Schieflage in den Bezirken

In diesen Kiezen ist der Ärzte-Mangel Praxis

Lichtenberg und Neukölln wollen kommunale Medizin-Zentren einrichten.

Elmar Schütze
Lesezeit 2 Min
Die Ärzteversorgung ist in Berliner Bezirken sehr unterschiedlich.

Die Ärzteversorgung ist in Berliner Bezirken sehr unterschiedlich.

© imago/Rainer Weisflog

Um die Ungleichheit zu beenden, hat sich eine ungewöhnliche Koalition gebildet. Kerstin Framke, Gesundheitsstadträtin von Lichtenberg, hat sich mit Falko Liecke aus Neukölln zusammengetan, eine Linke-Frau mit einem CDU-Politiker. Sie wollen eine fairere Versorgung durchsetzen – im Zweifel gegen die organisierte Ärzteschaft.

Über die Kassenärztliche Vereinigung (KV) teilen sich niedergelassene Ärzte nach einem Schlüssel die Stadt auf. Der Vorwurf: Die Daten sind oft veraltet. „Lichtenberg wächst stark. Außerdem haben wir die meisten Flüchtlinge aufgenommen. Doch die KV reagiert darauf nicht“, sagt Framke.

26,9 Psychotherapeuten auf je 100.000 Einwohner

Tatsächlich wollen die meisten Ärzte einfach dorthin, wo viele Privatpatienten leben. Das Ergebnis ist eine Schieflage in den Bezirken mit weniger Privatpatienten. In Lichtenberg zum Beispiel kommen 26,9 Psychotherapeuten auf je 100.000 Einwohner, in Neukölln sind es 28,9. Der berlinweite Durchschnitt liegt bei 59,4 Psychotherapeuten pro 100.000 Einwohner. In Tempelhof-Schöneberg dagegen praktizieren 104,6 Psychotherapeuten, in Charlottenburg-Wilmersdorf 146,5.

Lichtenberg und Neukölln wollen ein Konzept für kommunale Medizinische Versorgungszentren erarbeiten. „In einer GmbH könnte man Ärzte mit normalen Verträgen anstellen“, sagt Liecke. Für Kollegin Framke steht fest: „Das Kassensystem wird kollabieren. Wir brauchen ein grundsätzliches Umdenken.“

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