Schlossallee oder zurück auf Los?

Berlinerin fährt zur Monopoly-WM

Straßen, Immobilien und Kapitalisten-Glück: Monopoly ist bis heute ein beliebtes Gesellschaftsspiel. Und ein großer Wettbewerb - mit der 25-jährigen Berlinerin Ita Hoffmann fährt zum ersten Mal eine Frau für Deutschland zur WM.

BK
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Die amtierende Deutsche Meisterin im Monopoly, Ita Hoffmann

Die amtierende Deutsche Meisterin im Monopoly, Ita Hoffmann

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Auf den ersten Blick passt Hoffmann nicht in diese Welt: An einem Sonntag sitzt sie zwischen zwei Gesellschaftsspiel-Veteranen - dem doppelten deutschen Monopoly-Meister Hans-Georg Schellinger und Klaus Armbrüster, der den Titel drei Mal gewonnen hat - in einem Spiele-Café in Berlin-Friedrichshain. Mit dabei ist auch Hoffmanns Freund. Alle vier sitzen um ein Monopoly-Spielbrett mit Figuren, Spielgeld und bunten Straßenkarten herum. Das Ziel: Hoffmann soll von den Profis möglichst viele Tricks lernen.

Armbrüster: „Monopoly ist 60 Prozent Glück, 40 Prozent Taktik.“ Glück müsse man haben, aber die Taktik könne man lernen. Wer ein paar einfache Regeln befolge, habe schon halb gewonnen, davon sind die Meister überzeugt. Dazu gehört: Je früher man beginnt, Straßen zu kaufen, desto besser. Immer alles kaufen, solange man genügend Geld hat. Nie zeigen, wie viel Spielgeld man noch auf der Hand hat. Die eigenen Straßen bis zum dritten Haus bebauen, so ist der Verlust für den Gegner bei vergleichsweise niedrigen eigenen Kosten am größten. Und: Keine Hotels bauen, das lohnt sich nicht.

Während die Ratschläge über den Tisch gehen, wächst vor Hoffmann die Zahl der Straßenkarten in dunkelblau, grün, gelb und orange. Ihr Freund hat schnell kein Monopoly-Geld mehr, Schellinger scheidet als Zweiter aus dem Spiel aus. Armbrüsters letzter Zug führt auf Hoffmanns Schlossallee - und in den Bankrott. So wird die Schlossallee Itas Straße zum Sieg.

Hoffmann ist Kauffrau für Bürokommunikation - in die Meisterschaft ist sie eher zufällig „hineingeplumpst“, sagt sie. Ihr Freund hatte sich zur Vorrunde angemeldet und sie begleitete ihn. „Ich wollte nur zum Zuschauen hin und dann hieß es, hier fehlt einer, komm, setz dich hin und mach mit.“ Ihr Freund schied aus, Ita aber kam weiter, gewann das Finale und war mit einem Mal deutsche Meisterin. Eine besondere Strategie? „Nein, gar nicht“, sagt sie.

Die Spielregeln musste sie sich erst wieder ins Gedächtnis rufen, Monopoly hatte sie zuletzt als Kind gespielt. Dementsprechend unbedarft sei sie ans Werk gegangen. „Beim ersten Spiel war das mein Vorteil - ich wurde nicht bemerkt“, sagt sie. „Ich war unauffällig, die Ruhige aus dem Hintergrund.“

Man glaubt das sofort: Hoffmann spricht von den vier Spielern am Tisch am wenigsten, sie beobachtet ruhig das Spielbrett, würfelt und setzt mit kleinen, schnellen Bewegungen.

Dabei scheint Monopoly etwas für große Gesten und Strategen zu sein: Der dreifache Meister Armbrüster ist das Selbstbewusstsein in Person. „Mit den orangenen und den hellblauen Straßen gewinne ich jedes Spiel“, sagt der 58-Jährige. Er lacht viel, laut und mitreißend, auch kleine Erfolge feiert er, indem er die Arme in die Höhe reißt. Im Spiel ergreife er gern die Initiative, sagt er. Sein Gegenüber Schellinger meint, Spielen sei eine Männerdomäne. „Männer spielen, um zu gewinnen, Frauen spielen, um unterhalten zu sein“, findet der 51-Jährige.

Gewonnen habe sie dank der guten Beratung ihrer Mitspieler, sagt Hoffmann an dem Sonntag in Friedrichshain bescheiden. Die wichtigsten Regeln will sie mit zur Weltmeisterschaft nehmen. Sie freue sich darauf, viele Menschen aus neuen Ländern kennenzulernen. Sie fragt sich aber auch: „Kriege ich das alles hin?“ Mit Ruhe und etwas Glück - bestimmt. Charlotte Gerling, dpa

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