Schalck-Golodkowski ✝

Der Mann, der die DDR am Leben hielt

Der Tod war für ihn die Erlösung. Drei Wochen lag Alexander Schalck-Golodkowski († 82) im Koma, die Ärzte konnten nichts mehr für ihn tun.

NORBERT KOCH-KLAUCKE
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Sein Berliner Akzent war das Markenzeichen für den geborenen Treptower Schalck-Golodkowski.

Sein Berliner Akzent war das Markenzeichen für den geborenen Treptower Schalck-Golodkowski.

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„Seit 1987 litt Schalck-Golodkowski an Prostata-Krebs“, berichtet ein enger Vertrauter dem KURIER. „In den vergangenen Jahre hatte er Beschwerden, ließ sich immer wieder operieren.“

Schalck-Golodkowski litt unter Schmerzen, musste nun wieder ins Krankenhaus. „Das Krebsgeschwür hatte sich mittlerweile auch auf die Leber ausgebreitet. Er litt Qualen. Schalck-Golodkowski fiel in der Klinik ins Koma, aus dem er nicht mehr aufwachte“, sagt der Vertraute.

Die getönte Brille, sein Berliner Dialekt waren die Markenzeichen von Schalck-Golodkowski, der in Treptow geboren wurde. Als Wirtschaftsfunktionär, Devisenbeschaffer, Stasi-Offizier im besonderen Einsatz gehörte er zu den Mächtigsten in der DDR.

Der Feinmechaniker-Lehrling aus dem EAW-Treptow arbeitete sich schnell nach oben. Noch während seines Ökonomie-Studiums (1954-57) wurde er Hauptverwaltungsleiter im Außenhandelsministerium. 1966 gründete das MfS die Abteilung „Kommerzielle Koordinierung“ (KoKo), die mit verdeckten Geschäften Devisen für die DDR beschaffen sollte.

Stasi-Chef Erich Mielke setzte Schalck-Golodkowski als KoKo-Chef ein. „Ich habe immer Beziehungen zu den Mächtigen gehabt, weil ich kein Verlierer sein wollte“, sagte er einmal. Der Devisenbeschaffer verstand sein Handwerk. Mit Tarnfirmen im Westen verscherbelte er Kunstwerke, Waffen, Grundstücke. Sogar Blutkonserven aus DDR-Kliniken. Auf Fuerteventura machte Schalck mit einem Hotel kasse. Den SED-Bonzen besorgte er nicht nur Pornos. Der Mann finanzierte mit den Erlösen ihre Wandlitz-Siedlung.

Sein größter Coup: 1983 handelte er mit dem damaligen Ministerpräsidenten Bayerns, Franz Josef Strauß, einen Milliardenkredit für die DDR aus, die kurz vor der Pleite stand.

Als 1989 die DDR unterging, floh Schalck-Golodkowski aus Angst in den Westen, baute sich in Rottach-Egern am Tegernsee sein Exil auf. Es gab Prozesse wegen seiner Geschäfte und der Millionen, die auf Konten wie in der Schweiz schlummerten. Im Büro-Keller lagerten Goldbarren, die nach dem Mauerfall verschwanden. Wo sie blieben – das Geheimnis nimmt Schalck-Golodkowski nun mit ins Grab.

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