Schutz vor der Kälte

Das Warm-Asyl der Heimatlosen

50.000 Obdachlose leben in Berlin. Der Tragluftsaal HalleLuja bietet Obdach.

Eric Richard Maritta Tkalec
Lesezeit 3 Min
Antoine mit seinen beiden Hunden am Hackeschen Markt. 

Antoine mit seinen beiden Hunden am Hackeschen Markt. 

© Eric Richard

Antoine spricht mit leiser Stimme. Er sitzt im auf dem Boden des Durchgangs im S-Bahnhof Hackescher Markt, neben ihm ein Becher. Passanten haben einige Geldmünzen reingeworfen.

Er nippt Kakao aus dem Pappbecher und streichelt dann seine beiden Hunde Bex und Tina. Vor 20 Jahren kam er aus La Rochelle an der französischen Atlantikküste nach Deutschland. Er sagt, dass er von Beruf Elektrotechniker sei. „Ich hatte hier eine Firma, wir haben Solarpanele auf Dächer montiert.“ Dann sei er an einen betrügerischen Geschäftspartner geraten – und die Firma war futsch. „Ich habe alles verloren.“ Jetzt ist er schon seit acht Jahren obdachlos, lebt vom Betteln. Als Ausländer habe er kein Anrecht auf Stütze gehabt, begründet Antoine.

Im Schlafbereich der Unterkunft HalleLuja stehen neue Doppelstockbetten.

Im Schlafbereich der Unterkunft HalleLuja stehen neue Doppelstockbetten.

© Eric Richard

Die Nächte verbringt er nicht im Freien. „Zu gefährlich. Da wird man ausgeraubt.“ Mit einigen Bekannten sucht er sich immer Schlafplätze in leer stehenden Häusern. Gerade jetzt, wo es wieder kalt wird, ist das besonders wichtig. Unweit von Antoines Bettelplatz kam ein 49-Jähriger ums Leben. Der aus Polen stammende Obdachlose starb womöglich an der Kälte. Während Touristen kurz nach Mitternacht an dem Toten vorbeizogen, sicherten Polizisten die Spuren.

Berlin stellt jetzt mehr Schlafplätze für Obdachlose bereit als in früheren Jahren. Aber die reichen nicht. Unter den 50.000 Obdachlosen in Berlin kommen viele aus Osteuropa. Aus Polen, Rumänien, dem Baltikum.
Zu den Schlafplätzen gehört die Traglufthalle hinter dem Ring-Center an der Frankfurter Allee. Die Berliner Stadtmission bietet hier etwa hundert Betten für Obdachlose an.

Warme gemütliche Unterkunft

HalleLuja nennt die Organisation ihre Einrichtung, „Ballon“ nennen sie die Gäste, sagt Lotte Kauppert, die seit drei Jahren als Ehrenamtliche immer wieder hier arbeitet. Eigentlich ist sie Studentin an der TU. Sie weiß noch, wie es vor drei Jahren aussah: Liegen auf Grasboden.

Heute mag es manchem Wohnungslosen himmlisch vorkommen, nicht nur wegen der sich weiß wölbenden Hallendecke. Es ist angenehm warm und fast gemütlich. Grünpflanzen stehen da, der Boden ist mit grauem Filz belegt. Auf den Tischen, an denen die Gäste abends Suppe und Tee zu sich nehmen und morgens frühstücken, stehen Primeltöpfchen. Der Dusch-und Toilettencontainer sieht pikobello aus.

Die Traglufthalle am Ring-Center.

Die Traglufthalle am Ring-Center.

© Eric Richard

Seit diesem Jahr gibt es Doppelstockbetten, jeweils nach zwei Seiten hin durch Platten vom Nachbarn abgeschirmt. Dazu jeweils eine Decke. Alles einfach, aber nichts verranzt oder schmuddelig.

So still wie am Sonntagnachmittag sei es natürlich nicht, wenn abends mehr als hundert Männer da sind. So viele werden aufgenommen. Kommen mehr, fahren Kältebusse sie in andere Quartiere. Voll sei es immer, sagt die ehrenamtliche Helferin. Sie findet, dass die Verantwortlichen der Stadt sich zu stark auf die Freiwilligen stützen. Das Hilfssystem brauche mehr professionelle Kräfte. „Wir probieren ja alles“, sagt die junge Frau, „doch manchmal sind wir machtlos.“

(mit kop.)

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