Berlin - Das ganze Behörden-Kauderwelch macht viele Bürger sowieso schon kirre. Kommen dann noch kuriose, englische Wortschöpfungen dazu, ist die Verwirrung perfekt. Dem "Denglisch", also Deutsch-Englisch-Mix, sagt Torsten Hilse (SPD) den Kampf an. Der Politiker fordert Deutsch als "Amtssprache" der Verwaltung zurück.Wenn der Senat wieder zum "Family Day" (Familientag) einlädt, stellt er dort vielleicht seine "Task Force" (Arbeitsgruppe) für "Health Care" (Gesundheitsfürsorge) vor. Besucher erhalten ein "Handout" (Unterlagen) zur "Best Practice" (Erfolgsmethode) und dem letzten "Job Enlargement" (Aufgabenerweiterung) der Beamten. Was so ein Sprach-Wirrwarr in offiziellen Schreiben, Einladungen und Mitteilungen soll, wollte der Abgeordnete Torsten Hilse vom Senat wissen. Die Antwort: ganz schön "evasive" (ausweichend). Und das, obwohl der SPD-Politiker der Landesregierung schon einmal 2006 in Sachen Denglisch-Irrsinn auf die Füße getreten war (KURIER berichtete).Innensenator Ehrhart Körting (SPD) sieht es so: Die Regelungen für eine klare Sprache seien bewährt, weitere Schritte unnötig. Das landeseigene Motto "be Berlin" (sei Berlin) müsse weltweit verstanden werden. Kurzum: Die Sprachregeln für Beamte bleiben wohl ein "Letter of intent", eine Absichtserklärung.Hilse fordert dagegen: "Die deutsche Sprache sollte in Berlins Landesverfassung verankert werden!" Der Staat müsse das Deutsche schützen und fördern. Statt zuzusehen, wenn weiter deutsche Wörter aus der Sprache verschwinden. Dafür brauchen Beamte vielleicht einen Lehrgang im eigenen Haus - aber kein "Inhouse Meeting"!Ein anderer Deutsch-Fan, äh, Deutsch-Anhänger ist übrigens Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Das "Travel Management" seines Ministeriums heißt jetzt wieder Reisestelle ...------------------------------KURIER sucht Denglisch-WörterHaben Sie absurde Behördenpost voller "Denglisch" bekommen? Ist Ihnen eine englisch-deutsche Wortschöpfung in Anzeigen, Broschüren oder auf Plakaten begegnet? Dann senden Sie den Fund bitte zur Veröffentlichung an den KURIER! Per E-Mail an: lokales@berliner-kurier.de------------------------------Das sagen die BerlinerSara (17) aus Reinickendorf: "Wir haben zu viele englische Wörter in der Sprache! Manche hören sich an wie Fachbegriffe, sind am Ende aber gar keine. Da geht es nicht nur um Behörden-Post: Ich fände auch mehr deutsche Lieder im Radio gut."Günter Aurich (82) aus Mitte: "Ich spreche kein Englisch und verstehe viele Wörter nicht. Als Beispiel fällt mir da ,Patchwork Family' ein. Schlimmer als Behörden-Formulare finde ich Gebrauchsanweisungen. Darin gibt es zu viele Fremdwörter!"Angelina (24) aus Friedrichshain: "Ich finde es grundsätzlich schön, wenn die eigene Sprache gepflegt wird. Englische Wortschöpfungen stören mich, wenn es holprig klingt. Das stelle ich öfter in der Werbung fest. Aber es gibt wichtigere Probleme."Robin Lungwitz (27) aus Pankow: "Wir sollten die deutsche Sprache nicht vernachlässigen. Viele ,Denglisch'-Begriffe sind unnötig. Aber manche Leute wollen damit wohl Eindruck schinden. Englisch hat allerdings den Vorteil, international zu sein."Ute Brucksch (65) und Anja Beitz (36): "Schrecklich! Warum muss denn alles auf Englisch sein? Warum heißt es ,Coffee to go', kann ich keinen Kaffee zum Mitnehmen haben? Gerade ältere Leute verstehen nicht, was hinter solchen Begriffen steckt."
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