Schilder-Irrsinn

Radfahrer ratlos am Alex

Senat will den Platz nicht zur Fußgängerzone machen, unterschiedliche Verkehrsschilder sorgen für Verwirrung.

Holger Schacht
Lesezeit 2 Min
Quer über die Gleise der Straßenbahn radelt diese Frau auf dem Alexanderplatz. Die Polizei schaut zu, sie duldet das.

Quer über die Gleise der Straßenbahn radelt diese Frau auf dem Alexanderplatz. Die Polizei schaut zu, sie duldet das.

© Volkmar Otto Lizenz

Abgeordneter Tom Schreiber (SPD) wollte Klarheit, stellte dem Senat eine Kleine Anfrage: „Seit wann ist der Alexanderplatz als Fußgängerzone deklariert?“ Gar nicht – geht aus der Antwort hervor: „Der Alexanderplatz ist seit dem 12. 06. 2009 als öffentliches Straßenland für den Fußgänger-, Straßenbahn-, Rad- und Lieferverkehr gewidmet.“

Mit den Verkehrsschildern und der Straßenführung dürften die Radfahrer allerdings Schwierigkeiten haben. Kommen sie von der Alexanderstraße, endet der Radweg abrupt (ohne Hinweis) und wird offensichtlich zum Gehweg. Kommen sie von der Rathausstraße, wird ihnen per Bepflasterung und grünen Pfeil (überklebt) suggeriert, dass sie rechts in die Dircksenstraße abbiegen müssen. Wenige Meter weiter (am Kaufhof) gibt es dagegen ein Schild, das Radfahren auf dem Alex erlaubt.

Auf der nächsten Seite: Radfahren doch verboten?

Wegen der unklaren Lage verzichtet die Polizei offenbar auf Anzeigen gegen Radfahrer wegen Ordnungswidrigkeiten, duldet im Gegensatz zum Breitscheidplatz (City-West) das Fahren auf dem Alex. War nicht immer so. Noch 2011 schrieben die Beamten Anzeigen, gegen die offensichtlich erfolgreich Widerspruch eingelegt werden konnte. Den ersten Polizei-Antrag, den Alex in eine Fußgängerzone zu verwandeln, gibt es seit 1996. Würde er genehmigt, dürften Radfahrer nur noch schieben und müssten wie Autofahrer höhere Verwarngelder zahlen.

Doch der Senat ist dagegen. In der Antwort auf Schreibers Anfrage heißt es: „Aus Sicht des Senats hat sich die momentan bestehende Beschilderung bewährt.“ Und weiter: „Es gibt keine Informationen, dass die gegenwärtige Verkehrsregelung Schwierigkeiten verursacht.“

In der Sache ganz sicher scheint sich der Senat dann doch nicht zu sein. Er bat den Bezirk Mitte und die Straßenverkehrsbehörde darum, die Beschilderung nochmals zu prüfen. Philipp Poll (31) vom Fahrrad-Verkehrsclub ADFC: „Am besten wäre ein Fahrradweg über den Alex. Parallel zu den Straßenbahnschienen.“

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com

Lesen Sie mehr zum Thema