Der Vertriebsleiter Hans-Jörg Ullrich im Gewölbekeller des Gutshofes Kaulsdorf an einer uralten Abfüllanlage für Spirituosen.
© Volkmar Otto Lizenz
Der heutige Geschäftsführer Patrick Mier, gelernter Ingenieur, muss das Familienunternehmen durch schwere Zeiten führen
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Blick auf das Schilkin-Hauptgebäude von der B1 aus.
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Die heutige Etikettier-Anlage von Anker. Mehrere hundert Flaschen rattern hier pro Stunde über das Band.
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In den 70ern arbeiteten mehr als 200 Menschen bei Schilkin in Kaulsdorf.
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Edda Sponholz arbeitet seit mehr als 30 Jahren bei Schilkin. Hier klebt sie in Handarbeit Etiketten auf Flaschen des Schilkin-Gins „Berliner Brandstifter“.
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Seit 28 Jahren arbeitet Katrin Heine für den Spirituosenhersteller Schilkin. Seit 1999 ist sie in der Herstellung und der Qualitätskontrolle beschäftigt. Hier misst sie mit einem Reagenzglas gerade den Alkoholgehalt des Pfefferminzlikörs „Berliner Luft“
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Ein gebürtiger Russe gab Schilkin (hier das Firmenwappen vor einigen Produkten) seinen Namen.
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Drei Schilkin-Produkte: Der Goldbrand ...
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... der Wodka ...
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... und der Pfefferminzlikör „Berliner Luft“.
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Katrin Heine kann die Frage nicht mehr hören. „Traumjob, oder?“ nervt sie gewaltig. Die 45-Jährige stellt dann ihr Probiergläschen weg, schaut ernst, und antwortet mit einer Gegenfrage. „Wer bitte hat morgens um 9 Uhr schon Lust auf einen Schnaps?“ Der Bruchteil der Berliner, die das mit „Ich“ beantworten, hat ein Problem. Katrin Heine nicht. Sie arbeitet in der Herstellung der Kaulsdorfer Spirituosenfirma „Schilkin“, leitet die Verkostungen. Interne Qualitätskontrolle nennt sich das Prozedere. Die 45-Jährige trinkt, beziehungsweise nippt, aus beruflichen Gründen. Nun ist Katrin Heines Job in Gefahr. Denn dem Traditionsunternehmen Schilkin droht das Aus.
Von vorn: In den 1920ern emigriert Sergei Apollonowitsch Schilkin nach Berlin. Abitur 1936 am Karlshorster Immanuel-Kant-Gymnasium, ab 1938 Maschinenbaustudium an der damaligen Technischen Hochschule. Ein Jahr vor Kriegsende, 1944, wird der gebürtige Russe Leiter des TH-Instituts für Schweißtechnik. Nach dem Ende des Hitler-Regimes baut Schilkin mit seiner Frau Erna die alte Spirituosenfabrik im Gutshof Kaulsdorf (direkt an der B1) wieder auf – und macht sie zu einer der qualitativ führenden Produktionsstätten der DDR, verkauft 200 Millionen Flaschen pro Jahr. 1971 wird der Staat „in Volkseigentum überführt“. Zwar bleibt Schilkin Betriebsleiter des VEB, ist aber nicht mehr Chef im Haus.
Bis zur Wende. Der Betrieb wird rücküberführt, im hohen Alter von 75 Jahren übernimmt Sergej Schilkin wieder das Ruder. Doch der Absatz bricht dramatisch ein. „Die Leute hatten die Nase voll von Ost-Produkten. Wir haben nur noch vier Millionen Flaschen verkauft.“ Der Mann, der das sagt, heißt Patrick Mier und ist heute Schilkin-Chef. Der 47-Jährige ist der Enkel des 2007 verstorbenen Patriarchen. Der gebürtige Lüneburger muss den Familienbetrieb durch die zweite schlimme Krise seines Bestehens führen – denn Schilkin befindet sich seit kurzem in Insolvenz – in einem Schutzschirmverfahren.
Der Vertriebsleiter Hans-Jörg Ullrich im Gewölbekeller des Gutshofes Kaulsdorf an einer uralten Abfüllanlage für Spirituosen.
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Der heutige Geschäftsführer Patrick Mier, gelernter Ingenieur, muss das Familienunternehmen durch schwere Zeiten führen
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Blick auf das Schilkin-Hauptgebäude von der B1 aus.
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Die heutige Etikettier-Anlage von Anker. Mehrere hundert Flaschen rattern hier pro Stunde über das Band.
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In den 70ern arbeiteten mehr als 200 Menschen bei Schilkin in Kaulsdorf.
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Edda Sponholz arbeitet seit mehr als 30 Jahren bei Schilkin. Hier klebt sie in Handarbeit Etiketten auf Flaschen des Schilkin-Gins „Berliner Brandstifter“.
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Seit 28 Jahren arbeitet Katrin Heine für den Spirituosenhersteller Schilkin. Seit 1999 ist sie in der Herstellung und der Qualitätskontrolle beschäftigt. Hier misst sie mit einem Reagenzglas gerade den Alkoholgehalt des Pfefferminzlikörs „Berliner Luft“
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Ein gebürtiger Russe gab Schilkin (hier das Firmenwappen vor einigen Produkten) seinen Namen.
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Drei Schilkin-Produkte: Der Goldbrand ...
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... der Wodka ...
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... und der Pfefferminzlikör „Berliner Luft“.
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Das heißt, dass die Firma, wenn die Produktion weiterlaufen würde wie bisher, bald zahlungsunfähig wäre. Mier: „In den letzten Jahren sind die von uns benötigten Rohstoffe, also Korn, Wasser, Strom und Diesel extrem teurer geworden. Die Flaschenpreise blieben aufgrund des extremen Preisdrucks am Markt gleich.“ Beispiel: Kostete eine Flasche Wodka vor der Euro-Einführung 10 D-Mark, so sind es heute 4,99 Euro.
Ein weiterer Grund für das Schilkin-Insolvenzverfahren ist unter anderem ein Vertrag mit einer großen Einzelhandelskette, für die die Kaulsdorfer ein Eigenprodukt herstellen. Dieses bringt zwar 38 Millionen Euro Umsatz im Jahr, führt unterm Strich aber jährlich zu sechsstelligen Verlusten bei Schilkin. Mit dem Schutzschirm konnten die Berliner diesen und andere solcher Verträge mit Supermärkten (allein bei Kaufland vertreibt Schilkin 47 Artikel) ohne die sonst fälligen horrenden Strafen auflösen.
Patrick Mier: „Es gibt Hoffnung. Wir sehen Licht am Ende des Tunnels, hoffen, um den Jahreswechsel das Verfahrens zu Ende zu bringen, um uns dann auf unsere Spezialitäten konzentrieren zu können.“ Speerspitze der neuen Strategie soll die „Berliner Luft“, ein Pfefferminzlikör, in Tausenden Kneipen und wegen seines Ost-Retro-Looks bei Touristen beliebt, werden. Dabei helfen, den Karren aus dem Dreck zu ziehen, soll unter anderem Getränke-Koryphäe Dr. Erlfried Baatz. Er war früher Henkell-Chef und Gesellschafter bei Deutschlands größter Braugruppe „Radeberger“.
Einige Gehaltsstufen weiter unten sieht Katrin Heine das Verfahren mit gemischten Gefühlen. Logisch. Sie lebt mit und für Schilkin. Vor 28 Jahren, als Jugendliche, kam sie in den Betrieb. Verlassen hat sie ihn nie. „Und das soll bis zur Rente auch so bleiben“, lacht sie. Darauf hebt sie dann doch ihr Glas. Selbst morgens 9 Uhr.
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