Die ZDF-Moderatorin Jana Pareigis, die selbst deutsch-schwedisch-simbabweische Wurzeln hat und Afrikanologin ist, reagierte im Interview sichtlich überrascht auf diese Aussage. "Ich war total perplex", sagte sie am Dienstagvormittag der Berliner Zeitung. Sie sei mit der Weltumrundung Hetzers auf ein leichtes Thema eingestellt gewesen und habe in dieser Situation so professionell wie möglich eingegriffen. Noch bevor Hetzer ihren nächsten Satz, der mit „Die Mischlinge..." begann, vollenden konnte, fügte Pareigis hinzu „Gut, es ist halt ein ärmeres Land" und stellte direkt die nächste Frage.
"Klauen hat nichts mit der Hautfarbe zu tun"
Als Moderatorin habe sie ihre persönliche Meinung außen vor gelassen, sagte Pareigis. Schließlich sollte dieses Interview kein politisches Gespräch werden und für die Aussagen ihrer Studiogäste sei sie als Moderatorin nicht verantwortlich. Hetzers Aussage sei aber natürlich falsch, da das Klauen in afrikanischen Ländern nichts mit der Hautfarbe eines Menschen zu tun habe.
Pareigis weiß, wovon sie spricht. "Ich bin ja selbst offensichtlich schwarz und in Deutschland gibt es nicht viele schwarze Moderatorinnen", sagt sie. Die 35-jährige Afrikanologin sei selbst bereits des Öfteren mit Vorurteilen gegenüber Schwarzen konfrontiert worden. Zum Beispiel habe Sie in einem Geschäft in Belgrad einmal bemerkt, wie sie von mehreren Verkäuferinnen besonders beobachtet wurde, die aufgrund ihrer Hautfarbe wohl dachten, sie würde etwas stehlen wollen.
Ausgerechnet zum Start von "Afro.Deutschland"
Dass sie ausgerechnet wenige Tage nach der Premiere ihrer neuen Dokumentation "Afro.Deutschland" für den Auslandsrundfunk Deutsche Welle erneut und auch noch während der Sendung mit so einem Vorurteil konfrontiert wurde, sei wirklich verrückt, sagte die Moderatorin.
In der Dokumentation beschreibt Pareigis ihren Weg mit Rassismus umzugehen und wie es ist, als Schwarze in Deutschland zu leben. Auf einer Reise durch Deutschland führt sie auch Interviews mit prominenten Afro-Deutschen, wie dem Rapper Samy Deluxe und dem Profifußballer Gerald Asamoah, um sie nach deren Erfahrungen zu fragen.
Auch auf ihrem Facebook-Profil äußerte sich Pareigis zu dem Vorfall. Sie hoffe, dass dieses Interview zumindest dazu führe, dass über rassistische Vorteile diskutiert werde, die eventuell auch Frau Hetzer dazu bewegt haben könnten, persönliche Erfahrungen zu verallgemeinern.
Für eine Unterhaltung mit Frau Hetzer direkt nach dem Interview hatte Pareigis keine Gelegenheit mehr bekommen. Aber vielleicht erreicht sie die Rallyefahrerin ja auch so.
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com