Seine größte Schmach! Herthas Trainer sagte in der Kabine nur: "Wir haben den Kredit bei den Fans verspielt."

Derby-Verlierer Markus Babbel

Wolfgang Heise
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Berlin - Der Nieselregen tropft von Markus Babbels Pudelmütze runter. Es ist ein grauer, kalter, ungemütlicher Tag auf dem Schenckendorffplatz. Es ist der Tag nach Herthas 1:2-Derby-Pleite gegen den 1. FC Union. Der Trainer wurde bei der Stadtmeisterschaft von seiner Mannschaft im Regen stehen gelassen. Es ist Babbels größte Schmach.Der Mann wirkt ernst und aufgewühlt. "Ja, das ist für mich die schlimmste Pleite in dieser Saison", sagt er ehrlich. Der ehemalige Nationalspieler kennt schlimme Niederlagen. Als Bayern-Spieler verlor er 1999 nach einer 1:0-Führung in den Schlussminuten das Champions-League-Finale gegen Manchester United 1:2.Eben jenes Ergebnis stand am Ende im ausverkauften Olympiastadion nach dem Derby auf der Anzeigentafel. Rund 55 000 enttäuschte blau-weiße Fans starrten auf die zwei Zahlen.Es gab gestern vor dem Training nur eine kurze Kabinen-Ansprache des Trainers. "Ich habe den Spielern gesagt, dass wir den Kredit, den wir uns erarbeitet haben, jetzt erstmal verloren haben. Wir müssen ihn zurückgewinnen."Spätestens jetzt kennt es der gebürtige Münchner auch.Dieses Hertha-Gefühl, dieses ewige Schicksal, das er mit seinen Vorgängern jetzt teilen kann: Wenn es gut läuft, wird mit einem wichtigen Spiel ein Scherbenhaufen produziert. 2002 flog Hertha mit einer 1:3-Pokal-Heimpleite im Viertelfinale raus - der Pott war damals so greifbar nah. 2005 wurde unter Falko Götz die Champions-League-Teilnahme am letzten Spieltag durch eine 0:0-Heimpleite gegen Hannover vergeigt. 2009 schaffte es Lucien Favre im letzten Heimspiel durch ein 0:0 gegen Schalke nicht, den Meister traum aufrechtzuerhalten.Bringt die Derby-Pleite den Aufstieg in Gefahr? Wie verdaut dieses Team, das individuell am besten in der Zweiten Liga besetzt ist, aber mental einfach labil zu sein scheint, den Tiefschlag? Babbel vertraut seinen Spielern: "Ich glaube nicht, dass wegen dieser Niederlage der Aufstieg in Gefahr ist. Wir sind weiterhin Tabellenführer, aber im nächsten Spiel beim KSC müssen wir die Kurve kriegen."Noch eine Krise wie in der Hinrunde darf sich Hertha nicht leisten. Doch dafür müssen die Torchancen einfach genutzt werden. "Mir fehlt die letzte Konsequenz, diese Gier vor dem Tor. Aber das ist schon oft in dieser Saison so gewesen", weiß er. Was für ein Mittel hat er? Babbel sagt es kurz und knapp: "Training!" Ob das reicht?W.HEISE------------------------------BU: Abpfiff des Derbys: Jubeltraube der Unioner und Herthas Raffael trottet mit gesenktem Kopf vom Platz.

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