Schalck-Golodkowski

Selbst nach dem Tod macht er noch Geschäfte

40 Stücke des DDR-Devisenbeschaffers kommen unter den Hammer.

Alexander Schmalz
Lesezeit 3 Min
Honecker überreicht Schalck-Golodkowski den Großen Stern der Völkerfreundschaft (1984).

Honecker überreicht Schalck-Golodkowski den Großen Stern der Völkerfreundschaft (1984).

© Auktionshaus Zeige

Zum letzten Mal heißt es: Alles gegen Devisen! Der aus Köpenick stammende Antiquitätenhändler Carsten Zeige (53) versteigert in Hamburg den Nachlass von Ex-Devisen-Beschaffer Alexander Schalck-Golodkowski, dem ehemaligen Oberst des Ministeriums für Staatssicherheit.

Rar! 1959 gestiftet. Der Große Stern der Völkerfreundschaft, vergoldet. Startpreis: 3.000 Euro

Rar! 1959 gestiftet. Der Große Stern der Völkerfreundschaft, vergoldet. Startpreis: 3.000 Euro

© Auktionshaus Zeige

Die rund 40 Positionen, wie es in Sammlerdeutsch heißt, werden mit einem Startpreis von rund 30.000 Euro angeboten. Wenn die tatsächlichen Einnahmen am Ende dreimal so hoch sind, „wäre es eine Sensation“, meint der Ex-Berliner Zeige, der in der Hansestadt das Auktionshaus Antiquitäten und Historica Carsten Zeige betreibt.

"Wir wollen keine Spaßbieter"

Verleihungsurkunde mit Originalunterschrift von Walter Ulbricht. 

Verleihungsurkunde mit Originalunterschrift von Walter Ulbricht. 

© Auktionshaus Zeige

Interessenten können in einem Saal in Hamburg, live im Internet oder per Telefon mitbieten. Informationen zum Bieten sowie der Auktionskatalog stehen auf der Internetseite des Hamburger Auktionshauses.

„Wir wollen keine Spaßbieter. Jeder muss sich glaubhaft als Spender darstellen“, sagt Zeige. Für Interessenten, die im Saal mitbieten wollen, bedeutet das, dass sie sich auf ein kurzes Gespräch mit dem Auktionator einstellen können. „Wir sehen dann schon, wer Ahnung hat und wer nicht“, meint der Experte. Fadenscheinige Gäste haben 2000 Euro zu hinterlegen. Wer nichts kauft, bekommt sein Geld zurück. 

Das Auktionshaus handelt im großen Stil mit DDR-Relikten

Unter den Auktionslosen sind bekannte DDR-Orden und rare Auszeichnungen aus der politischen Karriere des damals so wichtigen Mannes der DDR-Wirtschaft. Agentenbrille mit Diplomatenpass (Startpreis: 1.000 Euro), der Große Stern der Völkerfreundschaft (Startpreis: (3.000 Euro), der Karl-Marx-Orden in Gold (Startpreis: 3.000 Euro), Vaterländischer Verdienstorden in Gold (Startpreis: 4.000 Euro). Aber auch Medaillen für wenige Hundert Euro sind dabei.

Sein Dienstpass, ausgestellt März 1960, mit Lichtbild und seiner Unterschrift. (Startpreis: 300 Euro.)

Sein Dienstpass, ausgestellt März 1960, mit Lichtbild und seiner Unterschrift. (Startpreis: 300 Euro.)

© Auktionshaus Zeige

Wie der ehemalige Berliner, der auch schon den Nachlass von Willi Stoph und Erich Mielke versteigerte, an die Stücke von Schalck-Golodkowski kam, wollte er nicht verraten. „Die Wege zu uns sind mannigfaltig“, sagt er. Sein Auktionshaus sei das einzige, das in diesem Stil mit DDR-Geschichte handelt.

Nach KURIER-Informationen soll sich ein Familienmitglied bei dem Experten gemeldet haben und alles auf einen Schlag verkauft haben. Dies sei kein Einzelfall, so der Auktionator. Die DDR-Bonzen seien nicht alle so reich gewesen wie vermutet. 

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