Schadstoffbelastung zu hoch

Berlin soll zur Tempo-30-Stadt werden

Die EU droht mit Strafzahlungen, sollte die Luft in der Hauptstadt nicht sauberer werden. Deshalb tritt Berlin auf die Bremse. Der Senat prüft bereits, wo neue Tempo-30-Zonen entstehen könnten – auch auf großen Verkehrsachsen.

Mike Wilms
Lesezeit 3 Min

© picture-alliance / dpa Privat Lizenz

In einer hektischen Metropole wollen die Menschen meist nur eines – schnell ans Ziel. Aber die Schadstoffe von Autos, Lkw und Bussen verpesten die Atemluft. Vor allem Stickoxide aus Dieselmotoren. Die Folgen sind Asthma und kaputte Lungen. Das Heilmittel: Runter vom Gas!

Hintergrund: Die EU hat gegen Deutschland ein Verfahren wegen Vertragsverletzung angestrengt. Um Strafzahlungen abzuwenden, müssen die Bundesländer spuren. Weil vier Fünftel der Giftbelastung direkt aus dem Verkehr stammen, sollen Fahrzeuge an die Kette gelegt werden. Das wird viele Fahrer mächtig wurmen!

Einige Berliner Orte mit regelmäßigen Grenzwert-Überschreitungen sind Karl-Marx-Straße und Silbersteinstraße in Neukölln, Frankfurter Allee, Mariendorfer Damm und der Hardenbergplatz am Zoo. Experte Martin Schlegel (48) vom BUND fordert jetzt eine flotte Ausweitung der Tempo-30-Zonen. Dafür hat er eine Reihe Straßen ausgeguckt, die bisher unterm Öko-Radar des Senats durchgerutscht seien.

Er nennt etwa die Berliner Allee in Weißensee, die Grunewaldstraße und die Kolonnenstraße. Unterm Gesichtspunkt der Verkehrssicherheit soll auch die Schöneberger Akazienstraße beruhigt werden. Die Grünen in der City West ergänzen noch die unfallträchtige Neue Kantstraße und Teile der Kantstraße. Einen entsprechenden Antrag haben sie bereits in der BVV vorgelegt.

Aber wie weit sind konkrete Pläne für neue Tempo-30-Zonen gediehen? Im Senat heißt es: „Durch den Luftreinhalteplan ist das kein neues Thema für uns. Jetzt gibt es noch einmal ergebnisoffene Untersuchungen auf bestimmten Abschnitten und Strecken.“ Sie werden auf Lärm, Luftreinhaltung und Verkehrssicherheit getestet. Dabei wird geschaut, „wo Tempo 30 oder etwa ein Lkw-Verbot sinnvoll wäre“.

Nicht angedacht ist, auf allen geprüften Strecken automatisch Tempo 30 einzuführen. Auch ein Limit für ganz Berlin ist nicht geplant. Ergebnisse gibt’s 2016. Auf 70 Prozent der Straßen gilt – zumindest streckenweise – bereits Tempo 30. Der Senat arbeitet zudem an einer Verkehrslenkung, die noch 2015 an der Invalidenstraße aufgebaut und getestet werden soll.

Der Verkehrsfluss soll sich der jeweiligen Stickstoffdioxid-Belastung anpassen. Man will den Verkehr nicht pauschal bremsen. Am Dienstag wird wohl festgelegt, dass ab 2016 nur noch Maschinen mit schadstoffarmen Motoren auf Baustellen ackern dürfen.

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com

Lesen Sie mehr zum Thema