Berlin - Erst plätscherte die Wahlbeteiligung, dann strömten die Berliner in die Wahllokale - und am Abend brachen die Deiche: Der Volksentscheid "Schluss mit Geheimverträgen - Wir Berliner wollen unser Wasser zurück" hatte gewonnen. Zum ersten Mal erließ Berlins Volk ein Gesetz. Bei der Party der Wasserrebellen im "Shake"-Zelt am Ostbahnhof brach Jubel aus.2,5 Millionen Berliner waren abstimmungsberechtigt, knapp 617 000 (25 Prozent) hätten zustimmen müssen. Am Mittag waren 8,6 Prozent wählen gegangen, die Sache schien verloren. 19.30 Uhr kam die Wende: Über 49 000 Ja-Stimmen mehr wurden gezählt als gefordert waren.Der "Berliner Wassertisch" hatte das Gesetz vorgelegt, um alle Details des Kaufvertrags von 1999 aufzudecken. Damals hatten zwei Unternehmen für 1,7 Milliarden Euro knapp 50 Prozent der Wasserbetriebe vom Land Berlin gekauft - für viele der Grund für die hohen Preise. Zum Beispiel für das Rentner-Paar Brigitte Giese und Martin Reichstein aus Mitte: "Alles wird teurer und ist unkontrollierbar. Man kann doch nicht alles aus der Hand geben." Der Ingenieur Henning Förste (29): "Es ist makaber, wenn der Staat ohne Zustimmung der Allgemeinheit für private Interessen Gewinne garantiert."Der Senat hatte im November zwar die Kernforderung des Wassertischs erfüllt: 700 Seiten Vertragswerk sind im Internet einzusehen. Aber kurz vor der Abstimmung gab es neue Vorwürfe, dass entgegen der Senatsbeteuerungen weitere Verträge verschwiegen worden sind.Deshalb muss der Senat jetzt reinen Wein einschenken - und wird wohl vor Gericht ziehen. Hält er doch Teile des Gesetzes, vor allem das mögliche Für-ungültig-Erklären bereits geschlossener Verträge, für verfassungswidrig.------------------------------BU: Brigitte Giese und Martin Reichstein stimmten für größere Transparenz bei den Verträgen des Landes Berlin.
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