Sechs neue DDR-Pavillons

An der Karl-Marx-Allee wird wieder gewürfelt

Elf Glaskästen waren für die Prachtmeile geplant, nur fünf wurden gebaut.

Stefanie Hildebrandt
Lesezeit 3 Min
So wie der Bau auf der Südseite soll auch der neue gegenüber den U-Bahnhof aufnehmen. 

So wie der Bau auf der Südseite soll auch der neue gegenüber den U-Bahnhof aufnehmen. 

© Bernd Friedel

Von ursprünglich elf geplanten frei stehenden Glaspavillons zwischen Strausberger Platz und Alexanderplatz wurden Ende der 1950er Jahre nur fünf gebaut. Die sechs fehlenden Glaswürfel könnten nun in modernem Gewand den städtebaulichen Entwurf von Josef Kaiser und Werner Dutschke komplettieren. Am 9. Mai sollen erste Ideen zur Nutzung und Entwürfe der Öffentlichkeit präsentiert werden. 

Gebäude wie die luftigen Pavillons an der Karl-Marx-Allee hatte man in der DDR noch nie gesehen. Hallen mit offenem Galeriegeschoss und großflächiger Verglasung. Im Zuge des zweiten Bauabschnitts der Karl-Marx-Allee entstanden sie nach Plänen von Josef Kaiser und Walter Franek zwischen 1959 und 1965. 

© Grafik: Reeg; Quelle: Bezirksamt

In ganz Ostberlin waren die Mokka-Milch-Eisbar, der Kosmetiksalon Babette, Modesalon Madeleine, Schuhhaus Centrum und Kunst im Heim bekannt. Sie sollten – neben repräsentativen Bauten wie dem Kino International, dem Café Moskau und dem Hotel Berolina – für Weltstadtflair sorgen und zum Flanieren einladen. Heute stehen die Pavillons unter Denkmalschutz, Einzelhandel, Galerien und Gastronomie sind in die zum Teil sanierten Gebäude eingezogen.

„Moderne, zeitgemäße Interpretationen“

Dafür, dass Babette und Co. bald neue Nachbarn bekommen, machen sich nun der Bezirk Mitte und das Land Berlin stark. In Zusammenarbeit mit der Wohnungsbaugesellschaft Mitte werden sie in den kommenden Jahren die sechs fehlenden Pavillons an den ursprünglich vorgesehenen Stellen errichten, und damit die Karl- Marx-Allee als bedeutendes städtebauliches Ensemble weiterbauen. Auch die neuen Pavillons werden zwei Geschosse und eine transparente Glasfassade haben. Eine Kopie der DDR-Würfel sollen sie dennoch nicht sein. 

Einst Kosmetiksalon Babette, heute angesagte Bar mit Existenzsorgen.

Einst Kosmetiksalon Babette, heute angesagte Bar mit Existenzsorgen.

© Bernd Friedel

Fünf Architektenbüros haben bereits erste Entwürfe für „moderne, zeitgemäße Interpretationen“ erarbeitet. Zum Werkstattverfahren waren die Architekturbüros MGHS, Brandlhuber, Kawahara Krause, Brenne, AFF und Herzog & de Meuron eingeladen. Letztere sagten aber ab. Am 9. Mai um 19 Uhr werden die Entwürfe im BVV Saal des Rathauses Mitte präsentiert. Auch über die Nutzung der neuen Pavillons sollen die Anwohner dann diskutieren. Ein bezirklicher Kulturstandort ist denkbar, Musikschule, Volkshochschule, Galerien, Stiftungen, Ateliers sind möglich.

Noch einige Fragen zu klären

Doch die Karl-Marx-Allee ist eine repräsentative Straße, das verpflichtet. Beim Bezirk wünscht man sich daher, dass die neuen Pavillons stadtweit Publikum anlocken. Institutionen mit Zugwirkung könnten sich bewerben. 

Alle sechs Grundstücke entlang der Karl-Marx-Allee gehören der WBM, auch wenn die Bauten wirtschaftlich sein müssen, sollen exklusive Showrooms und Einzelhandel nicht einziehen, heißt es aus dem Bezirksamt. Sowieso sind bis zum Baubeginn noch einige Fragen zu klären. Was geschieht mit der Unterführung am Alex, was mit den Bäumen an den Stellen, wo gebaut werden soll? „Nicht morgen, aber übermorgen“, soll es losgehen, heißt es im Bezirksamt zum Zeitrahmen.  

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