Jetzt spricht der SEK-Beamte

Darum habe ich meine Chefs angezeigt

Karsten Loest wirft Margarete Koppers und Dieter Glietsch Körperverletzung vor.

Christian Gehrke
Lesezeit 2 Min
Karsten Loest musste seinen Dienst aus gesundheitlichen Gründen quittieren.

Karsten Loest musste seinen Dienst aus gesundheitlichen Gründen quittieren.

© cam.cop media / Andreas Klug

Weil Polizisten beim Schießtraining regelmäßig krebserregenden Stoffen ausgesetzt waren, ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft - bislang gegen Unbekannt. Doch nun hat ein früherer Polizei-Beamter den Ex-Präsidenten Dieter Glietsch und Vizepräsidentin Margarete Koppers wegen Körperverletzung angezeigt.

Der Berliner Karsten Loest hat jahrelang beim SEK gearbeitet und musste seinen Dienst aus gesundheitlichen Gründen beenden. Die Lüftung der Anlagen hatte nie richtig funktioniert.

Mut sich zu wehren

Im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt Karsten Loest, was ihn zu dem mutigen Schritt bewogen hat: „Die Diskussion um die vergifteten Schießstände geht ja schon länger. Ich habe mir immer die Frage gestellt: Wer hätte etwas machen müssen?“  

Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte sich schon länger mit den vergifteten Schießständen beschäftigt, Loest und seinen Kollegen sei es jetzt wichtig gewesen, „einen Namen auf den Aktendeckel zu bekommen.“ 

„Ich war und bin mit Leib und Seele Polizist. Die Verantwortlichen hatten damals die Pflicht, die Schießstände in Ordnung zu bringen. Dafür, dass niemand zu Schaden kommt. Sie sind ihrer Pflicht nicht nachgekommen.“

Hinderlich für die Karriere

Der 52-Jährige macht Glietsch und Koppers dafür verantwortlich, "wiederholt an ihm und weiteren Polizeibeamten Körperverletzungen begangen zu haben mit kurz- und vermeintlich auch längerfristigen Schädigungen". So lautet der Text der Strafanzeige.

Wäre der Berliner noch im Dienst, hätte er diesen Schritt nicht gewagt. „Ein Polizist, der noch im Amt ist, hat nicht den Mut. Ich kenne die Furcht der Kollegen. Ich kenne welche, die im Weiterkommen gehindert wurden, weil sie den Mund aufgemacht haben“, sagt Karsten Loest. 

Kein Racheakt

Bei der Anzeige gegen seine höchsten Vorgesetzten geht es ihm nicht um die Bewältigung seines eigenen Schicksals: „Als Polizist habe ich einen Eid geschworen - ich kann nicht nur den kleinen Eierdieb mit der Härte des Gesetzes bestrafen. Jeder muss für das, was er falsch gemacht hat, zur Rechenschaft gezogen werden. Auch Polizeipräsidenten.“ 

Dieter Glietsch war von 2002 bis Ende Mai 2011 Polizeipräsident. Danach übernahm  Koppers als amtierende Polizeipräsidentin bis Ende 2012. Seit 2013 ist sie Vize-Polizeipräsidentin. Im Sommer soll sie Generalstaatsanwältin werden und die freiwerdende Stelle von Ralf Rother einnehmen.

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