Die ersten Signale, dass es eine versöhnliche Einigung mit Hertha BSC geben könnte, hatte der Regierende Michael Müller (SPD) erst in dieser Woche ausgesandt. Berlins Fußball-Erstligist solle in der Stadt bleiben und sein geplantes neues Fußballstadion nicht in Brandenburg bauen. Die Gespräche im Hintergrund dürften da schon konkreter gewesen sein, denn jetzt ist es Gewissheit: Hertha wird – voraussichtlich – gar keine neue Spielstätte errichten, sondern das alte Stadion zur modernen Arena umbauen. Das gaben Hertha und Senat jetzt überraschend bekannt.
Bisher hatte Hertha auf einem Neubau bestanden und dafür nur eine Alternative genannt: Entweder dürfe der Verein neben dem alten, denkmalgeschützten Gebäude auf dem Olympiagelände bauen – oder man müsse leider nach Brandenburg ausweichen. Und zwar konkret nach Ludwigsfelde, in einen Gewerbepark, 20 Kilometer von der Stadtgrenze entfernt.
Ein Umbau des Olympiastadions stand für den Verein gar nicht zur Debatte. Das hat sich jetzt geändert. Grund ist offenbar eine neue Machbarkeitsstudie des Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner (gmp), das in Berlin so renommierte Gebäude wie den Flughafen Tegel, den Hauptbahnhof, aber auch den BER geplant hat.
Hertha hatte die Studie zum Umbau des Olympiastadions in Auftrag gegeben, auf Wunsch von Müller und Sportsenator Andreas Geisel (SPD). Und siehe da: „Ein Umbau des Olympiastadions ist tatsächlich möglich“, heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung. Erste Entwürfe würden zeigen, dass das Olympiastadion „auch als Fußballarena eine einzigartige spektakuläre Spielstätte“ sein könne. Entwürfe oder Skizzen des möglichen Umbaus wurden nicht präsentiert. Nur so viel: Für ein „emotionales Spielerlebnis“ solle es ein „modernes Stadion mit neuen, steileren Tribünen, nah an den Spielfeldrand gezogen“ sein.
Aber auch wenn man noch nicht weiß, wie es genau aussehen wird: Die Pläne würden den Wünschen Herthas genau entsprechen. Denn der Verein ist mit seiner traditionsreichen Spielstätte – gebaut vor gut 80 Jahren, zuletzt komplett saniert für die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 – schon lange nicht mehr zufrieden.
Die Zuschauer seien durch die blaue Laufbahn so weit weg vom Spielgeschehen, dass die Atmosphäre leide. Dies sei ein gravierender Nachteil bei Heimspielen, der zu Punktverlusten führe, so das Argument. Außerdem ist dem Vereinsmanagement das Stadion schlicht zu groß. Bis zu 75 000 Zuschauer passen hinein, so viele werden es aber allenfalls bei absoluten Top-Spielen wie gegen Bayern München. Wenn es gegen weniger spannende Gegner geht, sind es auch schon mal nur die Hälfte – was wiederum keine sonderlich attraktive Kulisse ist. Daher möchte Hertha lieber eine Arena mit rund 55 000 Plätzen. Ein drittes Problem ist zudem die Akustik. In Fußballstadien soll es schön laut sein können, wenn die Fans ihre Gesänge anstimmen. Im Olympiastadion „haut der Schall aber übers Marathontor ab“, sagte Müller jüngst, durchaus problembewusst, dem KURIER.
Alle diese Wünsche können nun offenbar auch im Olympiastadion erfüllt werden. Ob dafür, ähnlich wie im Leipziger Zentralstadion, neue Tribünen hineingebaut werden oder, wie schon einmal 2006 geplant, das Spielfeld abgesenkt wird, ist noch unklar. Womöglich kommt ja auch beides – und ganz sicher wird der Einspruch der Denkmalschützer kommen.
Erst mal gibt es aber nur höchst zufriedene Stimmen unter den Beteiligten. Der Senat und Hertha wollen nun in „weiteren gemeinsamen Gesprächen die Machbarkeit eines Umbaus vertieft prüfen“, hieß es. Der Regierende Bürgermeister sagte, das Ergebnis der Gespräche sei sehr erfreulich für alle Seiten. „Hertha bleibt im Jahr seines 125-jährigen Bestehens in Berlin und das Olympiastadion ist weiterhin Symbol des Fußballs in Berlin.“
Sportsenator Andreas Geisel zeigte sich „sehr optimistisch“, dass man gute Lösungen für den Umbau finden werde. Und Hertha-Boss Werner Gegenbauer sagte, für Hertha gebe es nun „eine dritte sehr ernstzunehmende Alternative, deren Umsetzbarkeit wir gemeinsam mit dem Senat eingehend und zeitnah prüfen möchten.“
Eine offene Frage ist, was die Fans von den Plänen halten. Senat und Hertha werden das umgehend aus den sozialen Netzwerken erfahren.
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