KURIER: Mit 54 sind Sie in Politik und Verwaltung gewechselt. Haben Sie Ihre Entscheidung schon bereut?
Für mich ist es immer noch die richtige Entscheidung. Senatorin zu sein ist eine spannende, herausfordernde Aufgabe, sehr vielfältig. Ich habe viel mit Menschen zu tun, was mir gut gefällt. Außerdem ist dies ein Gestaltungsressort, da gibt es viele Möglichkeiten, etwas zum Positiven zu verändern.
Bei wichtigen Themen schlägt Ihnen Gegenwind entgegen. Die geplante Ausdehnung von Tempo 30 stößt nicht auf Begeisterung. Wie gehen Sie damit um?
Es ist mein Job, Probleme zu lösen.
Trotzdem: Tempo 30 wird kontrovers diskutiert.
Ein Bundesland oder eine Kommune hat drei Möglichkeiten das Thema Luftreinhaltung zu behandeln: Fahrverbote für Dieselfahrzeuge, Verstetigung des Verkehrs durch Tempo 30 und dadurch die Verminderung der Stickoxidemissionen – oder man lässt alles, wie es ist und sagt den Menschen an den betroffenen Hauptstraßen in Berlin: Ihr müsst auch in Zukunft gesundheitsschädliche Substanzen einatmen. Nicht-Handeln kann doch keine Option für uns sein. Und ohne eine blaue Plakette sind Fahrverbote nur sehr schwer durchzusetzen. Bleibt als letzte Möglichkeit die Verstetigung des Verkehrs durch Tempo 30 an den Brennpunkten. Die Tests sollen in diesem Jahr auf ausgewählten Hauptverkehrsstraßen in der Innenstadt beginnen. Wobei man sagen muss, dass Tempo 30 oft keine Verlangsamung, sondern eine Beschleunigung wäre.
Aus dieser Perspektive wäre Tempo 30 ein Anreiz, mit dem Auto öfter in die Innenstadt zu fahren. Folge: mehr Verkehr, mehr Stickoxide.
Wir gehen nicht davon aus, dass Tempo 30 an Brennpunkten einen Anreiz zum Autofahren bietet.
Tempo 30 gilt auch für Busspuren. Der Nahverkehr würde ausgebremst.
Der Nahverkehr soll nicht langsamer werden. Mit der BVG sprechen wir darüber, wie wir ihn beschleunigen könnten.
Wenn die Tempo-30-Tests noch in diesem Jahr beginnen: Ist das für eine sinnvolle Voruntersuchung der Luftbelastung nicht zu spät?
Wir sind gerade dabei, die Versuchsanordnungen aufzubauen.
Nach meinen Informationen sollen die Testabschnitte für Tempo 30 auf der Leipziger, Potsdamer, Haupt-, Kantstraße und auf dem Tempelhofer Damm eingerichtet werden.
Wenn das Maßnahmenpaket von unserer Seite hinreichend konkretisiert ist, stellen wir es der Öffentlichkeit vor.
Würden Sie dazu raten, ein Dieselauto zu kaufen?
Das muss jeder selbst entscheiden. Ich würde das augenblicklich nicht tun.
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