: Die Ziegelmauer am S-Bahnhof Schönholz, die ursprünglich ein Grundstück begrenzt hatte, war 1961 von der DDR zum Sperrwerk ausgebaut worden.
Auch sie war in Vergessenheit geraten, weil sie 1988 im Rahmen einer „Grenzbegradigung“ dem Bezirk Reinickendorf in West-Berlin zugeschlagen worden war und sich nach dem Mauerfall niemand mehr an sie erinnert hatte.
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